Aktuell
Home | Lokales | Lehrstellen in Lüneburg: Angebot steigt
Als „erfreulich stabil“ bewerten die Arbeitmarktexperten den Ausbildungsmarkt in Lüneburg: Das Angebot an Lehrstellen ist im Vergleich zum Vorjahr gestiegen, die Bewerberzahl aber ist rückläufig. Foto: A./be
Als „erfreulich stabil“ bewerten die Arbeitmarktexperten den Ausbildungsmarkt in Lüneburg: Das Angebot an Lehrstellen ist im Vergleich zum Vorjahr gestiegen, die Bewerberzahl aber ist rückläufig. Foto: A./be

Lehrstellen in Lüneburg: Angebot steigt

kre Lüneburg. Nichts ist offenbar beständiger als der Berufswunsch junger Menschen: Auf Platz eins der zehn begehrtesten Lehrstellen bleibt der Kaufmann, beziehungsweise die Kauffrau im Einzelhandel, gefolgt vom Kaufmann/frau für Büromanagement und dem Verkäufer. Der Kfz-Mechatroniker, in früheren Jahren bei den jungen Männern unangefochten auf Platz eins, landet in der aktuellen Statistik der Lüneburger Agentur für Arbeit in der Gesamtbetrachtung immerhin noch auf dem fünften Platz.

Lehrstellen
Grafik: ck

Das sind einige der Erkenntnisse, die gestern Inge Schlote bei der Vorstellung des Ausbildungsmarktes besonders hervorhob. Insgesamt zeigte sich die Bereichsleiterin bei der Agentur für Arbeit mit der Entwicklung zufrieden: „Mit Blick auf den gesamten Bezirk hat sich die Situation auf dem Ausbildungsmarkt gerade aus Sicht der Jugendlichen verbessert.“ Eine Einschätzung, die auch Günter Neumann von der Handwerkskammer (HWK) und Volker Linde von der Industrie- und Handelskammer (IHK) bestätigten. 4297 junge Bewerber für einen Ausbildungsplatz registrierte die Behörde im Agenturbezirk, zu dem neben dem Landkreis Lüneburg auch die Arbeitsagenturen in Buchholz, Lüchow, Uelzen und Winsen gehören. „Das sind 288 Jugendliche weniger, als im vorherigen Ausbildungsjahr“, betonte Schlote.

Diese Entwicklung sei zum einen den insgesamt sinkenden Schülerzahlen geschuldet, zum anderen aber auch dem Bestreben vieler Jugendlicher nach einem höheren Bildungsabschluss. „Statt nach Beendigung der Schule direkt eine Berufsausbildung zu beginnen, wollen viele Schüler zunächst noch weiterführende Schulen besuchen“, beobachten Schlote und ihre Kollegen.

Auf der einen Seite also weniger Jugendliche, die auf den Ausbildungsmarkt drängen, auf der anderen Seite aber ein größeres Lehrstellenangebot: Im gesamten Bezirk und auch in Stadt und Landkreis. 3088 Ausbildungsplätze (+169) haben die Unternehmen und Institutionen in den insgesamt vier Landkreisen der Agentur gemeldet, in Stadt und Landkreis Lüneburg sind es 989 (+49).

Mit anderen Worten: Viele Jugendliche haben inzwischen die Qual der Berufswahl. ,,Gut 40 Prozent unserer Unternehmen konnten bereits 2014 nicht alle angebotenen Ausbildungsplätze besetzen“, bestätigt Volker Linde, Leiter der Aus- und Weiterbildung bei der IHK.

Ein Grund für das Minus bei den Ausbildungsverträgen sieht auch er in dem Trend zur Akademisierung: ,,Junge Menschen entscheiden sich immer häufiger für ein Studium“.

Auch Günter Neumann, Leiter der Berufsbildung bei der Handwerkskammer, beobachtet diese Entwicklung sehr genau. Er sagt: „Vielfach ist offenbar nicht bekannt, dass durch eine Ausbildung im dualen System ein höherer allgemeiner Schulabschluss und eine Hochschulzugangsberechtigung erworben werden kann.“ Auch die hohe Zahl der Studienabbrecher ist für ihn ein Zeichen dafür, dass eine duale Ausbildung für manchen Studenten der bessere Weg wäre. „Im Handwerk gibt es für Abiturienten Chancen, die sich mit denen eines Hochschulstudiums durchaus vergleichen lassen.“

Insgesamt beurteilt aber auch Günter Neumann die Situation auf dem Ausbildungsmarkt als ausgesprochen erfreulich: „Bei der Handwerkskammer wurden 5080 neue Lehrverträge eingetragen, drei Prozent mehr als im Vorjahr.“ Das größte Plus gab es seinen Worten zufolge in der Region Lüneburg mit 7,1 Prozent. „Hier wurden in der ersten Jahreshälfte 1560 neue Lehrverträge eingetragen. 104 mehr als im Vorjahr.“

Die duale Berufsausbildung ist ein Erfolgsmodell, da sind sich Neumann und Linde einig: Das zeige im übrigen auch eine aktuelle Umfrage des Niedersächsischen Industrie- und Handelkammertages unter 240 Azubis: ,,Rund 80 Prozent würden ihren Ausbildungsberuf wieder wählen“, zitiert Volker Linde aus dieser Erhebung und fügt hinzu. ,,Je höher der Bildungsabschluss, desto zufriedener äußerten sich die Jugendlichen.“

Aber auch denen, die schulische Probleme und somit Schwierigkeiten haben, eine Lehrstelle zu finden, will die Agentur zur Seite stehen: „Schließlich spiegeln sich die Kompetenzen dieser Jugendlichen nicht immer in Schulnoten und Zeugnissen wieder“, weiß Schlote. Deshalb habe die Agentur mit Erfolg das Pilot-Programm „Assistierte Ausbildung“ (AsA) aufgelegt. „Betriebe, die benachteiligte junge Menschen ausbilden, erhalten kostenlos Unterstützung von einem Bildungsträger.“

One comment

  1. Karlheinz Fahrenwaldt

    Liebe Redaktion,
    wer diesen Artikel oberflächlich betrachtet erhält den Eindruck, dass auf jeden ausbildungswilligen Jugendlichen mehr als ein Ausbildungsplatz wartet. Das suggeriert die Überschrift samt Untertitel in der Printausgabe und die Grafik des Arbeitsamtes sowohl in der Printausgabe als auch hier. Schaut man sich die Grafik genauer an stellt man fest, dass die rechte Grafik mit den Bewerbern im Verhältnis zu den Stellenangeboten um rund ein Drittel verkleinert wurde. In Wirklichkeit bleiben fast 400 Jugendliche auch in diesem Jahr auf der Strecke. Wo bleibt da die journalistische Sorgfaltspflicht? Gehört das Lügen mit Bildern und Schlagzeilen zum täglichen Geschäft? Ich hoffe nicht!