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Tierarzt Dr. Uwe Tiedemann untersucht in seinen Praxisräumen an der Goethestraße ein Kaninchen auf Druckempfindlichkeit am Kopf. Foto: t&w
Tierarzt Dr. Uwe Tiedemann untersucht in seinen Praxisräumen an der Goethestraße ein Kaninchen auf Druckempfindlichkeit am Kopf. Foto: t&w

Lüneburger Tierarzt wird Präsident der Bundestierärztekammer

Der Lüneburger Tierarzt Dr. Uwe Tiedemann (r.) Präsident der Bundestierärztekammer mit seinem Vorgänger Prof. Dr. Theo Mantel. Foto: nh
Der Lüneburger Tierarzt Dr. Uwe Tiedemann (r.) Präsident der Bundestierärztekammer mit seinem Vorgänger Prof. Dr. Theo Mantel. Foto: nh

Lüneburg. Seit 31 Jahren praktiziert Dr. Uwe Tiedemann als Tierarzt, hat eine eigene Kleintierpraxis in Lüneburg. Seit 24 Jahren betreibt er zudem Verbandsarbeit. Seit zehn Jahren ist er Präsident der Tierärztekammer in Hannover, acht Jahre lang bekleidete er die Stelle des Vizepräsidenten im Bund. Beim 27. Deutschen Tierärztetag in Bamberg wurde er jüngst mit großer Mehrheit zum Präsidenten gewählt (LZ berichtete). Am 1. Januar 2016 beginnt seine Amtszeit. Mit Deutschlands oberstem Tierarzt, der nunmehr zwischen drei Städten pendelt, sprach LZ-Volontärin Anna Paarmann.

Interview mit Tierarzt Dr. Tiedemann

Erst einmal: Herzlichen Glückwunsch! Jetzt sind Sie der Tierarzt Deutschlands mit dem höchsten Rang, wie fühlt es sich an?
Dr. Uwe Tiedemann: Vielen Dank! Es ist eine schöne Aufgabe, eine Ehre und auch eine große Verantwortung, der muss man sich wirklich bewusst sein. Ich habe lange darüber nachgedacht, ob ich diesen Job übernehme, das sage ich ganz ehrlich. Das ist jetzt eine Ebene, wo der Schwerpunkt die Politik ist. Wenn Sie sich mit der täglichen Politik auseinandersetzen, sehen Sie auch da die Höhen und Tiefen, wie viele Gruppen gerade gegeneinander vorgehen beispielsweise. Da bin ich jetzt mittendrin. Ob man das immer als angenehm empfindet, weiß ich nicht.

Wie wollen Sie diese Dreifachbelastung meistern?
Tiedemann: Vorher, als ich nur auf Landesebene in Hannover tätig war, habe ich zwei Tage in der Woche in der Praxis gefehlt, jetzt wird mit Sicherheit ein dritter Tag dazu kommen. Also werde ich nur noch zwei Tage hier sein können, einen als OP-Tag, einen für die Sprechstunde. So stelle ich es mir zumindest vor. Mittwochs bin ich in Hannover, dienstags wahrscheinlich in Berlin und freitags bis sonntags sind meist Tierärztetage oder in Deutschland und Europa verteilte Veranstaltungen, wo man dann hin muss. Geplant ist, montags und donnerstags in meiner Praxis in Lüneburg zu sein.

Wie kommt so eine Bewerbung zustande? Wieso halten Sie sich für den richtigen Mann?
Tiedemann: Wenn Sie Berufspolitik auf dieser Ebene machen wollen, dann wird das wirklich politisch gesehen. Man muss die Fraktionen auf seine Seite bringen, der Norden muss einen wollen, der Süden auch. Unser Problem war bis jetzt immer, dass die Präsidenten aus dem Süden kamen. Die letzten 20 Jahre, die ich überblicken kann, da waren es zwei Mal Bayern für jeweils acht Jahre, und vier Jahre war es ein Baden-Württemberger. Es war nie ein Norddeutscher dabei. Das ist nicht so einfach. In Niedersachsen sind wir zwar die zweitgrößte Kammer, aber die anderen Kammern rundherum in Hamburg, Bremen, Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern, das sind alles sehr kleine Kammern mit maximal zwei bis drei Delegierten.

Freuen Sie sich über diese Ernennung oder sind Sie eher zwiegespalten, weil jetzt weniger Zeit für die praktische Arbeit am Tier bleibt?
Tiedemann: Zwiegespalten kann man sagen. Ich möchte trotzdem weiter mit den Tieren arbeiten, meiner Meinung nach ist das auch die Voraussetzung, um den Präsidentenjob überhaupt machen zu können. Man muss an der Basis sein, ein Gefühl dafür haben, was da eigentlich abläuft. Ich glaube, dass gerade viele Probleme wie zum Beispiel die Antibiotika-Resistenz Themen sind, die sachlich aufgearbeitet werden müssen. Dafür will ich sorgen.

Bleibt denn überhaupt noch Zeit für Ihre Frau und Freunde? Gibt es so etwas wie einen „Familientag“?
Tiedemann: Nein, einen Familientag gibt es nicht. Ich habe letztens mit meiner Frau geübt, ein „Blind Date“ zu machen. Das ist mal was Nettes. Jetzt treffen wir uns mal, „schön, dich mal nach langer Zeit wiederzusehen“. Ich hoffe trotzdem, dass ich für meine Freunde noch etwas Zeit habe und natürlich für meine Frau.

Und Sie spielen ja donnerstagabends gern Doppelkopf?
Tiedemann: Ja, das soll auch bleiben. Deswegen habe ich extra den Dienstag für Berlin gewählt. Aber da wird durchaus mal ein Donnerstag draufgehen.

Haben Sie denn selbst Tiere?
Tiedemann: Momentan nicht. Dafür hätte ich einfach keine Zeit, ich könnte ihnen nicht gerecht werden. Ich gehe morgens früh aus dem Haus und komme meist erst nachts irgendwann wieder, gerade wenn ich auf Tour bin und aus Berlin zurückkomme, ist es meist 23 Uhr. Wenn ich bedenke, wie oft ich in den letzten Monaten im Hotel übernachtet habe, da wären Haustiere gar nicht denkbar. Meine Frau ist ja auch voll berufstätig, sie macht Politik auf Kreisebene, also wer sollte sich da um die Tiere kümmern?

Sie haben Ihre Tiere ja auch hier in der Praxis. Gibt es da besonders angenehme Patienten, und welche behandeln Sie überhaupt?
Tiedemann: Da wir eine Kleintierpraxis sind, geht es beim Hamster los bis hin zum großen Hund. Ich persönlich mag alle Tiere. Klar gibt es Tiere, die sehr angenehm und freundlich dem Tierarzt gegenüber sind und andere eher nicht so. Die fühlen sich dann bedroht, beißen auch mal um sich. Zum Anfang meiner Laufbahn, vor 30 Jahren etwa, wurde ich häufig gebissen, weil man da auch die Mimik und die Reaktion der Tiere noch nicht so kennt. Inzwischen kommt es nur noch selten vor, dann, wenn man mal nicht aufpasst.