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In einem Stück Privatforst könnte bei Diersbüttel ein Bestattungswald entstehen. In der Nachbarschaft wird ein Windpark geplant. Beides ist auch Thema im nächsten Bauausschuss der Samtgemeinde Amelinghausen. Karte: google/hm
In einem Stück Privatforst könnte bei Diersbüttel ein Bestattungswald entstehen. In der Nachbarschaft wird ein Windpark geplant. Beides ist auch Thema im nächsten Bauausschuss der Samtgemeinde Amelinghausen. Karte: google/hm

Der nächste Bestattungswald?

dth Diersbüttel. Die Idee für einen Bestattungswald in der Samtgemeinde Amelinghausen nimmt erste Konturen an. „Es gibt noch keinen Beschluss, und wir haben bisher nur erste Sondierungsgespräche geführt“, hält Samtgemeindebürgermeister Helmut Völker den Ball flach im Vorfeld einer geplanten Info-Veranstaltung. Im Gespräch ist für die letzte Ruhe im Forst eine rund zehn Hektar große Fläche Privatwald im Landschaftsschutzgebiet bei Neu Diersbüttel, einem Ortsteil der Gemeinde Rehlingen.

Die SPD-Fraktion im Samtgemeinderat Amelinghausen hatte Ende 2013 den Anstoß gegeben, Planungen für einen Amelinghausener Bestattungswald anzugehen. Seinerzeit war in der benachbarten Samtgemeinde Gellersen die Debatte ebenfalls um einen geeigneten Standort für einen Bestattungswald hochgekocht. Das Gellerser Projekt ist von der Kommune beschlossen, wird nun aber vom Naturschutzbund (Nabu) kritisiert (siehe Infokasten). Jetzt wollen die Amelinghausener nachziehen.

„Wir wissen, dass viele Menschen dieses neue Bestattungsmodell wählen, der Bedarf einer Weiterentwicklung ist eindeutig“, sagt Amelinghausens Samtgemeindebürgermeister Helmut Völker. Die infrage kommende Fläche für den Bestattungswald Diersbüttel liegt sowohl im Landschaftsschutzgebiet als auch teilweise im Wasserschutzgebiet. Völker sagt: „Wir haben das in Vorgesprächen mit der Unteren Naturschutzbehörde abgeprüft und ein Bestattungswald wäre dort grundsätzlich machbar.“ In unmittelbarer Nähe zur möglichen letzten Ruhe im Forst laufen zudem die Planungen für den „Windpark Tellmer/Diersbüttel“ mit vier rund 200 Meter hohen Windkraftanlagen. Auch dazu sagt Völker: „Wir sehen da keinen Konflikt.“

Fast zwei Jahre sind seit der ersten Diskussion im Samtgemeinderat vergangen bis das Projekt nun langsam Gestalt annimmt. Völker sagt: „Die Sondierung für eine geeignete Fläche lief eher nebenbei. Irgendwann kam der Grundeigentümer auf die Samtgemeinde zu.“ Die Naturwaldfläche sei gut zu erschließen. Die in Rede stehenden zehn Hektar sollen aber nicht auf einen Schlag als Bestattungswald hergerichtet, sondern schrittweise entwickelt werden, unter Trägerschaft der Samtgemeinde. Als möglicher Betreiber im Gepräch ist die RuheForst GmbH, Partner der Landwirtschaftskammer Niedersachsen — wie einst beim zunächst gescheiterten Bestattungswald-Projekt in Heiligenthal in der Samtgemeinde Gellersen. Dort will die Kommune das Projekt nun in Eigenregie umsetzen.

Laut Völker habe es in Amelinghausen bisher erste Orientierungsgespräche gegeben mit den anderen Trägern der örtlichen Friedhöfe sowie der Gemeinde Rehlingen. Rehlingens Bürgermeister Rainer Mühlhausen (UWR) sagt: „Wir haben in der Gemeinde darüber beraten und würden die Einrichtung eines Bestattungswaldes grundsätzlich begrüßen.“ Noch aber sind viele Fragen offen.

Bevor konkrete Planungen eingeleitet werden und Grundsatzbeschlüsse der politischen Gremien vorbereitet werden, lädt die Samtgemeinde Amelinghausen gemeinsam mit Grundstückseigentümern und Landwirtschaftskammer zu einer Informationsveranstaltung ein, um das Bestattungswaldkonzept vorzustellen: Am Montag, 16. November, um 19 Uhr im Kultursaal des Rathauses Amelinghausen (Lüneburger Straße 50).

Der Bestattungswald ist auch Thema der öffentlichen Sitzung des Bau-, Planungs- und Umweltausschusses der Samtgemeinde am Dienstag, 17. November, um 19 Uhr ebenfalls im Kultursaal. Bei der Sitzung wird zudem die Flächennutzungsplan-Änderung zur Regelung der geplanten Windparks weiter beraten. Zudem ist eine Aussprache zum Abschlussdokument des Dialogforums Schiene Nord geplant. Gleichwohl hat Bürgermeister Völker entgegen seiner Ankündigung das Forums-Papier zur Alpha-Variante doch schon unterzeichnet.

Nabu kritisiert Gellerser Standort

Sowohl die Samtgemeinde Gellersen als auch die Gemeinde Südergellersen als Flächeneigentümerin hatten im Sommer grünes Licht gegeben, um beim Naherholungsgebiet Hambörn einen Bestattungswald einzurichten. Der erste Anlauf für einen zehn Hektar großen Bestattungswald bei Heiligenthal war nicht zuletzt am Widerstand der Anwohner gescheitert. Doch auch am gefundenen Kompromiss mit einer Waldfläche von 1,1 Hektar regt sich Kritik: Anlass ist ein Antrag der Samtgemeinde bei der Unteren Naturschutzbehörde. Sie möchte eine Befreiung von den Regeln des Landschaftsschutzgebiets (LSG). In einer Stellungnahme wendet sich Jörg-Dietrich Kaufmann im Namen der Kreisgruppe Lüneburg im Naturschutzbund (Nabu) gegen das Vorhaben.

Samtgemeindebürgermeister Josef Röttgers sagt: „Unser Antrag auf Befreiung vom LSG bezieht sich auf zwei Punkte: Auf die Errichtung eines liegenden Holzkreuzes und die Errichtung einer Holzbankgruppe. Aus unserer Sicht ist Holz ein Material, das durchaus in den Wald passt …“ Doch der Nabu kritisiert den Standort in Gänze und „empfiehlt dringend, das zweite für geeignet befundene Waldgebiet zwischen Neu-Vögelsen und dem Gut Brockwinkel dafür vorzusehen, da dieses Gebiet (…) nicht in einem Landschaftsschutzgebiet liegt“. Der Nabu wendet sich gegen die „Inanspruchnahme eines historisch alten Waldstandortes“ und sieht auch einen Widerspruch zur „Urwald-Zelle“, wo der Wald sich selbst überlassen werden soll.

Röttgers sagt: „Wir hatten zuletzt drei Standorte unserer Politik vorgeschlagen und alle Vor- und Nachteile in einer Nutzwertanalyse beschrieben. Mehrheitlich ist der Standort Hambörn beschlossen worden.“ Der Befreiungsantrag liegt dem Landkreis zur Prüfung vor, bestätigt Kreis-Sprecherin Elena Bartels: „Wir setzen uns damit sowie mit dem Vortrag des Nabu kritisch auseinander und werden zeitnah eine Entscheidung treffen.“ dth