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Bei einem Spaziergang an der Elbe bei Hohnstorf entdeckte Piter Wichers diese ungewöhnliche Ente und drückte den Auslöser. Tatsächlich gehört die Eiderente eigentlich nicht hierher, hat sich womöglich verflogen. Foto: piter wichers
Bei einem Spaziergang an der Elbe bei Hohnstorf entdeckte Piter Wichers diese ungewöhnliche Ente und drückte den Auslöser. Tatsächlich gehört die Eiderente eigentlich nicht hierher, hat sich womöglich verflogen. Foto: piter wichers

Eiderente auf Abwegen

emi/off Hohnstorf. Normalerweise fotografiert Piter Wichers am liebsten Seeadler, die majestätischen Vögel dienen dem Kettensägenschnitzer als Vorlage für seine Kunstwerke. Doch jetzt hat eine „komische Ente“ am Hohnstorfer Deich seine Neugierde erregt. „Beim Vorbeiflug kam mir die Geschwindigkeit und die Färbung ungewöhnlich vor“, berichtet Wichers. Während das schwarz-weiß-grüne Tier tauchte, schlich er sich an. Und als es wenig später eine Wollhandkrabbe verspeiste, drückte er auf den Auslöser. Mit Blick auf sein Bild will er nun wissen: „Gehört die Ente hierher?“

Heinz Düllberg, Vogelexperte beim NABU Lüneburg, klärt auf: „Das Foto zeigt eine männliche Eiderente.“ Und sein Kollege Frank Allmer ergänzt: „Ein wirklich seltener Anblick.“ Eiderenten seien eigentlich Meeresenten, die an der arktischen Küste des Atlantiks und des Pazifiks leben, das ganze Jahr über auch im Wattenmeer und an der Ostsee zu beobachten sind. Warum sich diese Ente auf die Elbe bei Hohnstorf verirrt hat, „schwer zu sagen“, so Allmer. Er hat zwei Theorien: „Entweder die Ente hat sich verflogen. Oder sie ist ein sogenannter Gefangenschaftsflüchtling.“

Warum einige Vögel vom Kurs abkommen, ist auch Allmer als Experten ein Rätsel. „Aber es kommt immer wieder mal vor.“ Zuletzt sei im Mai 2010 eine Eiderente im Kreis Lüneburg beobachtet worden, „2013 wurde ein Tier auf einem Fischteich bei Celle gesichtet, 2003 in Bad Bodenteich“. Sogar am Bodensee seien die Meeresenten schon beobachtet worden.

Probleme in der fremden Umgebung auf der Elbe klarzukommen, hat die Eiderente offenbar nicht. Normalerweise ernährt sie sich hauptsächlich von Muscheln, die sie entweder im Flachwasser aus dem Wattboden trampelt oder tauchend erbeutet. In der Elbe bietet ihr die aus China eingeschleppte Wollhandkrabbe ausreichend Nahrung. „Lange wird die Eiderente vermutlich trotzdem nicht bleiben“, glaubt Allmer, „sollte es sich tatsächlich um eine Wildente handeln, wird sie bestimmt bald zurück aufs Meer fliegen.“

Vielleicht hat sich der Enterich aber auch gar nicht verflogen, „vielleicht ist er auch ausgebrochen“, sagt Allmer. Private Vogelparks seien keine Seltenheit, „da halten sich manche Leute durchaus auch Wildvögel wie die Eiderente“. Vor allem die Männchen sind in ihrem kontrastreichen Prachtkleid ein Hingucker, die Weibchen im typisch tarnfarbigen Entengefieder eher unauffällig.

Viele Menschen verbinden den Namen „Eiderente“ auch mit Bettdecken und Kopfkissen, denn die extrem wärmenden Eider-Daunen sind seit langem ein wichtiger Exportartikel Islands. Um an die Daunen zu kommen, werden die mit Bauchdaunen gepolsterten Nester nach der Brut eingesammelt und in Fleißarbeit von Pflanzenteilen gesäubert. Piter Wichers hingegen wird die Eiderente künftig vor allem mit diesem einen Tag an der Elbe verbinden – als eine „komische Ente“ seine Neugierde weckte.