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Bernd Passier von der Agentur für Arbeit (l.), Susanne Twesten von der Stadt Lüneburg und AV-Hauptgeschäftsführer Bernd Wiechel infomierten gestern über die rechtlichen Voraussetzungen zur Integration von Flüchtlingen im deutschen Arbeitsmarkt. Foto: be
Bernd Passier von der Agentur für Arbeit (l.), Susanne Twesten von der Stadt Lüneburg und AV-Hauptgeschäftsführer Bernd Wiechel infomierten gestern über die rechtlichen Voraussetzungen zur Integration von Flüchtlingen im deutschen Arbeitsmarkt. Foto: be

„Nicht Pegida das Feld überlassen“

kre Lüneburg. Das Interesse an der Veranstaltung war riesig. Der Anspruch, den Bernd Wiechel in seinen einleitenden Worten formulierte, war es auch: „Statt Pegida und Co. das Feld zu überlassen, sollten wir uns als Arbeitgeber unserer gesellschaftlichen Verantwortung bewusst sein und ein Zeichen setzen“, forderte der Hauptgeschäftsführer des Arbeitgeberverbandes Lüneburg Nordostniedersachsen (AV). Das Forum in der Aula der Rudolf-Steiner-Schule hatte kaum begonnen, da gab‘s schon den ersten Applaus der mehr als 140 Zuhörer – Unternehmer und Personalverantwortliche.

Wann dürfen Flüchtlinge eine Arbeit aufnehmen, was ist bei der Ausbildung zu beachten und welcher Arbeitsmarktzugang besteht bei welchem Status? Fragen über Fragen, die auch Bernd Passier von der Lüneburger Agentur für Arbeit, seine Kollegin Angelika Brauer vom Jobcenter und Susanne Twesten von der Ausländerbehörde zu beantworten versuchten.

Aufmerksame Zuhörerinnen waren unter anderem Kerstin Gasper von der Bauck GmbH aus Rosche und Esther Maire von der Corrils GmbH aus Bergen. Beides Unternehmen, die auch gerne Flüchtlinge in ihren Unternehmen beschäftigen würden. „Weil es in unserer Region schwer ist, genügend Fachkräfte zu finden“, sagt Esther Maire, kaufmännische Leiterin des 140 Mitarbeiter zählenden Metallbau-Betriebes. Auch Ausbildungsplätze könnte sie anbieten, genauso wie ihre Kollegin Kerstin Gasper. „Das ist nicht nur eine Chance für die Flüchtlinge, sondern auch für die Betriebe und die Gesellschaft insgesamt“, ist Gasper überzeugt.

Die überwiegende Anzahl der Asylbewerber in der Region sind Passiers Worten im Jobcenter gemeldet, nämlich 1269, 353 von ihnen verfügten über Deutschkenntnisse. Allerdings gelte in den ersten drei Monaten für Asylsuchende mit Aufenthaltsgestattung und geduldete Personen ein generelles Beschäftigungsverbot. Die Vorrangprüfung dauere 12 Monate, ab 15 Monaten gebe es grünes Licht für den Arbeitsmarktzugang.

Doch keine Regel ohne Ausnahmen, auch in Deutschland nicht: In der Leiharbeit dürften ausländische Facharbeiter schon nach drei Monaten beschäftigt werden, Geringqualifizierte aber erst nach 15 Monaten.

Auch wenn viele Flüchtlinge laut Passier ihre Lehre noch vorzeitig abbrechen wie in Oberbayern, legte der Agentur-Chef als letzte Folie seines Vortrags ein Foto der Kanzlerin auf – mit dem Slogan: ,,Wir schaffen das!“