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Urlaub in Lüneburg
Urlaub in Lüneburg: Vom Gast zum Quasi-Familienmitglied: Jürgen Edinger (l.) und sein Gastgeber Hans Winterberg, Seniorchef vom Hotel Zum Roten Tore, sind gut befreundet. Foto: be

Urlaub in Lüneburg: Kein Jahr ohne die Salzstadt

cec Lüneburg. Schon 1984 berichtete die LZ über einen Düsseldorfer, dem in den Augen des Redakteurs eine Anhänglichkeits-Medaille verliehen werden sollte, weil er neue touristische Maßstäbe in Lüneburg gesetzt habe. Seit 15 Jahren kam Jürgen Edinger damals jedes Jahr zu Ostern in die Salzstadt, um hier seinen Urlaub zu verbringen. Er kommt immer noch, jedes Jahr. Seit nunmehr 46 Jahren bucht er, wenn es frei ist, das Zimmer Nummer 7 im Hotel zum Roten Tore. „Anders geht es nicht mehr“, sagt der 67-Jährige, der mittlerweile nicht mehr in Düsseldorf, sondern in Grevenbroich zuhause ist, „Lüneburg ist Bestandteil meines Lebens geworden.“

Dabei sah es bei seiner ersten Begegnung mit der Salzstadt nicht nach großer Liebe aus. Unfreiwillig und ebenso unwillig reiste er 1969 zu seinem ersten Besuch an: Der Bund hatte ihn zum Dienst bei der 3. Panzerdivision gezogen. Edinger hatte sich das anders vorgestellt. Die Ausbildung gerade beendet, hoffte der damals 20-Jährige, aufgrund einer recht frischen Fuß-Operation ausgemustert zu werden und direkt ins Berufsleben einsteigen zu können. Mit der Diagnose „tauglich“ hatte er nicht gerechnet. Weil die 90 Mark im Monat nicht ausreichten, parallel neben der Unterkunft in der Theodor-Körner-Kaserne seine Junggesellenbude daheim zu halten, musste er diese auflösen. Nicht eben bester Dinge kam er her — um nach Dienstende neun Monate später nur eins im Sinn zu haben: „Ich musste einfach Lüneburg wiedersehen, als freier Mensch und ohne Uniform.“

Schon sein erster Oster-Urlaub ein Jahr später führte ihn wieder her. Auch wenn der Im- und Exportkaufmann während seines Berufslebens als Abteilungsleiter Finanzen bei Thyssen-Krupp viel von der Welt gesehen hat, beruflich häufig in Fernost unterwegs war und auf Teneriffa mindestens ebensoviele Freunde habe, wie mittlerweile in Lüneburg, zieht es ihn immer wieder an die Ilmenau. Zwar nutzt Edinger seine Rente auch für andere schöne Reisen, mit seiner Partnerin war er dieses Jahr auf Sylt, am Königssee und auf der Hallig Langeneß, aber eben auch dreimal in Lüneburg. Die Kombination aus historischer Bausubstanz und der weiten, flachen Landschaft hat es ihm angetan.

„Ich bin ein Wald- und Wiesen-Heini“, sagt Edinger, „für mich gibt es nichts Schöneres, als mir ein Paddelboot zu leihen und mich stundenlang über die Ilmenau treiben zu lassen — diese endlose Weite, das viele Grün.“ Grevenbroich mit seinem Braunkohletagebau und dazugehörigen Stromkraftwerken könne da nicht mithalten.

Im Hotel Zum Roten Tore gehört der Rheinländer mittlerweile zum Inventar. Mit Seniorchef Hans Winterberg pflegt er eine freundschaftliche Beziehung, wird auch zu Familienfeiern eingeladen. Er ist Mitglied im Sparclub, macht mit diesem Ausflüge an Nord- und Ostsee. Langweilig ist es Edinger in den 46 Jahren nie geworden. Mit dem Bus unternimmt er Ausflüge in die Umgebung oder er fährt nach Hamburg, guckt sich bei einer Hafenrundfahrt die Schiffe an. Abends sitzt er mit Winterberg zusammen zum Klönen. Und das soll auch in den kommenden Jahren so bleiben: „Ein Jahr ohne Lüneburg, das geht gar nicht mehr. Und wenn sie mich irgendwann her tragen müssen.“