Donnerstag , 8. Dezember 2016
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Aktueller und ehemalige Vorsitzende unter dem Bild des Namensgebers Heinrich Böll: Max Timm, Katrin Schultheiß und Reinhardt Günzel. Foto: t&w
Aktueller und ehemalige Vorsitzende unter dem Bild des Namensgebers Heinrich Böll: Max Timm, Katrin Schultheiß und Reinhardt Günzel. Foto: t&w

Heinrich-Böll-Haus: Leitzentrale für die Nachhaltigkeit

cec Lüneburg. „Wir fordern: keine Verschärfung des Asylrechts, keine Abschiebung in Krisengebiete, ein klares Bekenntnis zum Einwanderungsland BRD!“ Mit diesen Zeilen ruft das Lüneburger Heinrich-Böll-Haus zur Demonstration gegen Rassismus auf. Das Faltblatt mit der Ankündigung wurde aber nicht in den vergangenen Tagen verteilt, sondern bereits im Oktober 1991. Vor 25 Jahren wurde das Böll-Haus eröffnet, mit einem Tag der offenen Tür feiern die Mitstreiter der neun in ihm engagierten Gruppen am Samstag, 7. November, ihr Jubiläum. Eins der Themen, die damals in den ersten Tagen und Monaten nach der Gründung groß debattiert wurden, war die damalige Flüchtlingsproblematik.

„Ja, das ist alles schon mal da gewesen“, erinnert sich Katrin Schultheiß von Terres des Hommes und alter Hase im Böll-Haus, lange war sie Vorsitzende. Damals hätten in Rettmer Container gestanden, als ein weiterer großer Schub mit Asylsuchenden kam und in großer Eile Zelte auf dem Fußballfeld am Hasenburger Bach aufgestellt worden seien. „Willkommenskultur gab es damals nicht, alles war völlig unorganisiert“, blickt Schultheiß zurück, „uns hat beschäftigt: Wie gehen wir damit um? Wir wollten Hilfen im Alltag bieten und versuchen, den Ankömmlingen das Leben hier lebenswert zu machen.“

Wie gehen wir damit um? Fragen wie diese, die Ende der 80er-, Anfang der 90er-Jahre in verschiedenen Lüneburger Gruppen, beispielsweise in den „Denkanstößen“ oder dem „Nord-Süd-Forum“, zu verschiedenen Themen wie Flüchtlinge, Umweltschutz, Entwicklungspolitik, Castor-Transporte, intensiv erörtert wurden, führten schließlich zur Gründung des Böll-Hauses. Die Organisationen wollten nicht länger im eigenen Saft schmoren. „Wir wollten uns vernetzen, untereinander austauschen, um gemeinsam für Umwelt, Frieden und Gerechtigkeit im Sinne der Nachhaltigkeit zu leben und uns weiterzuentwickeln.“

Das Haus Katzenstraße 2 wurde gemietet, nach und nach zogen die Gruppen ein. Aktuell sind unter der Adresse ADFC, Anna & Arthur, BUND, BUND Jugend, Unicef, Greenpeace, Janun, Terres des Hommes und das Café Avenir zu finden. Viele große und kleine Aktionen und Projekte wurden in den 25 Jahren zusammen angegangen: Veranstaltungen wie „Wohnen ein Menschenrecht“, „Flucht und Fluchtursachen“, „Gentechnik“ und „Kleider machen Leute“. Großkarätige Verfechter der Böll-Themen wie die Theologin Dorothee Sölle, Jacob von Uexküll, Stifter des Alternativen Nobelpreises, und Klimapapst Prof. Dr. Hartmut Graßl wurden zu Vorträgen eingeladen.

Ein Meilenstein war beispielsweise das Schiff für die Umwelt, erinnert sich Reinhardt Günzel, langjähriger Vorsitzender des Böll-Hauses. Es fuhr von Prag nach Cuxhaven, machte mit einer Ausstellung an Bord Werbung für eine saubere Elbe und Flusslandschaft. „Das war eine Zusammenarbeit des BUND und des ökumenischen Arbeitskreises“, so Günzel, „und führte beide Elemente zusammen, um die es uns ging: Umwelt und Entwicklung.“

Auch die Castor-Wochen sind lebhaft im Gedächtnis verankert, erzählt der heutige Vorsitzende Max Timm: „Das ganze Haus war mit Telefonen und LAN-Kabeln bestückt, eine hochvernetzte Leitzentrale.“

Aktuell steht wieder die Flüchtlingsproblematik im Fokus des Geschehens. Zweimal in der Woche gibt es etwa ein Tandem-Treffen im Café Avenir, bei dem jeweils ein Deutscher einem Flüchtling die Sprache beibringt. „Ein typisches Beispiel für das Böll-Haus-Wirken, dass Gleichgesinnte zusammenkommen. Das wird unheimlich gut aufgenommen“, sagt Timm, „wir haben schon fast nicht mehr genug Platz im Haus.“

Raum ist aber immer für weitere aktive und passive Mitglieder und auch Spenden sind selbstredend willkommen. Mehr Informationen gibt es unter www.boell-haus-lueneburg.de und Tel. 41093. Neben den neun Hauptgruppen, gibt es übrigens noch eine Reihe Vereine, die zwar nicht ihren Sitz in der Katzenstraße haben, sich aber hier treffen: VCD, Kulturgarten, Streuobstwiesen, Biobrotbox, Robinwood, Lünebohne und Wir gegen Fracking.

Tag der offenen Tür

25 umwelt-, friedens- und menschenrechtsbewegte Jahre liegen hinter den Aktivisten vom Böll-Haus. Aber für sie bleibt nicht nur viel, sondern immer mehr zu tun, um die Welt mit einer Nachhaltigkeitsstrategie lebenswert zu gestalten. Informieren über die Aktivitäten können sich Interessierte beim Tag der offenen Tür am Sonnabend, 7. November. Es gibt diverse Angebote für Kinder und Erwachsene, zum Beispiel eine Hausrallye mit Gewinn, eine Ausstellung zum Thema „Flüchtlinge“ mit einer Malaktion für Kinder und vieles mehr. Feste Programmpunkte sind:

11 Uhr: Konsumkritischer Stadtrundgang des Jugendumweltwerkes Janun
12.30 Uhr: Kalkbergrundgang, Gipsmühle mit dem BUND
14 Uhr: Radtour des ADFC zum Thema: „Wohin ging die Entwicklung bisher und wo liegt noch Verbesserungspotenzial?“
14 Uhr: Konsumkritischer Stadtrundgang (Janun)
16 Uhr: Grußwort des Bürgermeisters Eduard Kolle
16 Uhr: Ulrich Hellfritz spricht über die Entstehung und die Entwicklung des Heinrich-Böll-Hauses
Danach gibt es einen Umtrunk mit Klönschnack.