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Heiko Warnecke (r.) und Karsten Petersen (l.) berichteten in Neuhaus über den „Rahmenplan für abflussverbessernde Maßnahmen an der unteren Mittelelbe“. Foto: be
Heiko Warnecke (r.) und Karsten Petersen (l.) berichteten in Neuhaus über den „Rahmenplan für abflussverbessernde Maßnahmen an der unteren Mittelelbe“. Foto: be

Schutzmaßnahmen vor Elbehochwasser: Rückschnitt reicht nicht aus

pet Lüneburg. Haarscharf entging die Region um Lüneburg beim Juni-Hochwasser an der Elbe 2013 einer Katastrophe. Nur wenige Zentimeter fehlten, um die Deiche überspülen zu lassen, aufgrund der langen Dauer der Flut drohten Erdwälle zu durchweichen. Nicht viel besser sah es bei den Hochwasserereignissen 2002, 2006 und 2011 aus – und die nächste Flut kommt bestimmt.

Daran, dass es bei Hochwasserereignissen künftig nicht mehr so „spannend“ wird, wird an vielen Stellen gearbeitet. Über die Arbeiten am „Rahmenplan für abflussverbessernde Maßnahmen an der unteren Mittelelbe“ sowie über den Stand der vorgezogenen Maßnahmen informierte jetzt der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) im Haus des Gastes in Neuhaus.

Mit dem Fließverhalten der Elbe zwischen Schnackenburg und Geesthacht befassen sich Karsten Petersen und Klaus-Jürgen Steinhoff vom NLWKN, die dort den „Rahmenplan für abflussverbessernde Maßnahmen an der unteren Mittelelbe“, dem Abschnitt zwischen Schnackenburg und Geesthacht, betreuen.
Im Zuge des Rahmenplans befassen sich die Experten mit einem Bündel an Maßnahmen und ihren Auswirkungen, zum Beispiel der Reduzierung des Bewuchses, der Anlage von Flutrinnen, dem Anschluss von Altarmen, Deichrückverlegungen, dem Gehölzrückschnitt oder der Anlage von Poldern.

Für Ende dieses Jahres rechnet Karsten Petersen mit einem ersten Entwurf des Rahmenplans. Da Maßnahmen, die dort bereits für sinnvoll befunden wurden, bis zu einer Verwirklichung aber viel Zeit brauchen, „und ein Elbehochwasser jederzeit wieder auf uns zukommen kann“ (Heiko Warnecke, Leiter des Geschäftsbereichs Planung und Bau beim NLWKN), gibt es „vorgezogene Maßnahmen“. Die werden in einer Projektgruppe, in der neben dem NLWKN unter anderem auch Deichverbände, Gemeinden, Landkreise, Naturschutzverbände und die Biosphärenreservatsverwaltung vertreten sind, abgestimmt.

Eine Maßnahme, die bereits im vergangenen Winterhalbjahr 2014/15, auch mit Zustimmung vonseiten der Europäischen Union, verwirklicht wurde, sind Rückschnittmaßnahmen der Verbuschung auf insgesamt sieben besonders dafür geeigneten Flächen, unter anderem bei Katemin und Walmsburg. Gesamtfläche der Rückschnittmaßnahmen: etwa 15 Hektar.

Welche Auswirkungen der Rückschnitt auf den Wasserstand bei einem künftigen Hochwasser hat, verrät die „2-D-Modellierung an der unteren Mittelelbe zwischen Wittenberge und Geesthacht“, die die Bundesanstalt für Gewässerkunde im Sommer 2015 vorlegte. Die Untersuchung basiert auf der Auswertung des Januarhochwassers 2011 im Verhältnis zu Mittelwasserwerten vom Juni 2005.

Die Auswirkungen des durchgeführten Gehölzrückschnitts sind spürbar, wenn auch nicht so ansehnlich wie erhofft, berichteten die NLWKN-Experten in Neuhaus. „5,5 Zentimeter Wasserstand in der Spitze weniger“, erklärt Karsten Petersen. Damit wenigstens diese Maßnahmen weiter wirksam bleiben, ist die Biosphärenreservatsverwaltung gefordert, die für das Auenmanagement verantwortlich ist. Johannes Prüter, Leiter des Biosphärenreservats, berichtete, dass an einigen Stellen Landwirte schon Vieh zur Beweidung ins Vorland getrieben hätten. Ähnliche Auswirkungen, von rund sieben Zentimetern, so besagt es die Studie der BfG, hätten künftige „topografiebeeinflussende Maßnahmen“, etwa Vorlandabgrabungen oder der Bau von Flutrinnen.

„Jeder Zentimeter weniger zählt“, da sind sich die Experten einig, wenn es um das Vermeiden künftiger Fluten geht. Ziel aller Maßnahmen bleibt aber eine Absenkung des Hochwasserscheitels „in nennenswertem“ Umfang, das heißt um 30 Zentimeter oder mehr. Und so werden die Verantwortlichen um aufwändige Maßnahmen wie Deichrückverlegungen oder den Bau von Umflutern wohl nicht herumkommen – Näheres wird – nach seiner Fertigstellung – der „Rahmenplan zur Verbesserung des Abflusses an der unteren Mittelelbe“ enthalten.

One comment

  1. Man könnte ja auch die alten Anwohner mal fragen die an der Elbe Wohn die können mehr sagen