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Iran
Lena Köpsell in einem Teehaus in Teheran. Sie hat die Menschen in dem islamischen Land als sehr gastfreundlich erlebt. Foto: nh

Als Frau unterwegs im Iran

Lüneburg. „Wieso fährst du denn dahin?“ Diese Frage bekam Lena Köpsell oft von Freunden und Verwandten gestellt, wenn sie ihr nächstes Reiseziel verriet. Fast einen Monat reiste die Studentin der Politikwissenschaft mit einer Freundin durch den Iran. Eine Erfahrung der Lüneburgerin dabei: Sie wurde noch nie so oft zum Essen eingeladen. Für die LZ berichtet sie von ihrer ungewöhnlichen Reise.

Ich habe mein Handy verloren, ausgerechnet am ersten Tag meiner Reise. Erschöpft vom langen Flug schlafe ich ein. Bis es spätabends an meiner Tür klopft. Vor mir steht Mister Mousavi mit meinem Handy in der Hand: „Hier seid ihr! Ich habe alle Hotels in der Nähe abgesucht, um euch zu finden. Ich habe dein Handy, der Taxifahrer hat es mir gegeben.“ Ich wäre ihm am liebsten um den Hals gefallen vor Dankbarkeit. Aber das macht man als Frau im Iran besser nicht. Atomwaffen, Hinrichtungen, Frauenunterdrückung, das ist der Iran in den Nachrichten. Das klingt nicht nach einem entspannten Urlaubsland. Ich bin vier Wochen mit einer Freundin durch das Land gereist und habe es ganz anders kennengelernt.

Menschen wie Mister Mousavi begegnen uns immer wieder. Fakthe ist so jemand. Im Bus nach Isfahan spüre ich plötzlich eine Hand auf meiner Schulter. Ich drehe mich um und blicke in ein hübsches Gesicht, eingerahmt von einem schwarzen Kopftuch. „Hey, woher kommt ihr?“, will sie wissen. Wir kommen ins Gespräch. Es dauert nicht lange, da lädt sie uns zu sich nach Hause zum Essen ein. Aus diesem einen Mittagessen werden vier außergewöhnliche Tage, die wir mit Fakthe und ihrer Mutter in Isfahan verbringen. Die beiden führen uns zu allen Sehenswürdigkeiten der Stadt, wir gehen zusammen ins Theater, Eis essen und treffen ihre Familie. Manchmal treten kleine Missverständnisse auf, denn Höflichkeit ist im Iran eine ganz eigene Kunstform. Sie hat sogar einen Namen: Taarof. Wenn einem beispielsweise Essen angebot wird, schickt es sich nicht, gleich anzunehmen. Man sollte mindestens zwei Mal höflich ablehnen, es sich nahezu aufdrängen lassen, bevor man letztlich annimmt. Selbst Taxifahrer winken zunächst ab, wenn man sie nach dem Fahrpreis fragt: „Das ist umsonst.“

Der Iran ist eine islamische Republik. Es ist gesetzlich vorgeschrieben, in der Öffentlichkeit Hidschab zu tragen, das bedeutet, die Haare und den Körper zu bedecken. Einige Frauen tragen einen Tschador, ein oftmals schwarzer Umhang, der über Kopf und Körper getragen wird. In der Hauptstadt Teheran gehen viele mit der Kleiderordnung lockerer um. Man sieht Frauen in Sandalen, mit kürzeren Ärmeln, das Kopftuch tragen sie oft lässig am Hinterkopf. In der U-Bahn lässt sich die Teheraner Mode besonders gut beobachten. Dort gibt es jeweils vorne und hinten zwei Waggons nur für Frauen. Sie dürfen auch in die anderen Waggons zu den Männern, aber die sind meistens überfüllt, so bleibt man lieber unter sich. Hier herrscht eine gelöste Stimmung, Kopftücher werden gerichtet, fliegende Händlerinnen preisen Unterwäsche oder Küchenmesser an. Dass wir zwei allein reisende Frauen sind, stört hier niemanden. Nur manchmal werden wir gefragt: „Wo sind denn eure Eltern?“

In Qom, eine der heiligen Städte der Schia, treffen wir Ayatollah Seyed Mustafa Mirfendereski. Er führt uns durch den Schrein der Fatima Masuma, ein bedeutender Wallfahrtsort der Schiiten. Nach der Führung lädt er uns zum Tee in den Königsraum ein. Schwere rote Teppiche, pastellfarbene verschnörkelte Wandbilder. In der Ecke ist ein Duftspender installiert, der alle halbe Stunde mit einem zischenden Geräusch den Raum mit künstlichem Blumenduft einnebelt. Er wirkt wie ein Fremdkörper in diesem Raum, in dem die Zeit stillzustehen scheint. Der Ayatollah wird nachdenklich, wenn man mit ihm über den IS spricht. „Das sind für mich keine Muslime. Und auch keine Menschen“, er schüttelt den Kopf, um seinen Worten Nachdruck zu verleihen. Er weiß, dass viele Menschen der sogenannten westlichen Welt durch die Taten des IS auch Angst vor dem Islam bekommen. Dabei sei der Islam eine Religion des Friedens, der Spiritualität und der Weisheit, sagt Mirfendereski. Er redet viel und gerne über den Islam. Manchmal fühlt er sich ertappt und entschuldigt sich für seine Monologe, wie er sagt.

Der Iran verdient es, bin ich am Ende der Reise mehr denn je überzeugt, nicht ausschließlich nach der aktuellen Nachrichtenlage beurteilt zu werden. Das haben mir die vielen Iraner gezeigt, die mir unterwegs begegnet sind und die mich immer mit offenen Armen empfangen haben.

2 Kommentare

  1. Ich freue mich, auch mal solche Informationen aus erster Hand zu lesen. Aber sehr schade, daß der Bericht so kurz ist, da gibt es doch bestimmt eine längere Version? Wo kann man die bekommen?

    • Hallo Karin,

      es gibt tatsächlich nur diese eine Version des Berichts.
      Besten Gruß, Julia Drewes, LZonline