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Gefragt sind Visionen und neue Ideen

cst Lüneburg. Lebten alle Menschen auf dem Globus etwa auf dem Level der Bewohner Hamburgs, würden dafür die Möglichkeiten des Planeten bei weitem nicht mehr ausreichen. „Dafür bräuchten wir — statistisch gesehen — 2,9 Erden“, sagte Prof. Dr. Daniel Lang, Dekan der Fakultät Nachhaltigkeit an der Leuphana. Mit dem anschaulichen Beispiel, das durchaus auch auf Lüneburg übertragbar sei, unterstrich der Wissenschaftler die Wichtigkeit eines von Nachhaltigkeit geprägten Handelns.

Es geht aber um mehr als „nur“ den schonenden Umgang mit Ressourcen. Neue Ideen sind notwendig, die dazu beitragen können, das Leben von morgen für alle Menschen auskömmlich zu gestalten. Hilfreiches könnte dafür der vom Bundesforschungsministerium ausgeschriebene Wettbewerb „Zukunftsstadt“ generieren, an dem sich auch die Hansestadt unter dem Titel „Lüneburg 2030+ — Visionen für ein nachhaltiges Lüneburg von morgen“ beteiligt. Bei der Auftaktveranstaltung vor mehr als 100 Zuhörerinnen und Zuhörern im Museum Lüneburg stellte Prof. Lang das Lüneburger Projekt bzw. dessen Abläufe vor. 25 Themenfelder sind an der Uni für die erste Wettbewerbsphase bereits identifiziert — und rund 700 Erstsemester in 25 Seminaren damit befasst. Unter anderem geht es um die Mobilität, um den Umgang mit Nahrungsmitteln, um Wohnformen, um die Energieversorgung, auch um soziale Themen oder die Demokratie der Zukunft.

Leiten lassen haben sich Lehrende und Studenten von den erst am 25. September von den Vereinten Nationen verabschiedeten 17 neuen Nachhaltigkeitszielen (Sustainable Development Goals). Und auch beim Zukunftsstadt-Unterfangen gilt der schon mit der „Agenda 21“ kreierte Leitsatz „Global denken, lokal handeln“. Prof. Lang sprach in dem Zusammenhang von Lüneburg als einem guten Pflaster, weil es in der Stadt schon viele Nachhaltigkeits-Initiativen gebe. Der entscheidende Punkt wird seinen Worten nach sein, wie gut es gelingen wird, die handelnden Gruppen zusammenzubringen zwecks gemeinsamer Ideen- und Lösungssuche, also die Studenten und Lehrenden mit interessierten Bürgern und Gruppen in der Stadt. Der Weg, den die jungen Leute in ihren Seminaren einschlagen, klingt jedenfalls verheißungsvoll — sie gucken selbst, wer ihnen in der Stadt von Nutzen bzw. behilflich sein könnte bei einer bestimmten Aufgabenstellung, um dann den Kontakt zu den Betreffenden herzustellen. Daneben freut sich Dr. Karl-Heinz Rehbein, Nachhaltigkeitsbeauftragter der Hansestadt, über jeden Interessierten, der sich bei ihm meldet — mit seiner Idee oder einfach seinem Wunsch mitzumachen.

Am 25. Februar 2016 sollen auf einer Konferenz in der Universität die entwickelten Visionen für Lüneburg2030+ vorgestellt und diskutiert werden. Im März 2016 findet sich dazu im Nachhaltigkeitsmagazin „Was zählt“ alles Wissenswerte — es liegt der Landeszeitung bei, die beim Unternehmen „Zukunftsstadt“ als Medienpartner fungiert. Schließlich soll am 6. April 2016 im Huldigungssaal des Rathauses der bis dahin erstellte digitale Atlas der Visionen-Entwickler an Oberbürgermeister Ulrich Mädge übergeben werden. „Wir hoffen, bis in Phase drei des Wettbewerbs vorzudringen“, sagte Prof. Lang. Dabei geht es dann für die verbliebenen acht Kommunen um die Umsetzung im „Reallabor“ — und um nicht unerhebliche Fördergelder. „Aber auch wenn wir es nicht schaffen sollten, machen wir weiter“, versprach der Dekan. Darüber seien sich alle Beteiligten einig.

Angesprochen sind bei Lüneburg2030+ alle Bürger, unverzichtbar dabei natürlich die Entscheidungsträger in ganz verschiedenen Bereichen als Multiplikatoren. Einige von ihnen umrissen bei der folgenden Podiumsdiskussion ihre Vorstellungen von der Zukunftsstadt: Superintendentin Christine Schmid, Museumsdirektorin Dr. Heike Düselder, Susanne Puschmann vom Verein T.U.N., Veranstalter der jährlichen Umweltmesse, Heiko Meyer, Chef der Lüneburg City Management (LCM), sowie der städtische Nachhaltigkeitsbeauftragte Dr. Karl-Heinz Rehbein. Komplettiert wurde die Runde durch Prof. Ulli Vilsmaier, Juniorprofessorin für transdisziplinäre Methoden und seit April Präsidiumsbeauftragte für Inter- und Transdisziplinität der Uni.

Das Tableau der Themen, mit denen sich insgesamt rund 700 Erstsemester in 25 Seminaren an der Leuphana für „Lüneburg 2030+“ befassen. Grafik: leuphana
Das Tableau der Themen, mit denen sich insgesamt rund 700 Erstsemester in 25 Seminaren an der Leuphana für „Lüneburg 2030+“ befassen. Grafik: leuphana
Wettbewerb in drei Phasen

Leise Autos, die keine Abgase mehr ausstoßen. Gesundes Gemüse, das auf Hausdächern gedeiht. Neue Gebäudekonzepte, die aus Abwasser klimafreundliche Energie gewinnen. Für die Stadt der Zukunft gibt es viele Ideen, die das Leben verbessern. Diese mit den Bürgern zu diskutieren, gemeinsame Visionen für die Zukunft zu entwickeln und in ersten Städten zu erproben — darum geht es — angestoßen im Wissenschaftsjahr 2015 — im Wettbewerb „Zukunftsstadt“ des Bundesministeriums für Bildung und Forschung.

Bundesweit 51 ausgewählte Städte, Gemeinden und Landkreise entwickeln dafür gemeinsam mit Bürgerinnen und Bürgern, Wissenschaft, lokaler Politik, Wirtschaft und Verwaltung eine ganzheitliche und nachhaltige Vision 2030+ für ihre Kommune.

Der Wettbewerb „Zukunftsstadt“ besteht aus drei Phasen — von der Entwicklung einer Vision über die Planung bis hin zur Umsetzung. Aus 168 Bewerbungen aus dem gesamten Bundesgebiet hatte eine unabhängige Experten-Jury im April dieses Jahres insgesamt 51 Städte, Landkreise und Gemeinden für die Teilnahme an der ersten Projektphase ausgewählt, darunter aus Niedersachsen Lüneburg, Soltau, Wolfsburg, Hildesheim und Oldenburg.

Für Phase 1, also konkrete Handlungsempfehlungen und Umsetzungsvorschläge für die Zukunft ihrer Kommune erarbeiten, stehen Fördermittel von 1,75 Millionen Euro zur Verfügung.

Mit ihren Ergebnissen können sich die Teilnehmer für die weiteren Phasen des Wettbewerbs qualifizieren. Im kommenden Jahr starten bis zu 20 ausgewählte Städte, Landkreise und Gemeinden in Phase 2 die konkrete Planung. Bis zu acht Kommunen erhalten dann 2018 die Chance, die von ihnen entwickelte Vision in die Realität umzusetzen.

Partner des Wettbewerbs im Rahmen des Wissenschaftsjahrs 2015 sind der Deutsche Städtetag, der Deutsche Städte- und Gemeindebund und der Deutsche Landkreistag. Der Wettbewerb ist Teil der Leitinitiative „Zukunftsstadt“ des Rahmenprogramms „Forschung für Nachhaltige Entwicklungen“ (FONA³). nh

One comment

  1. Kann es sein, das an der Leuphana das am meisten gesagte Wort: „Nachhaltigkeit“ ist?
    Wie nachhaltig ist denn ein 100 Millionen €uro Raumschiff – das als Audimax getarnt ist – denn für Lüneburg und die Universität?
    Auf jeden Fall eines: nachhaltig zu teuer !!!