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Vor allem im Spätsommer und Herbst ist der Stieglitz oder Distelfink oft auf Disteln, Kletten und Karden anzutreffen, aus denen er geschickt die Samen herauspickt.  Foto: haase
Vor allem im Spätsommer und Herbst ist der Stieglitz oder Distelfink oft auf Disteln, Kletten und Karden anzutreffen, aus denen er geschickt die Samen herauspickt. Foto: haase

Distelfink macht sich rar

lz Lüneburg. Gekonnt einen Distelfink in Szene gesetzt hat Naturfotografin Sonja Haase für die LZ: „Vor einigen Jahren kamen sie zu Hunderten auf die Sonnenblumen und Disteln in der Nähe von Böhmsholz bei Reppenstedt.“ Doch nun gebe es immer mehr Maisfelder und kaum noch wilde Grünstreifen, bedauert sie. Tatsächlich ist der Bestand des Stieglitzes in Deutschland in den vergangenen Jahren stark zurückgegangen, so Angaben des Naturschutzbundes Deutschland (Nabu).

Der Nabu und sein bayerischer Partner, der Landesbund für Vogelschutz (LBV), haben den Stieglitz zum „Vogel des Jahres 2016“ gewählt. Auf den Habicht, Vogel des Jahres 2015, folgt damit ein Singvogel, der zu den farbenfrohesten Vögeln Deutschlands zählt. Der Distelfink ernährt sich vornehmlich von den Samen zahlreicher verschiedener Blütenpflanzen, Gräser und Bäume.

Uwe Baumert, Nabu-Landesvorstandsmitglied Niedersachsen, sagt: „Allein durch die Maisanbauflächen ist in den vergangenen Jahren ein Teil der heimischen Artenvielfalt verloren gegangen. Hoffnungsträger sind die Agrarumweltmaßnahmen in Niedersachsen mit den Programmen zur Förderung von Blühpflanzen in Form von Blühstreifen und die vielen regionalen Initiativen mit ihren eigenen Programmen zur Abwechslung auf dem Acker und damit einer Erhöhung der Artenvielfalt. Durch sinnvolle Alternativen wie Wildblumen- und Wildkräutermischungen, Sonnenblume, Winterwicke mit Wintererbse und Bohne sowie Buchweizen können neue Lebensräume für den Stieglitz geschaffen werden.“

Es gebe viele Möglichkeiten, den Lebensraum des farbenfrohen Finken zu erhalten. Schon kleine unbelassene Ecken in Gärten, an Sport- und Spielplätzen, Schulen, Ackerflächen oder Straßenrändern, trügen dazu bei. Bei der Auswahl der Blühmischung ist darauf zu achten, dass diese standortangepasst ist. Im Idealfall sind es Samen gebietseigener Wildblumen aus gesicherter Herkunft. Das Anlegen von Blühflächen mit heimischen Wildkräutern sowie Obstbäumen und der Verzicht auf Pestizide helfen dem zierlichen Finken.

Der Stieglitz-Bestand hat laut Daten des Dachverbands Deutscher Avifaunisten von 1990 bis 2013 um 48 Prozent abgenommen. Offizielle Schätzungen gehen derzeit von 305000 bis 520000 Brutpaaren aus, teilt der Nabu mit. In Niedersachsen ist der Stieglitz nach Angaben der Staatlichen Vogelschutzwarte mit vier Prozent am gesamtdeutschen Bestand mit zirka 14000 Revieren vertreten.

Stieglitze leben sowohl auf dem Land als auch in Siedlungen, solange es einen geeigneten Brutplatz und Nahrung gibt. Diese findet er an Acker- und Wegrainen, auf Brachen oder in Parks und Gärten. Knapp 60 Prozent des bundesweiten Bestandes leben im Siedlungsraum, die restlichen 40 Prozent in der Agrarlandschaft.