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Der Natur ihren Lauf lassen – das ist das Ziel der rot-grünen Landesregierung in Hannover. Auch im Landkreis Lüneburg sollen einige Waldstücke aus der Bewirtschaftung genommen und sich selbst überlassen werden. Foto: phs
Der Natur ihren Lauf lassen – das ist das Ziel der rot-grünen Landesregierung in Hannover. Auch im Landkreis Lüneburg sollen einige Waldstücke aus der Bewirtschaftung genommen und sich selbst überlassen werden. Foto: phs

Die Regierung will es wild: Weitere Flächen als Naturwälder ausgewiesen

kre Scharnebeck. Niedersachsens Wälder sollen wilder werden: Das ist das gemeinsame Ziel der Ministerien Umwelt und Landwirtschaft in Hannover. Thomas Mitschke vom Naturschutzbund (NABU) findet das prima: ,,Wir haben in unseren Wäldern einen hohen Holzeinschlag und Nutzungsdruck. Wenn jetzt Waldflächen aus der Bewirtschaftung genommen und sich selbst überlassen werden, kann das nur gut für die Natur und die Artenvielfalt sein“, sagt der Lüenburger Umweltschützer.
Im Landkreis Lüneburg sind es vor allem die die Revierförstereien Busschewald mit der Bennerstedt sowie jenseits der Elbe Grünenjäger und Falkenhof in der Gemeinde Amt Neuhaus mit ihren Flächen an der Rögnitz, die Teile ihrer Forst der natürlichen Waldentwicklung überlassen müssen. Aber auch in Grünhagen (Bienenbüttel) und im Süsing werden Naturwald-Areale entstehen. Konkret bedeutet das: Kein Holzeinschlag und keine Pflegemaßnahmen mehr. Auch die Waldwege, die zurzeit noch in diese Wälder führen, werden wohl in wenigen Jahren nicht mehr befahrbar sein, weil zugewachsen und durch umgestürzte Bäume versperrt. Naturwald eben.

Allerdings: Bejagd werden sollen diese Flächen auch künftig noch, um eine Überpopulation an Wild zu vermeiden. „Der Abtransport des erlegten Wildes wird sich dann allerdings deutlich schwieriger gestalten“, ist sich Reiner Baumgart, Pressesprecher der Niedersächsischen Landesforsten, sicher.

Ein großes Stück Naturwald wird in der Bennerstedt zwischen Scharnebeck und Brietlingen entstehen. Revierförster ist Burkhard von List. Er sagt: „Das ist ein Waldstück, das ich auch jetzt schon anders als die anderen bewirtschaftet habe. In dem jetzt schon deutlich mehr Totholz zu finden ist, Spechtbäume stehen gelassen wurden.“ Auf einer Karte der Landesregierung sind im Internet unter (http://www.nw-fva.de/NWE5ip) die Flächen dargestellt, die künftig Naturwaldstatus haben werden. Die farblichen Markierungen stellen die schützenswerten Baumarten da: Gelb steht für Eichenbestände, braun für Buche, hellgrün für Harthölzer wie Esche oder Ahorn, dunkelblau für Fichte und die Farbe Rot für Lärche. „Das sind alles naturschutzfachlich besonders wertvolle Bestände“, erläutert Baumgart.

Insgesamt sollen zehn Prozent des Landeswaldes einer natürlichen, ungenutzten Entwicklung überlassen werden. So steht es im Koalitionsvertrag von SPD und Grünen.
Zum Regierungswechsel 2013 waren 5,1 Prozent des Landeswaldes nutzungsfrei. „Gemeinsam mit dem Umweltministerium haben die Landesforsten seitdem fast 11 500 Hektar zusätzliche ‚Hotspots der Artenvielfalt‘ neu ausgewiesen. Mit rund 27 800 Hektar sind damit jetzt bereits 8,3 Prozent der Landeswaldfläche als nutzungsfrei gesichert“, heißt es lobend in der gemeinsamen Pressemitteilung der beiden Ministerien. Der größte Anteil sind mit über 9500 Hektar naturnahe, alte Buchenwälder, gefolgt von der Fichte mit 5780 Hektar vor allem im Harz. Aber auch wertvolle alte Eichenbestände werden mit 1740 Hektar aus der Nutzung genommen und tragen zur Wildnis-Entwicklung bei.

Doch das erklärte Ziel liegt bei zehn Prozent Naturwald: Um bis 2020 die Lücke zu schließen, sollen auch die Bürger mithelfen. „Sie können bis zum 18. Dezember eigene Vorschläge für weitere Landesflächen machen, die in das Programm aufgenommen werden sollen. Vorgabe: Die zukünftigen Naturwald-Flächen müssen dabei mindestens 3000 Quadratmeter groß sein. Bei der späteren Auswahl der Flächen spielen dann unter anderem die vorhandenen Baumarten, die Biotopvernetzung, der Totholzanteil, die Naturnähe sowie das Bestandsalter eine Rolle.

Aber auch Privatwaldbesitzer, Kirchen, Kommunen, Verbände und Stiftungen sollen nach dem Willen der rot-grünen Landesregierung dem Beispiel der Landesforsten folgen und eigene Wälder für das Naturwald-Programm melden.

„Deutschland muss seinen Anteil zum weltweiten Schutz der Wälder leisten. 95 Prozent der Waldflächen werden weiterhin bewirtschaftet. Die Versorgung mit dem nachwachsenden Rohstoff Holz und der wirtschaftliche Erfolg der Niedersächsischen Landesforsten werden sichergestellt“, ist Landwirtschaftsminister Christian Meyer (Grüne) überzeugt.

One comment

  1. Welche Bereiche des Stadtwaldes Lüneburg können aus der Nutzung genommen werden und der Wildnis-Entwicklung überlassen werden ? Uelzen hat schon vorgelegt !