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Missmut über „Störfeuer aus Lüneburg und Hamburg“

dth Lüneburg/Winsen. Das „Störfeuer aus Lüneburg und Hamburg“ dürfe nicht die errungenen Kompromisse aus dem „Dialogforum Schiene Nord zunichte machen“, warnen jetzt die Harburger CDU-Landtagsabgeordneten André Bock und Heiner Schönecke. Irritiert zeigt sich vom jüngsten Vorstoß der Hansestadt Lüneburg auch Eberhard Leopold, Sprecher des Bürgerbündnisses Nordheide gegen Eisenbahnneubautrassen. Zuspruch kommt hingegen nicht nur aus Deutsch Evern. Auch der Landesverband Niedersachsen im Verkehrsclub Deutschland (VCD) hat sich zuletzt für Planungen einer neuen Bahntrasse parallel zur Autobahn 7 ausgesprochen.

Der VCD sieht die Alpha-Variante als unzureichend: „Das ist für den VCD kein zukunftsfähiges Ergebnis, das neue Kapazitäten schafft, um spürbar Güterverkehr von der Straße auf die umweltfreundlichere Schiene zu verlagern“, hatte Landesvorsitzender Hans-Christian Friedrichs bereits vor der jüngsten Sitzung des Dialogforums moniert. In die gleiche Kerbe schlug nun die Hansestadt Lüneburg: Zwar signalisierte Oberbürgermeister Ulrich Mädge grundsätzlich Zustimmung zur Alpha-E-Variante, aber eine Zunahme von 211 auf 351 Güterzüge, die der dreigleisige Ausbau Lüneburg-Uelzen mit sich bringe, sei nicht hinnehmbar. Für Eberhard Leopold vom Bürgerbündnis ist das nicht plausibel.

Die Ergebnisse des vom Bund beauftragten Gutachter-Büros BVU zur Kapazität der Alpha-Variante werden je nach Sichtweise unterschiedlich aufgefasst. Leopold sagt: „Wir sind der festen Überzeugung, dass mindestens 100 Züge anstatt über Lüneburg-Uelzen-Stendal über Hamburg-Wittenberge-Stendal umgeroutet werden können, die gesamte auszubauende Bestandsstrecke dennoch vollen Lärmschutz erhält.“ Er kritisiert, dass sich die Stadt Lüneburg kurz vor Schluss dem A7-Trassen-Vorschlag der Hansestadt Hamburg anschließt, obwohl „Lüneburg im Forum acht Monate Zeit hatte, Alternativstrecken zu fordern“.

CDU-Landtagsabgeordneter André Bock sagt: „Was treibt den Oberbürgermeister, diese alte Hamburger Forderung für die Stadt Lüneburg zu erheben? Wenn das ganze Verfahren noch einen Sinn machen soll, dann hätten solche Vorschläge sehr früh eingearbeitet und mit den vielen Bürgerinitiativen abgestimmt werden müssen. St. Florian lässt grüßen.“

Parallel zur abschließenden Diskussion im Dialogforum haben jüngst Hamburg, der Fahrgastverband Pro Bahn, der VCD und weitere Akteure wie die Bürgerinitiative Deutsch Evern 21 und die Gemeinde Deutsch Evern ein „Votum für einen zukunftsorientierten Seehafenhinterlandverkehr“ erarbeitet. Darin wird der „geringe Verkehrswert der Alpha-Variante“ kritisiert. Anstelle eines dritten Gleises zwischen Lüneburg und Uelzen, wird „der Bau zweier zusätzlicher Gleise zwischen dem Raum Hamburg und dem Großraum Hannover für notwendig gehalten“. Im Entwurf des Abschlussdokuments wurde die Minderheiten-Meinung nur am Rande erwähnt: „Einige Forumsteilnehmer haben die Auffassung vertreten, dass die Kapazitätswirkung des „Alpha“ nicht ausreichen. Das Forum hat sich mit diesen Positionen intensiv auseinandergesetzt und schließt sich dieser Argumentation nicht an.“

Das fertige Abschlussdokument soll bei der letzten Sitzung des Dialogforums am Donnerstag, 5. November, in Celle an Bund und Bahn übergeben werden. Zur von einigen Bürgerinitiativen angeregten Großdemo sagt Eberhard Leopold vom Bürgerbündnis: „Also wir demonstrieren nicht für oder gegen etwas, sondern zeigen unsere Freude darüber, die Alpha-Trasse aufs Gleis gehoben zu haben.“

Hinfahren werden auch Vertreter von Deutsch Evern 21. Aber nicht, um in Celle ihrer Freude Ausdruck zu verleihen, sondern um gegen die Alpha-Variante Position zu beziehen.

Regionaler Infokreis zum letzten Mal
Die letzte Sitzung des Dialogforums Schiene Nord steht an, und auch der regionale Informationskreis im Landkreis Lüneburg tagt voraussichtlich ein letztes Mal: Bürgerinnen und Bürger sind zum Treffen des Info-Kreises am Montag, 2. November, um 18 Uhr in der Mensa des Schulzentrums Embsen wieder herzlich eingeladen. Bei dem Termin soll unter anderem das Abschlussdokument für das kurz darauf stattfindende Treffen in Celle vorgestellt werden, das von einer Arbeitsgemeinschaft des Dialogforums erarbeitet worden ist

Die Termine zum landesweiten Dialogforum Schiene Nord sowie interessante Dokumente zu den Trassenvarianten zwischen Hannover, Hamburg und Bremen sind im Internet unter www.dialogforum-schiene-nord.de zu finden. Weitere Informationen, Termine und Protokolle stellt der Landkreis Lüneburg im Internet bereit unter www.landkreis-lueneburg.de/schiene-nord. Hier finden Interessierte auch das Abschlussdokument, das die Arbeitsgemeinschaft im regionalen Informationskreis Anfang November präsentieren wird.

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