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Anja Tewes aus Vockfey kümmert sich in Sumte als Küchenleiterin um die Versorgung von bis zu 750 Flüchtlingen. „Frühstück und Abendessen bereiten wir hier vor“, sagt sie, „das Mittagessen wird geliefert.“  Foto: phs
Anja Tewes aus Vockfey kümmert sich in Sumte als Küchenleiterin um die Versorgung von bis zu 750 Flüchtlingen. „Frühstück und Abendessen bereiten wir hier vor“, sagt sie, „das Mittagessen wird geliefert.“ Foto: phs

Sumte: „Wir sind gut vorbereitet“ +++ mit Video

off Sumte. Die Entscheidung für Sumte fällt, als Sabine ­Schack die Hoffnung schon fast aufgegeben hat. Monatelang hatte die gelernte Agrotechnikerin aus Dellien vergeblich nach einem Job gesucht, „mit 55“, sagt sie, „da will einen keiner mehr.“ Doch dann stößt sie im Internet auf den Stellenaufruf des ASB Hannover, gesucht werden für die neue Flüchtlingsunterkunft im acht Kilometer entfernten Sumte Reinigungs- und Küchenkräfte, Hausmeister, Krankenschwestern, Sozialassistenten, Erzieher und Sozialpädagogen. Sie bewirbt sich – und hat kurz darauf einen neuen Job. Drei Tage, bevor die ersten 500 Flüchtlinge in Sumte erwartet werden, steht sie im ehemaligen Bürodorf und sortiert Kinderkleider. „Für mich“, sagt sie, „ist diese Flüchtlingsunterkunft eine Chance.“

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Zum ersten Mal hat der ASB der Presse gestern Einblick gegeben in die Gebäude des ehemaligen Bürodorfes, bei einem Rundgang präsentiert, wie man sich auf die Ankunft der Flüchtlinge vorbereitet hat. Bis zu 750 Menschen sollen in dem Gebäudekomplex untergebracht werden, die ersten 500 werden am Montag im Laufe des Tages erwartet. Woher genau die Menschen stammen, wie viele Männer, Frauen, Kinder kommen, „das alles wissen wir noch nicht“, sagt ASB-Chef Jens Meier. Doch während die Stimmung im Umfeld bisweilen kritisch ist, viele Fragen aus Sicht von Anwohnern offen sind, sagt Meier: „Wir sind gut vorbereitet.“

Sumte ist bereit

Rund 7000 Quadratmeter umfasst die künftige Notunterkunft, von einem 5 Meter breiten und 250 Meter langen Flur zweigen links und rechts alle Gebäudeteile ab. Neben zunächst zwölf eingerichteten Bettenhäusern mit jeweils 60 Schlafplätzen gibt es eine eigene Küche mit zwei Essbereichen, einen Raum zum Wäschewaschen, einen Kindergarten, ein Zentrum zur medizinischen Versorgung, Kleiderkammer, Lagerraum und einen „Marktplatz“ mit einer Möglichkeit zum weltweiten Geldtransfer (Western Union), einem Handyshop und einem kleinen Lebensmittelmarkt. „Die Duschcontainer werden noch geliefert, ebenso die Trennwände für die Bettenhäuser“, sagt Meier. „Sobald die da sind, ist einrichtungsmäßig fast alles komplett.“ Was noch fehlt, ist die Freischaltung des Telefonanschlusses durch die Telekom und die Einrichtung des Internets. „Außerdem suchen wir noch gut erhaltene Männerkleidung und Mitarbeiter im medizinischen Bereich.“

Sabine Schack (l.) und Jeannette Derstappen, beide aus dem Amt Neuhaus, beim Sortieren der Kleiderspenden. Foto: phs
Sabine Schack (l.) und Jeannette Derstappen, beide aus dem Amt Neuhaus, beim Sortieren der Kleiderspenden. Foto: phs

Betrieben werden Handyladen und Supermarkt von „Leuten aus den Nachbarorten“, berichtet Meier. Auch der Großteil der Spenden für Kindergarten und Kleiderkammer stammen aus der Umgebung, die meisten Mitarbeiter wohnen in der Gemeinde. „Es ist toll, wie sehr wir hier vor Ort unterstützt werden“, sagt Meier. Hinzu kommt die Hilfe von 14 Flüchtlingen aus Adelebsen bei Göttingen, wo der ASB ebenfalls eine Notunterkunft betreibt – und erfolgreich um Unterstützung geworben hat.

Die Stimmung im Team wirkt gelassen, alles scheint gut vorbereitet, der Gebäudekomplex, sagt Meier, „ist wie für eine Notunterkunft gemacht“. Auch Sabine Schack mag ihren neuen Arbeitsplatz, „es ist toll, wie gut wir alle aufgenommen wurden“, sagt sie. Wie es wird, wenn am Montag die ersten 500 Flüchtlinge kommen, in der Unterkunft irgendwann 750 Menschen leben werden, wisse sie natürlich nicht. „Das ist schon eine Herausforderung“, sagt sie, „aber es macht mir keine Angst. Im Gegenteil: Ich freue mich auch darauf.“

Foto: phs
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Rund 60 Leute werden laut Meier in der Notunterkunft beschäftigt sein – vom Sicherheitsdienst bis zur Krankenschwester. Anja Tewes aus Vockfey hat als Disponentin und Leiterin der Küche in Sumte angefangen – dabei wollte die 23-Jährige nach ihrem Studienabschluss als internationale Hotelmanagerin eigentlich nach Spanien gehen. Doch auch sie hat die Notunterkunft in Sumte als Chance gesehen, „um zu helfen, wo ich gebraucht werde“. Wie lange die Notunterkunft in Sumte bleibt, wie lange Mitarbeiterinnen wie Sabine Schack und Anja Tewes tatsächlich beschäftigt sind, kann auch der ASB-Chef nicht beantworten. „Geplant ist sie vorerst nur für ein Jahr“, sagt er. „Doch wer weiß, was in einem Jahr ist.“