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Oberbürgermeister Ulrich Mädge stellt den Stand der Planungen vor und beantwortet Fragen der Bürger. Foto: be
Oberbürgermeister Ulrich Mädge stellt den Stand der Planungen vor und beantwortet Fragen der Bürger. Foto: be

Bürgerversammlung zur geplanten Flüchtlingsunterkunft neben dem KVG-Gelände

ap Lüneburg. „Bis auf Kleinigkeiten haben wir hier keine Probleme in Lüneburg. Es gibt keine Messerstechereien oder Brände in den Unterkünften. Wir haben das nicht, was in anderen Städten passiert, und das führen wir auf unser Konzept zurück“, sagte Lüneburgs Oberbürgermeister Ulrich Mädge bei einer Bürgerversammlung im Haus Zum Hägfeld am Bülows Kamp. Thema des Abends war die geplante Flüchtlingsunterkunft im Baugebiet „An den Sandbergen“ auf einer Fläche von etwa zwei Hektar. Das Interesse war groß, die Besucher standen bis in den Flur.

Eine aufgeheizte Stimmung, provozierende Fragen, aber auch Verständnis prägten den Abend. Die Sorgen der Bürger reichen vom Wertverlust der eigenen Häuser über das Bebauen des Naturschutzgebiets (siehe Artikel unten) bis hin zu vermeintlichen Ungerechtigkeiten gegenüber Hartz-IV-Empfängern.

Die Planung sieht ein „Konzept der dezentralen Unterbringung“ vor. Eigentümer der Fläche neben dem KVG-Gelände ist ein Landwirt aus Hagen. Mädge sagte, er sei sofort bereit gewesen, über die Bebauung seiner Flächen zu sprechen. „Zum 1. Oktober 2016 wollen wir dort 120 Asylbewerber unterbringen“, nannte er als Ziel. 40 Reihenhäuser, „höchstens zweigeschossig“, sollen dort entstehen. Nach fünf bis zehn Jahren, wenn die Hälfte der Flüchtlinge in ihre Heimat zurückgekehrt sei, wovon die Stadt derzeit ausgehe, sollen die Unterkünfte dann mit dem Eigentümer zu Wohneinheiten umgebaut werden. Dann habe man dort Platz für mindestens 100 neue Bewohner.

„Das macht drei Flüchtlinge pro Reihenhaus. Hartz IV-Empfänger leben in kleinen Wohnungen, das ist nicht fair“, monierte einer der anwesenden Bürger. „Aktuell leben zwei bis drei Flüchtlinge in sechs Quadratmeter großen Containern“, entgegnete Mädge und wies daraufhin, dass die Leistungen für Asylbewerber gesenkt worden seien. Beim Thema Sicherheit verwies er darauf, dass es nachts in allen Unterkünften einen Wachdienst gebe.

Auch die Eichen würden nicht abgeholzt. Trotz des geringen Abstands zwischen den Baumreihen, der etwa drei Meter beträgt, sei eine Straße für Autos und ein sicherer, beleuchteter Schulweg für die Kinder garantiert, sagte der Verwaltungschef. Am Morgen vor der Versammlung hatte das Büro des Oberbürgermeisters ein 36-Fragen-Katalog erreicht, viele wurden am Abend beantwortet, einige ernteten allerdings nur Schmunzeln, etwa: „Kann ich mit meinem Hund noch vor die Tür gehen?“

Mädge machte deutlich: „50 Prozent der Leute werden bleiben, sie erwerben ein Reihenhaus und werden Ihre Nachbarn, das ist Integration.“ Rettmer zum Beispiel könne ein Vorbild sein, dort gebe es gute Strukturen, die Flüchtlingsunterkunft habe eine gute Anbindung an die Nachbarschaft, die Stadt will dort nun sogar 60 weitere Plätze schaffen. Momentan gebe es dort mehr ehrenamtliche Helfer als Flüchtlinge.

Vor allem Bewohner der Helene-Lange-Straße äußerten Bedenken, sie haben Sorge, dass die Zuwegung zur neuen Flüchtlingsunterkunft durch ihre Straße verläuft. Mädge sagte, dass dies „wahrscheinlich nicht der Fall“ sein werde, ein Hauptzugang über den sogenannten Toten Weg neben dem KVG-Gelände sei geplant. Höchstens ein Notzugang über die Helene-Lange-Straße sei denkbar.

Mindestens zwei weitere Bürgerversammlungen kündigte Mädge für die Nachbarn an. „Wir legen in der Stadt Wert darauf, die Angelegenheit im Konsens zu klären. Die Angst, dass wir morgen mit 200 bis 300 Flüchtlingen ankommen, ist unbegründet“, stellte der Verwaltungschef klar und verwies darauf, dass man sich noch in Planungen befinde, auf diverse Gutachten warte und auch noch kein Bauträger feststehe. „Erst kommt der eigentliche Bebauungsplan, den wir mit Eigentümern und Architekten zusammen erstellen.“