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Verkaufen will die Stadt Hitzacker das ehemalige Kurhaus und heutige Veranstaltungszentrum Verdo. Vor 20 Jahren gab es einen Käufer, den der Stadtrat nicht wollte. Ob sich nun wieder ein Interessent findet, ist mehr als fraglich. Foto: rg

Verdo steht zum Verkauf

rg Hitzacker. Wenn es um Hitzackers Finanzmisere geht, fallen zwei Namen fast immer automatisch: Verdo und Archäologisches Zentrum Hitz­acker (AZH). Das ehemalige Kurhaus und das bronzezeitliche Freilichtmuseum kosten die Stadt Geld, Jahr für Jahr. Wie hoch genau die Defizite sind, kann man beim Verdo nur schätzen, offiziell heißt es, dass rund 100000 Euro jährlich in den defizitären Betrieb fließen. Deutlich weniger ist es beim AZH, das mit weniger als der Hälfte an Zuschüssen auskommt — mit abnehmender Tendenz. Nun soll das Verdo verkauft werden, die Beschlüsse dazu sind gefasst, ein Käufer wird gesucht. Per Ausschreibung, Ergebnis offen. Was in der Elbestadt jedoch schon fast in Vergessenheit geraten ist: Vor gut 20 Jahren stand das Verdo schon einmal zum Verkauf. Damals hieß es noch Kurhaus, und es gab sogar einen Interessenten. Doch der war dem SPD-geführten Stadtrat damals nicht genehm — es handelte sich nämlich um den Immobilienkaufmann und CDU-Ratsherren Peter Schneeberg.

Schon damals war das Kurhaus ein Zuschussgeschäft für die öffentliche Hand. Die Kurbetriebs-GmbH war defizitär, erforderte jährliche Zuzahlungen, um eine Insolvenz abzuwenden. Investitionen in Millionenhöhe standen an, angefangen bei der Dachkonstruktion über undichte Fenster und eine modernisierungsbedürftige Küche bis hin zu unmodernen Möbeln und Vorhängen, die es zu ersetzen galt. Nicht zuletzt deswegen hatte der Rat der Stadt bereits 1992 beschlossen, die Immobilie loszuwerden, zu verkaufen. Man schrieb, wie heute, den Verkauf bundesweit aus und wartete auf Angebote. Die blieben allerdings aus. Bis auf jenes von Peter Schneeberg. Der Unternehmer machte als einziger Bieter eine Offerte und unterbreitete einen Plan, dort auf dem Berg über der Stadt rund 15 Millionen D-Mark zu investieren und ein 140-Betten-Hotel zu bauen, Arbeitsplätze zu schaffen und Steuereinnahmen für die Stadt zu generieren.

Doch dazu kam es nicht. Der Stadtrat änderte seinen Verkaufsbeschluss, als klar war, dass es nur das eine Angebot geben würde. In nichtöffentlicher Sitzung hob man die Ausschreibung wieder auf. Peter Schneeberg zog daraus damals seine Konsequenzen: Er, der Hitzackeraner, investierte sein Geld in einen Congress-Komplex in Reinbek bei Hamburg. Dort empfing man ihn und sein Angebot, Millionen zu investieren, mit offenen Armen und einem einstimmigen Ratsbeschluss. Das dortige Kommunalparlament musste dem Verkauf des Sachsenwald-Congresszentrums ebenfalls zustimmen, weil die Kommune ein Vorkaufsrecht besaß.

Es ist müßig zu spekulieren, wie es Hitzacker heute gehen würde, hätte man das Kurhaus damals verkauft. Klar ist: Der Schuldenberg der Stadt wäre wohl erheblich kleiner. Viel interessanter ist die Frage, ob sich denn heute ein Käufer für das Verdo finden lässt. Ein Käufer, der sich weder vom Alter noch vom Zustand des Verdos abschrecken lässt. Der bereit ist, viel Geld zu investieren, der die auf dem Gebäude lastenden Schulden übernimmt. Der akzeptiert, dass dort noch wenigstens einige Jahre lang die Sommerlichen Musiktage Hitzacker und die Musikwoche stattfinden werden. So recht glauben mag daran nämlich kaum jemand. Auch nicht Peter Schneeberg. Er plane nicht,  dieses Mal wieder ein Angebot abzugeben, sagte er auf EJZ-Nachfrage. Nicht aus verletztem Stolz, sondern aus rein wirtschaftlichen Überlegungen. „Ich fasse das Verdo unter den derzeitigen Umständen nicht an“, sagt der Unternehmer, der seine Hotelpläne für seine Heimatstadt Hitzacker mittlerweile mit dem Vier-Sterne-„Hotel Hafen Hitzacker (Elbe)“ verwirklicht hat. Und er glaube auch nicht, dass sich ein anderer Investor findet, der das Verdo unter den aktuellen Voraussetzungen kauft. Der die Stadt von diesem zum Klotz am Bein gewordenen einstigen Juwel befreit und ihr wieder etwas mehr finanziellen Handlungsspielraum verschafft. „Die Chance wurde vertan“, glaubt Peter Schneeberg. Die kommenden Monate werden es zeigen.