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Massimo Fischer hat erst in den Werkstätten der Lebenshilfe gearbeitet, dann schaffte er den Sprung auf den ersten Arbeitsmarkt, ist jetzt Mitarbeiter bei der GfA. Foto: t&w
Massimo Fischer hat erst in den Werkstätten der Lebenshilfe gearbeitet, dann schaffte er den Sprung auf den ersten Arbeitsmarkt, ist jetzt Mitarbeiter bei der GfA. Foto: t&w

Der Weg zum Vollzeitjob

as Lüneburg. Sie hat früher in den Werkstätten der Lebenshilfe gearbeitet, in der Druckerei, Kfz-Werkstatt und im Lager. Und dann hat Nicole Prüfe mit dem Lkw Produkte der Lebenshilfe ausgeliefert. Transporter fahren war ihr Ding. Dabei hatte die heute 45-Jährige ein festes Ziel vor Augen: Raus aus der Werkstatt und einen Job auf dem ersten Arbeitsmarkt bekommen. Das hat geklappt. Seit Mai ist sie Fahrerin in einer Hamburger Speditionsfirma. Begleitet wurde sie auf dem Weg dorthin vom Fachdienst Qubi — das steht für Qualifizierung, Unterstützung, Beratung und Integration — der Lebenshilfe.

Insgesamt 900 Menschen mit Behinderung sind in den Werkstätten der Lebenshilfe Lüneburg-Harburg beschäftigt inklusive Berufsbildungsbereich und Tagesförderstätte. Auftrag aller Werkstätten sei es, Menschen mit Handicap zu qualifizieren für eine Vermittlung auf dem ersten Arbeitsmarkt, sagt Sabine Kock-Kessler. Um das zu befördern, wurde der Fachdienst Qubi gegründet. Leiter ist Thorsten Goetzie. Er erläutert das Konzept: In einem ersten Schritt werden die Werkstattbeschäftigten in einem sogenannten Qualifizierungskursus auf ein Praktikum auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt vorbereitet. Dazu gehört unter anderem: Wie finde ich den geeigneten Beruf, wie muss eine Bewerbungsmappe aussehen oder wie habe ich mich am Arbeitsplatz zu verhalten. Dann besorgen die Qubi-Mitarbeiter einen Praktikumsplatz oder der Werkstattbeschäftigte sucht sich selber einen. „Daraus kann dann ein dauerhaft ausgelagerter Arbeitsplatz werden, der in einen festen Job auf dem ersten Arbeitsmarkt münden kann“, erläutert Goetzie.

Nicole Prüfe sei ein Senkrechtstarter, meint Goetzie. Als sie noch für die Lebenshilfe Waren ausfuhr, traf sie bei einem Kunden auf eine Fahrerin des Hamburger Speditionsunternehmens Höcker und hakte bei der nach, ob das Unternehmen noch Fahrer brauchte. Goetzie nahm dann Kontakt zur Firma auf, sodass Prüfe dort erst ein Praktikum machen konnte, danach für ein halbes Jahr einen ausgelagerten Arbeitsplatz hatte. In dieser Zeit wurde sie noch vom Fachpersonal der Lebenshilfe bei allen Fragen unterstützt. Seit Mai ist sie in Vollzeit bei Höcker beschäftigt. Morgens um 6 Uhr fährt sie von Tellmer nach Hamburg, macht dann ihren 7,5 Tonner fertig, holt Papiere, dann geht es auf Tour. Ihr Traum: „Einen 40-Tonner fahren, aber dafür bräuchte ich den CE-Führerschein und der ist ziemlich teuer.“

Auch Massimo Fischer (29) hat den Sprung auf den ersten Arbeitsmarkt geschafft. Er hat einen Job bei der GfA, sorgt dafür, dass die Stadt sauber ist — wie er mit einem Lächeln sagt. Er lobt das gute Miteinander unter den Kollegen, schätzt seine Vorgesetzten. „Ich wollte auf eigenen Beinen stehen, richtig Geld verdienen“, erklärt er seine Motivation aus den Werkstätten hinaus zu gehen. Bei ihm lief es so: Erst war er in der Schlosserei beschäftigt, dann hat er ein Praktikum auf dem Bau gemacht, anschließend ist er weitere Bereiche der Werkstatt durchlaufen. Mit Goetzi habe er dann überlegt, was für ein Job für ihn auf dem ersten Arbeitsmarkt infrage käme. Einer wurde von der GfA angeboten. Zwei Jahre bewies sich Fischer auf einem ausgelagerten Arbeitsplatz. Mit Erfolg: Die GfA hat ihn seit 1. Oktober als Mitarbeiter übernommen.

Nicole Prüfe und Massimo Fischer schätzen die langfristige Begleitung durch Qubi. Derzeit sind 44 Werkstattbeschäftigte in ausgelagerten Arbeitsverhältnissen beschäftigt, unterstützt vom Fachdienst. Vier haben in diesem Jahr den Schritt auf den allgemeinen Arbeitsmarkt erfolgreich geschafft. „Wir unterstützen, wenn es eine Motivation gibt. Aber es gibt keinen Druck bei der Vermittlung. Der Mensch mit seinen Fähigkeiten steht für uns im Fokus. Auch wenn jemand sich eventuell während der Zeit der Begleitung entscheidet, in die Werkstätten zurück zu gehen, ist das in Ordnung“, sagen Goetzie und Kock-Kessler. Sie weisen auch darauf hin: Wenn ein Arbeitgeber jemanden in ein sozialversicherungspflichtiges Arbeitsverhältnis übernimmt, gibt es Fördermittel im Rahmen des Budgets für Arbeit.

Gelungene Inklusion
Für ihre gelungene Inklusion werden drei Unternehmen vom hiesigen Arbeitgeberverband und vom Landkreis Lüneburg am Freitag, 6. November, ausgezeichnet. Die Bäckerei Kruse aus Barnstedt, die LAP GmbH Laser Applikationen und das Tafelwerk Catering gelten als „Best-practice“-Beispiele dafür. Bei der um 16.30 Uhr beginnenden Veranstaltung im Kunstsaal Lüneburg, Marie-Curie-Straße 5, werden Landrat Manfred Nahrstedt und Kerstin Witte, als Vizepräsidentin des Arbeitgeberverbandes, die Firmen ehren. Der Abend wird von LZ-Chefredakteur Christoph Steiner moderiert.