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Auf dem Podium diskutieren (v.l.) Hans-Peter Subel, Alexander Frevel, Andrea Schröder-Ehlers, Moderator Dr. Ludger Vielemeier, Welf Schröter und Christoph Meinecke das Thema Wie die Digitalisierung unsere Arbeitswelt verändert. Foto: tt
Auf dem Podium diskutieren (v.l.) Hans-Peter Subel, Alexander Frevel, Andrea Schröder-Ehlers, Moderator Dr. Ludger Vielemeier, Welf Schröter und Christoph Meinecke das Thema Wie die Digitalisierung unsere Arbeitswelt verändert. Foto: tt

Wie die Digitalisierung unsere Arbeitswelt verändert

tt Lüneburg. „Der Betrieb, wie wir ihn kennen, bröckelt“, sagt Welf Schröter und guckt mit ernster Miene in den Zuhörer-Raum. Der Leiter des Forums „Soziale Technikgestaltung“ beim DGB-Bezirk Baden-Württemberg war jetzt Gast einer Podiumsdiskussion im Hotel Bergström. Auf Einladung der Friedrich-Ebert-Stiftung diskutierten in der Reihe „Lüneburger Gespräche“ verschiedene Gäste vor mehr als 70 Zuhörern das Thema Arbeit 4.0 und die Frage „Wie die Digitalisierung unsere Arbeitswelt verändert“.

Schröter sieht dabei eine zunehmende Flexibilisierung. „Früher hatte Arbeit einen Ort, Zeit und eine Verfasstheit.“ Jetzt habe man es durch die Digitalisierung mit neuen Gegebenheiten zu tun: „Mit allerlei technischen Mitteln kann heute sowohl die Zeit als auch der Ort und die Verfasstheit flexibilisiert werden. Dadurch entstehen vollkommen neue Infrastrukturen der Arbeit.“ Arbeit sei leicht aus dem Betrieb herausnehmbar, was schon vielerorts praktiziert werde.

Ein weiterer wichtiger Punkt der Digitalisierung sei der Arbeitnehmerdatenschutz. Zwar gebe es auch heute bereits Daten über Arbeitnehmer, diese seien jedoch von ihnen aktiv preisgegebene. Mit der Digitalisierung entstünden zunehmend „indirekte Daten“, beispielsweise durch intelligente Kleidung oder digitale Brillen. Diese gelte es zu anonymisieren und zu verschlüsseln. Schröters Forderung: „Wir müssen den Arbeitnehmerdatenschutz zu einem Identitätsschutz erweitern.“

Dass die Digitalisierung Ängste bei Arbeitnehmern mit sich bringe, war Konsens unter den Diskutanten. Laut Alexander Frevel, Berater zur Arbeitsfähigkeit im demografischen Wandel, entstehen die Befürchtungen, weil „man nicht weiß, was kommt.“ Technik sei etwas Unkonkretes, daher brauche es Gestaltungsansätze für sie. Seine These: „Arbeit und Technik muss dem Menschen dienen — nicht andersherum.“

Die SPD-Landtagsabgeordnete Andrea Schröder-Ehlers sieht zwar die fortschreitende Digitalisierung, warnte aber davor, „soziale Sicherungsnetze bei der fortschreitenden Digitalisierung außer Acht zu lassen“. Auch die SPD gucke sich den Prozess sehr gespannt an und habe mit einem Grünbuch des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales bereits eine breite Diskussion zu dem Thema angestoßen. „In diesem Zuge ist die frühe Bildung besonders wichtig“, erklärt die Politikerin.

Eine These, die IT-Unternehmer Hans-Peter Subel unterstützt und noch weiter zuspitzt: „Wir haben das Thema Informatik in Grundschulen schlichtweg verschlafen und dadurch heute einen massiven Handlungsbedarf“, meint der Lüneburger. „Wir müssen eine positive Grundstimmung in den Schulen schaffen. So wie ich damals Rechnen, Schreiben und Lesen gelernt habe, muss Googeln oder Grundlagen der Informatik von vornherein mit in den Lehrplan“, schlägt er vor. Andrea Schröder-Ehlers erwidert, dass es gerade in der jüngsten Vergangenheit zahlreiche Beschlüsse zur Stärkung der MINT-Fächer gegeben habe. „Man muss jedoch erkennen, dass nicht jeder ein Technik-Experte wird und unsere Gesellschaft sehr breit aufgestellt ist.“

Diese Tendenz sieht auch Christoph Meinecke, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der Unternehmerverbände Niedersachsen, in seiner täglichen Arbeit. Doch: der digitale Wandel gehe an keinem Berufsfeld vorbei, sogar Hufschmiede könnten bald auf digitale Hilfen zurückgreifen. Die Berufsfelder würden sich daher verändern: „Einfache Routinetätigkeiten werden verschwinden, komplexere und kreative Tätigkeiten bleiben bestehen.“ Deutschland werde zwar nicht so sehr leiden, da es hierzulande schon viele komplexe Tätigkeiten gebe, „aber auch in unserer Arbeitswelt wird es große Veränderungen geben.“

Eine Aussage, die alle Gäste auf dem Podium unterstützen können: Die Revolution der bröckelnden Betriebe wird kommen. Es gelte nun zu lernen, richtig damit umzugehen.