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Sie trafen sich jetzt am neuen Luhe-Nebenarm: (v. l.) Thomas Prüfer (Ingenieurbüro Heuer-Jungemann), Detlev Gumz, Dr. Yvonne Brodda (Metropolregion Hamburg), Dr. Björn Hoppenstedt und Karsten Borggräfe. Foto: be
Sie trafen sich jetzt am neuen Luhe-Nebenarm: (v. l.) Thomas Prüfer (Ingenieurbüro Heuer-Jungemann), Detlev Gumz, Dr. Yvonne Brodda (Metropolregion Hamburg), Dr. Björn Hoppenstedt und Karsten Borggräfe. Foto: be

Ein neues Bett für die Luhe

pet Luhmühlen. Schnurgerade verläuft die Luhe südlich von Luhmühlen — begradigt vor rund 100 Jahren und ideal, um landwirtschaftliche Flächen effizienter nutzen zu können. Alles andere als ideal ist die gerade Flusslinie aber für die Entwicklung einer abwechslungsreichen Tier- und Pflanzenwelt. Das soll, zumindest in einem Bereich, ganz anders werden: Auf einer Länge von 600 Metern wurde jetzt ein naturnaher Luhe-Nebenarm geschaffen, der sich in mehreren Windungen idyllisch durch die Wiesen schlängelt und die strengen Anforderungen der FFH-Richtlinien der Europäischen Union erfüllen soll.

Knapp zwei Kilometer südlich von Luhmühlen teilt sich seit einigen Monaten die Luhe. Etwa 40 Prozent des Wasserabflusses werden durch den künstlich geschaffenen neuen Luhearm geführt, die restlichen 60 Prozent nehmen den geraden Weg. Um die Höhe des Wasserstands zu erhalten, wurde der Hauptarm mit Kieslagen eingeengt. Am liebsten hätte man die gesamte Luhe in diesem Bereich in ein neues Flussbett geführt, sagte Detlev Gumz, Leiter der Abteilung Naturschutz und Landschaftspflege beim Landkreis Harburg jetzt bei einer Besichtigung, zu der Harburgs Kreisrat Dr. Björn Hopppenstedt zahlreiche Gäste begrüßte. „Aber das wäre zu langwierig gewesen.“

Das neugeschaffene Fließgewässer und die angrenzenden Auen mit einer Fläche von 5,6 Hektar werden jetzt der natürlichen Entwicklung überlassen, bieten beste Lebensbedingungen etwa für Fischotter, Bachforelle, Groppe, Bachneunauge oder auch Libellenarten wie die seltene Grüne Keiljungfer. „Einmalig im Landkreis Harburg und auch im Land Niedersachsen schwer zu finden“, sei das, was zwischen November 2014 und Juni 2015 an der Luhe entstanden ist, sagt Detlev Gumz.
Schon jetzt sei der Fischotter an der Luhe „relativ gut“ vertreten, berichtet Karsten Borggräfe von der Aktion Fischotterschutz Hankensbüttel. Der neu geschaffene Lebensarm würde die Lebensbedingungen für die an das Wasserleben angepasste Marderart, die zu den besten Schwimmern unter den Landraubtieren zählt, weiter verbessern. Der Fischotter ist in der „Roten Liste“ als gefährdete Tierart eingestuft.

Der Landkreis Harburg hat das Projekt gemeinsam mit der Aktion Fischotterschutz auf den Weg gebracht und verwirklicht. Möglich wurde das Projekt auch durch das Entgegenkommen des Grundstückseigentümers, der die bisherige Acker- und Gründlandfläche zur Verfügung gestellt hat.

Rund 340000 Euro hat die ökologische Aufwertung der Luheaue gekostet — 100000 Euro hat die Metropolregion Hamburg im Zuge des Projekts „Das blaue Metropolnetz“ übernommen, 30000 Euro kommen von der Bingo-Umweltstiftung Niedersachsen, mehr als 50000 Euro vom Kreis Harburg sowie 160000 Euro aus Mitteln des landkreiseigenen Kompensationsflächenpools.

Insgesamt wurden bei Luhmühlen innerhalb eines halben Jahres 26800 Kubikmeter Boden bewegt, 4156 Tonnen Kies und Steine wurden in den Fluss eingebracht. „Dort kann jetzt das Leben toben“, so Detlev Gumz. Ob die angepeilten Ziele im Bereich der Entwicklung von Flora und Fauna erreicht werden, solle in einem regelmäßigen Monitoring überprüft werden. „Wir werden schauen, was sich hier entwickelt.“

Der Hauptlauf der Luhe kann auch künftig von Paddlern genutzt werden — ein Abbiegen in den jetzt geschaffenen Nebenarm ist allerdings verboten und soll durch einen quer gelegten Baumstamm verhindert werden. Auch das Angeln in dem neuen Nebenarm ist verboten.