Aktuell
Home | Lokales | Ebensberg: Der Streit um 50 Autos täglich
Oberbürgermeister Ulrich Mädge stellte sich am Dienstag den Fragen von rund 250 Anwohnern des Ebensbergs. Von dort soll eine Zufahrt zum Flüchtlingsdorf in der Theodor-Körner-Straße gebaut werden. Foto: ca
Oberbürgermeister Ulrich Mädge stellte sich am Dienstag den Fragen von rund 250 Anwohnern des Ebensbergs. Von dort soll eine Zufahrt zum Flüchtlingsdorf in der Theodor-Körner-Straße gebaut werden. Foto: ca

Ebensberg: Der Streit um 50 Autos täglich

ca Lüneburg. Die Gumbinner Straße auf dem Ebensberg scheint ein Idyll. Kinder spielen auf der Straße, Anwohner genießen die Ruhe. Bewusst seien sie dort hingezogen, sagen einige am Dienstagabend auf einer Anwohnerversammlung im Lokal Lims in Erbstorf. Die Sackgassenlage sei ein entscheidender Grund gewesen. Doch nun sehen sie alles in Gefahr: Die Stadt will die Straße nutzen, um von dort einen Weg zum Olympischen Dorf der Theodor-Körner-Kaserne (TKK) zu bauen. Dort leben 500 Flüchtlinge. Helfer des Betreibers DLRG und Lieferanten, die zum Beispiel Essen bringen, benötigen eine Zufahrt. Der Weg durch die Kaserne ist mühsam, da die Bundeswehr auf Sicherheitskontrollen besteht.

Oberbürgermeister Ulrich Mädge und seine Mitarbeiter stellten die Pläne vor. Mädge machte klar, dass er dazu angesichts der stetig steigenden Zahlen von Asylbewerbern keine Alternative sieht. „Wir wissen nicht mehr weiter“, sagte der Verwaltungschef. „Wir haben nicht mehr den Normalfall. Und ich weiß nicht, was uns im Januar, Februar, März erwartet.“ Die Zuwanderung der Flüchtlinge halte ungebremst an.

Lüneburg habe für dieses Jahr 1000 Personen aufzunehmen, für 2016 rechnet der Oberbürgermeister mit weiteren 1500. Aber das sind Schätzungen. Neben der „Quote“, die Lüneburg zugewiesen bekommen hat, betreibt das Land noch zentrale Anlaufstellen in der Stadt: 600 Menschen in der Theodor-Körner-Kaserne, dort im Olympischen Dorf und in einer Turnhalle, noch mal 600 Personen sollen in die alte Schlieffenkaserne ziehen.

Die TKK-Unterkunft liegt wie eine Insel am Rand des Militärgeländes: auf der einen Seite die Bundeswehr, auf der anderen ein ausgedehntes Waldgebiet. Dort befindet sich das Tor6, es ist der Ausgang für die Flüchtlinge. Die Leiterin der Tiefbauabteilung im Rathaus, Uta Hesebeck, erklärte den rund 250 Anwohnern, dass die Stadt den Waldweg, der weiter zum Fuchsweg führt, befestigen und beleuchten möchte. Alles in allem eine Strecke von rund 1300 Metern.

Bürger forderten, diesen Weg eben nicht nur als Fußweg herzurichten, sondern zur Zufahrtsstraße auszubauen. Die Gumbinner Straße könnte so von Verkehr verschont bleiben. Hesebeck und Mädge hielten dem entgegen: Es müssten drei Reihen Bäume gefällt werden. Das sei nicht angemessen, zudem sei mit Protest von Naturschützern zu rechnen. Mädge: „Da kettet sich dann mancher, der hier jetzt sitzt, an einen Baum, um das Naherholungsgebiet zu erhalten.“

An der Gumbinner Straße soll die Asphaltschicht der Straße erneuert, ein etwa ein Meter breiter Seitenstreifen befestigt werden. Überdies muss ein mit Signalanlagen ausgestatteter Übergang für die Gleise der Hafenbahn geschaffen werden. Der bestehende Wendehammer wird dann hinter den Schienenstrang verlegt. Die Stadt geht davon aus, dass das Land die Kosten für die Arbeiten übernimmt, die Planungen sollen Ende des Jahres abgeschlossen sein.

Mädge geht von „100 Fahrzeugbewegungen pro Tag aus“, das macht 50 Autos, die durch die Gumbinner Straße rollen. Dazu können in Notfällen Feuerwehr und Rettungsdienst kommen. Busse und Schwerlastverkehr sollen, wie schon jetzt, über das Gelände der TKK fahren. Die Stadt will eine „Übergangsregelung“ in Gesprächen mit der Bundeswehr zu einer Dauerlösung festzurren.

Der Verwaltungschef und auch der Ortsvorsteher vom Ebensberg, Heiko Dörbaum, boten an, die geplanten Veränderungen in den kommenden Wochen noch einmal direkt vor Ort zu erklären. Am Ende der zum Teil hitzig geführten Debatte gab es einen verbindenden Aspekt: Ein Anwohner regte an, den Waldweg über das Tor6 hinaus bis zum Ebensberg entsprechend zu befestigen. Das wäre für Radler und Spaziergänger wünschenswert. Mädge sagte zu, den Vorschlag zu prüfen.