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Der Aufzug im Wohnhaus an der Wilhelm-Leuschner-Straße in Kaltenmoor steht still. Genau wie Angelika Schmedemann selbst, denn nach einer Operation kann sie derzeit keine Treppen laufen und hängt nun fest im 2. Stock. Foto: phs
Der Aufzug im Wohnhaus an der Wilhelm-Leuschner-Straße in Kaltenmoor steht still. Genau wie Angelika Schmedemann selbst, denn nach einer Operation kann sie derzeit keine Treppen laufen und hängt nun fest im 2. Stock. Foto: phs

Gefangen im eigenen Zuhause

mm Lüneburg. Eigentlich ist nur der Fahrstuhl im Wohnhaus an der Wilhelm-Leuschner-Straße kaputt. Für die meisten Bewohner nur ärgerlich. Für Angelika Schmedemann ein Drama. Die Frührentnerin ist gehbehindert. Mit Mühe käme die 57-Jährige die Treppe aus dem zweiten Stock runter, rauf niemals, versichert sie. Seit fast zwei Wochen geht das so. Sie ist in ihrer Wohnung gefangen. Und sie weiß nicht, wie lange noch. Es ist nicht absehbar, wann der Fahrstuhl repariert wird. Gutachter müssen erst prüfen, ob der Maschinenraum für den Fahrstuhl womöglich mit Asbest verseucht ist.

Es sind 35 Treppenstufen vom Hauseingang bis zur Wohnung von Angelika Schmedemann im Stadtteil Kaltenmoor. Nach einer Operation am linken Bein, bei der ihr Metallplatten und 18 Schrauben, die ihren Unterschenkel fixierten, entfernt wurden, läuft sie nur mit Gehhilfen. Sie hat auch ein künstliches Schultergelenk und demonstriert am Treppengeländer, dass sie sich beim besten Willen nicht hinaufziehen kann. Wenige Stufen schafft sie, mehr nicht.

Die Krankengymnastik musste sie schon mehrmals absagen. Einkaufen geht nicht, fürs täglich Brot sorgt Ehemann Kurt. Doch an einen gemeinsamen kurzen Spaziergang ist nicht zu denken.

Und Frau Schmedemann berichtet von Nachbarn mit kleinen Kindern, die ihren Kinderwagen nun im Treppenhaus mühsam hinauf- und hinuntertragen müssen. Von anderen Nachbarn, die ebenfalls nicht gut zu Fuß sind und eigentlich auch auf den Lift angewiesen.

Die LZ hat bei der zuständigen Hausverwaltung Wilde in Wilhelmshaven nachgehakt: Der Fahrstuhlhersteller „Schindler“ habe eine Störungsmeldung erhalten und den Aufzug daraufhin stillgelegt, heißt es auf Nachfrage. Wegen einer angeblichen Asbestverseuchung habe sich der Hersteller bis jetzt geweigert, im Maschinenraum die nötigen Wartungsarbeiten durchzuführen. Das bestätigt Birgit Dirks, Pressesprecherin bei Schindler: „Der Maschinenraum ist wegen des Verdachts auf eine asbesthaltige Bodenluke gesperrt.“

Die Hausverwaltung hat das Heidelberg & Werner Sachverständigenbüro für Baubiologie in Bardowick mit der Erstellung eines Gutachtens betraut. Am kommenden Dienstag sollen Asbestproben genommen werden, erklären die Sachverständigen.

Die Folge: Der Fahrstuhl kommt vorerst nicht in Gang. „Erst wieder, wenn unsere Mitarbeiter in den Maschinenraum können, um zu entsperren“, sagt Birgit Dirks. Sie spricht von einem „Teufelskreis“. Leidtragende sind die Bewohner. Und Angelika Schmedemann bleibt gefangen in den eigenen vier Wänden.