Donnerstag , 8. Dezember 2016
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Energiebällchen (u.), Frühstücksbrei und Summer Rolls mit süßlichem Grünkohlsalat. Foto: t&w
Energiebällchen (u.), Frühstücksbrei und Summer Rolls mit süßlichem Grünkohlsalat. Foto: t&w

Lüneburg is(s)t 30 Tage vegan: Verzicht mit großer Vielfalt + + + Mit LZplay-Video

ap Lüneburg. Viel Interesse, Zeit und Wissen steckt in den bunten, mit Liebe zubereiteten, veganen Speisen, die Carina Weber auf dem Tisch ausbreitet. Das Menü reicht vom Grünkohlsalat bis zu Energiebällchen. Die Initiatorin und Projektleiterin der Aktion „Lüneburg is(s)t 30 Tage vegan“ versteht etwas von alternativer Ernährung. Neurodermitis und die Ratlosigkeit der Ärzte brachten sie auf die Idee, ihren Speiseplan umzustellen. „Kein Arzt konnte mir wirklich helfen, meine Haut wurde immer schlechter“, erzählt die 28-Jährige, die im Master Nachhaltigkeitswissenschaften an der Leuphana studiert. Carina Weber ernährt sich seit zwei Jahren vegan, die Entscheidung, sich von Tier- und Milchprodukten zu trennen, war in ihren Augen damals „notwendig“.

Mit „Lüneburg is(s)t 30 Tage vegan“ rief sie einen Aktionsmonat ins Leben, der dazu motivieren soll, die vegane Ernährungsform auszuprobieren. Inspiriert wurde Carina Weber durch eine ähnliche Aktion, die im Mai 2014 in Leipzig stattfand. Um die vegane Ernährungsweise lokal stärker zu verankern, arbeitete sie mit ehrenamtlichen Helfern und oikos Lüneburg, einer Initiative für Nachhaltige Entwicklung, ein buntes Programm aus. 30 Tage lang gibt es im Oktober Vorträge, Wochentreffen, Kochkurse, Scala-Filmabende und andere Aktivitäten, um sich vegan auszuprobieren, zu informieren und auszutauschen.

Carina Weber, Initiatorin und Projektleiterin der Aktion „Lüneburg is(s)t 30 Tage vegan“, zeigt mit einer bunten Auswahl an Speisen, was sie unter veganer Ernährung versteht. Foto: t&w
Carina Weber, Initiatorin und Projektleiterin der Aktion „Lüneburg is(s)t 30 Tage vegan“, zeigt mit einer bunten Auswahl an Speisen, was sie unter veganer Ernährung versteht. Foto: t&w

Ihr Herzenswunsch ist es, Zweifel und Vorurteile abzubauen. „Vegan wird immer viel zu schnell mit Mangelerscheinungen in Verbindung gebracht, dabei kann die jeder andere auch haben“, sagt die Studentin. „Das Wichtigste ist, dass es schmeckt und dass man mit allem, was der Körper braucht, versorgt ist“. Dass es jedoch lange gedauert hat, die Ernährung komplett umzustellen und es mit Anstrengungen zu tun hatte, gibt die junge Frau zu. Über ein halbes Jahr hinweg sammelte sie Informationen, beschäftigte sich mit neuen Produkten und stellte Schritt für Schritt um.

„Von heute auf morgen abrupt auf Vegan umzusteigen – da steht man direkt vor Schwierigkeiten, da man sich auch einfach an den Konsum von Milchprodukten gewöhnt hat“, erzählt Weber. Vegan bedeute nicht nur Verzicht, sondern auch Vielfalt. „Man muss einfach mal nach links und rechts schauen und Neues hereinholen“, sagt sie und zählt mit Amarant und Hanfsamen Produkte auf, die bislang zwar eher unbekannt, aber sehr nährstoffreich sind.

Veganer hätten es heutzutage auch nicht mehr so schwer wie einst, Kosmetika seien entsprechend gekennzeichnet, wenn sie ohne Tierversuche und -produkte hergestellt wurden, auch vegane Kleidung sei jetzt vielfältiger als die „öden Birkenstock-Sandalen“. Dennoch sei es immer noch einfacher, sich ungesund zu ernähren. „Man kann sich als Veganer genauso ungesund ernähren, wie bei jeder anderen Ernährungsform. Es ist ein großer Unterschied, ob man auf die veganen Fertigprodukte oder auf Selbstgemachtes zurückgreift“, sagt Weber und empfiehlt „Neueinsteigern“ die Fertigprodukte für die Transformation. Man sei während einer Umstellung noch an einen gewissen Geschmack oder eine Konsistenz gewöhnt.

„Mittlerweile ist es ein Selbstgänger, es hat aber gedauert. Veränderung ist anfangs immer anstrengend“, sagt sie und nennt vor allem ethische und umweltrechtliche Beweggründe. Auf Käse zu verzichten, sei ihr beispielsweise anfangs sehr schwer gefallen. Mittlerweile allerdings habe sich bei ihr „Ekel“ davor eingestellt. „Ich habe die Verbindung zum Tier hergestellt und sehe nicht mehr das Produkt. Die Vorstellung ist für mich nun völlig absurd, Milch einer fremden Spezies zu trinken“, sagt die junge Studentin ganz klar.

Weitere Informationen zum Aktionsmonat gibt es hier.

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Beispiele für vegane Speisen:

Vorspeise

  • Grünkohlsalat: frischer Grünkohl, Zitrone, Süßkartoffel mit Chiliflocken, Kürbiskerne, Avocado, Granatapfelkerne. Dressing: Tamari (glutenfreie Sojasauce), Tahin-Paste aus fein gemahlenen Sesamkörnern (bekannt als Grundzutat des Hummus), frischer Zitronensaft.

Hauptspeise

  • Summer Rolls: Salat, Reisnudeln, angebratene Champignons und Zwiebeln, Karotte, Gurke, Paprika und Rettich in Reispapier einwickeln, Innenseite vorher mit einem Kürbisaufstrich beschmieren. Dazu, Tahin mit Sesamsamen, Wasser, Salz und Zitronensaft oder eine süß-saure Sauce aus Tamari, Koriander, Wasser, Dattel, Pfeffer, Kurkuma und Chili.

Für Zwischendurch

  • Energiebällchen in zweierlei Form: Basis ist meist immer Dattel und eine Nussart. Variante 1: Dattel, eingeweichte Cashews, Kokosraspeln und Hanfsamen, Variante 2: Dattel, dunkles Mandelmus, Amarant, frischer Orangensaft und -schale, Zimt, gehackte Paranüsse.

Frühstücksmöglichkeit

  • Brei: Die Basis bilden in Wasser geschrotete Leinsamen mit Banane. Dazu schmeckt Kiwi, Chiasamen, Hirseflocken (wahlweise auch Haferflocken) rote Goji-Beeren und Amarant.

One comment

  1. Eine vegane Ernährung ist deutlich umweltfreundlicher als die übliche, fleisch- und käsebetonte Durchschnittskost: Sie verbraucht weniger Energie, Rohstoffe und Wasser, belegt weniger Landfläche und erzeugt deutlich weniger Klimagase. Aus ethischer Sicht ist die vegane Ernährung die konsequenteste Art, verantwortlich mit unserer Mitwelt umzugehen und so wenigen Mitlebewesen wie möglich durch unsere Lebensmittelauswahl zu schaden.