Aktuell
Home | Lokales | Stadt will mehr als 300 Bäume fällen
Stadt will aus Sicherheitsgründen mehr als 300 Bäume fällen. Dazu gehört auch diese Blutbuche im Liebesgrund. Foto: t&w
Stadt will aus Sicherheitsgründen mehr als 300 Bäume fällen. Dazu gehört auch diese Blutbuche im Liebesgrund. Foto: t&w

Stadt will mehr als 300 Bäume fällen

us Lüneburg. Er wirkt unscheinbar, Laien nehmen ihn kaum wahr. Doch er kann Riesen zu Fall bringen. Die Rede ist vom Brandkrustenpilz, einer speziellen Baumpilzart, die es vor allem auf Linden und Buchen abgesehen hat. Eines seiner prominentesten Opfer in Lüneburg ist die stattliche Blutbuche im Liebesgrund. Sie ist einer von insgesamt 313 Bäumen, die laut Stadt in den kommenden Monaten gefällt werden sollen. Darunter sind auch sechs gesunde Bäume, die wegen der anstehenden Bauarbeiten an der Wandrahmbrücke weichen müssen.

„Es ist jammerschade, aber die Buche ist nicht mehr zu retten“, sagt Ralf Rosin. Der Baumkontrolleur der städtischen Abwasser, Grund und Lüneburger Service GmbH (AGL), hatte den Pilz im Mai bei einem seiner Kontrollgänge entdeckt. Um sicher zu gehen, dass sein Befund tatsächlich zutrifft, hatte er das Hamburger Institut für Baumpflege eingebunden. In ihrem Gutachten bestätigten sie die Erstdiagnose.

„Der Pilz sitzt im Bereich zwischen Stammansatz und Wurzeln“, erläutert Rosin. Das Erstaunliche: Äußerlich ist der Blutbuche, deren üppiges Laub im Zentrum des Liebesgrunds noch in prächtigsten Herbstfarben leuchtet, nicht anzusehen, dass ihre Tage gezählt sind. „Oberhalb der Stelle, an der der Pilz sitzt, ist der Baum vollkommen in Ordnung“, sagt Rosin. Denn der Brandkrustenpilz greift nicht die Baumrinde an, sondern den inneren Stamm. Dadurch könne der Baum in seiner Statik so sehr gefährdet werden, dass er einem kräftigen Sturm nicht mehr standhält.

Zwar hatte die Stadt auch Maßnahmen zur Rettung des Baums in Erwägung gezogen, zum Beispiel, ihn mit Stahlseilen zu sichern oder die Windangriffsfläche durch Beschnitt der Krone zu reduzieren. Am Ende aber wurden die Pläne wieder verworfen, da sie den Baum letztlich doch nicht retten könnten, wie Peter Zurheide, Leiter Grünflächenplanung bei der Stadt, erklärt: „Es wäre ein Sterben auf Zeit.“

Von den 313 zur Fällung ausgewählten Bäumen sind allein 57 von Pilzen befallen. Als Grund nennt Zurheide das besonders feuchte Frühjahr, das den Pilzwuchs befördert habe. Zwar würden sich die Pilze grundsätzlich an allen Bäumen ansiedeln, vitale Exemplare hätten damit jedoch kein Problem.

Weitere Gründe für die geplanten Fällungen seien absterbende oder abgestorbene Bäume, Gehölze, deren Standsicherheit nicht mehr gegeben ist oder auch schräg stehende Bäume. Letztlich sei entscheidend, dass durch stürzende Bäume niemand zu Schaden komme, erläutert Zurheide.

Die Fällungen erstrecken sich über das gesamte Stadtgebiet, rund 30 000 Bäume hat Rosin zuvor kontrolliert. Zweimal im Jahr macht er dazu die Tour durch die Stadt, schaut sich jeden einzelnen Baum an. Zehn Kilometer ist er täglich zu Fuß unterwegs. „Ich kenne meine Bäume inzwischen recht gut.“

Anders als im vergangenen Jahr sollen dieses Mal keine Bäume der städtischen Verkehrsplanung zum Opfer fallen. Damals hatte es Proteste gegen die geplante Abholzung gesunder Bäume an der Dahlenburger Landstraße gegeben, die Stadt plante dort die Verbreiterung des Fußwegs. Inzwischen gibt es aber Überlegungen, die Bäume doch zu retten (LZ berichtete).

Doch auch in diesem Jahr sollen sechs gesunde Bäume weichen. Sie sollen Platz machen für die Arbeiten an der Wandrahmbrücke, die saniert werden muss. Zurheide kündigte aber an, dass die Stadt bemüht sei, Ersatz zu pflanzen – für alle gefällten Bäume.

Die Baum-Fällliste ist auch Thema im Grünflächen- und Forstausschuss, der am Donnerstag, 12. November, von 15 Uhr an im Feuerwehrhaus in Rettmer tagt.