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Trinkwasser aus der Lüneburger Heide fließt seit 1974 auch durch Hamburger Leitungen als Trink-, Brauch- und Löschwasser. Foto: phs
Trinkwasser aus der Lüneburger Heide fließt seit 1974 auch durch Hamburger Leitungen als Trink-, Brauch- und Löschwasser. Foto: phs

Ringen um blaues Gold geht weiter

dth Winsen/Luhe. Eines der größten wasserrechtlichen Genehmigungsverfahren Deutschlands nimmt wieder Fahrt auf, nachdem es 2009 abgebrochen worden war. Ein Grund waren gesetzliche Änderungen und die Neuaufnahme des Wasserwerks Schierhorn. Auch musste die Wasserbedarfsprognose umfangreich überarbeitet werden. Die Hamburger Wasserwerke (HWW) haben nachgeliefert und beantragen, 18,4 Millionen Kubikmeter Wasser jährlich in der Lüneburger Heide abpumpen zu dürfen. Die erneute Öffentlichkeitsbeteiligung unter Federführung des Kreises Harburg hat jetzt begonnen. Doch bereits an den Einspruchsfristen regt sich Kritik.

Die Antragsunterlagen in 17 Aktenordnern liegen noch bis einschließlich Mittwoch, 18. November, in den Rathäusern von Buchholz über Jesteburg bis Salzhausen, Amelinghausen und Bispingen zur Einsicht aus. Alle in der Öffentlichkeitsbeteiligung 2009 eingereichten Einwendungen und Stellungnahmen bleiben weiter gültig und müssen nicht erneuert werden, darauf weist der Kreis Harburg hin. Im ersten Durchgang waren rund 2400 Stellungnahmen eingegangen (LZ berichtete, siehe unten).

Weitere Einwände können bis einschließlich Mittwoch, 2. Dezember, schriftlich oder zur Niederschrift in den Rathäusern und im Winsener Kreishaus (Gebäude B, Schlossplatz 6, Zimmer 230) in das Verfahren eingebracht werden. Diese Frist kritisiert die Interessengemeinschaft Grundwasserschutz Nordheide (IGN). Weder Vereine und Verbände noch einzelne Bürger könnten den 17 Ordner umfassenden Antrag bis dahin durcharbeiten. Sprecher Gerhard Schierhorn sagt: „Die alte Bewilligung aus dem Jahre 1974 ist am 31. Dezember 2004 ausgelaufen. Die Hamburger Wasserwerke haben zehn Jahre für die Erstellung eines neuen Antrages gebraucht. Da erwarten wir schon, dass die Bürger der Nordheide wenigstens fünf Monate Zeit für die Prüfung des Antrages und der möglichen eigenen Betroffenheit haben.“

Eine Verlängerung der Frist erlaube der Gesetzgeber nicht, sagt Harburgs Kreissprecher Bernhard Frosdorfer. Aber: „Wer formell eine Eingabe macht, ist im Verfahren und kann später eine konkretisierte Begründung nachreichen.“

Der neue Antrag von Hamburg Wasser beläuft sich auf die Fördermenge von 18,4 Millionen Kubikmetern (oder 18,4 Milliarden Liter) Trinkwasser jährlich – beziehungsweise 82 000 Kubikmeter pro Tag.

Parallel zu dem Verfahren auf Kreisebene führen die Länder Hamburg und Niedersachsen weiter Gespräche über eine Verwaltungsvereinbarung. Damit sollen auf politischer Ebene ergänzende Forderungen des Niedersächsischen Landtages verwirklicht werden, heißt es aus dem Umweltministerium in Hannover. Sprecherin Dunja Rose sagt: „Kommt diese Vereinbarung zwischen den Ländern nach Erteilung der wasserrechtlichen Zulassung zustande, so wäre Hamburg bereit, die in Niedersachsen sonst üblichen Sicherheits- und Trockenwetterzuschläge in der Regel nicht auszuschöpfen.“ Unter dieser Voraussetzung werde eine jährliche Fördermenge von durchschnittlich 16,1 Millionen Kubikmetern im langjährigen Mittel angestrebt.

Die Förderung soll zudem durch den Anschluss des Wasserwerkes Schierhorn (fünf Brunnen) auf mehr Brunnen als bisher verteilt werden, sodass die beiden Wasserwerke Nordheide West (17 Brunnen) und Ost (24) entlastet werden.
Derzeit fördert Hamburg Wasser 15,7 Millionen Kubikmeter Heidewasser jährlich – noch auf Grundlage einer Erlaubnis der damaligen Lüneburger Bezirksregierung von 2004. Seither ringen Hamburg Wasser, die hiesigen Kommunen, Landwirte und Umweltverbände um das richtige Maß. Der Streit sorgt seit Jahren für Schlagzeilen. Bereits in der vorherigen, rund 30-jährigen Förderperiode seien durch das Absenken des Grundwasserspiegels in der Heideregion Schäden in der Natur entstanden, Bachläufe und Auenwälder trocken gefallen, so Kritiker.
Die Unterlagen können hier heruntergeladen werden.

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