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Windkraft-Pläne
Windkraft-Pläne: Die Befürworter der Windkraft in der Elbmarsch wollen ihre Pläne noch lange nicht zu den Akten legen. Foto: A/t&w

Stehen die Windkraft-Pläne in der Elbmarsch vor dem Aus?

pet Tespe. Der tiefe Riss geht mitten durch die Gemeinde: Engagierte Befürworter von Windkraftanlagen in Tespe auf der einen Seite, überzeugte Gegner der Technologie für die Elbmarsch auf der anderen. Steht jetzt der mögliche Bau eines halben Dutzends Anlagen mit einer geplanten Höhe von etwa 200 Metern vor dem endgültigen Aus? Jetzt hat die 2. öffentliche Auslegung des „Regionalen Raumordnungsprogramms 2025“ für den Landkreis Harburg begonnen — und in der sind die bisher dort vorgesehenen Anlagen im Dreieck zwischen Tespe, Bütlingen und Avendort nicht mehr enthalten.

Vielmehr noch sind die zwei Areale, die von ursprünglich drei Flächen in der Gemeinde Tespe noch übriggeblieben waren, ausdrücklich gestrichen: „VRG (Vorranggebiet) EL 16/17 entfällt“ heißt es lapidar unter „Wesentliche Änderungen im 2. Entwurf des RROP 2025 für den Landkreis 2025 für den Landkreis Harburg“. Eine Entwicklung, die Gegner der Windkraft in der Elbmarsch jubeln lässt, die von den Befürwortern aber noch längst nicht als Aus akzeptiert wird (siehe Text unten).

Johannes Freudewald, Pressesprecher des zuständigen Landkreises Harburg, der mithilfe des RROP den Bau von Windkraftanlagen steuern will, bestätigt das Fehlen der Tesper Flächen im Entwurf für die 2. Auslegung. Avifaunistische, also vogelkundliche, Gutachten, die das Vorkommen gefährdeter Vogelarten in der Region bestätigen, hätten dazu geführt, die Flächen aus der Planung zu nehmen.

Ob die Streichung der Flächen aus juristischer Sicht „wasserdicht“ ist, werde zurzeit noch in einem Rechtsgutachten geprüft. „Wir erwarten, dass das Gutachten Ende Januar kommenden Jahres vorliegt“, so Freudewald.

In verschiedenen Rats-, Ausschuss- und Informationsveranstaltungen hatten sich Befürworter und Gegner der Windkraft in Tespe in den vergangenen eineinhalb Jahren gegenübergestanden. Rolf Roth SPD), Bürgermeister der Samtgemeinde Elbmarsch, erklärte vor einem Jahr: „Es tut mir leid, das es eine Spaltung in Tespe und Avendorf unter Windkraftbefürwortern und -gegnern gegeben hat. Was mir aber noch viel mehr Sorgen macht, sind die vielen Diffamierungen und persönlichen Angriffe, die nicht nur mir widerfahren sind.“

Vehement für den Bau von Windkraftanlagen in der Elbmarsch setzt sich seit zwei Jahren die „Bürgerwind Samtgemeinde Elbmarsch GmbH & Co. KG“ ein, der 51 Gesellschafter beigetreten waren, die in mehreren Tranchen jeweils 10000 Euro für die Planungen zur Verfügung stellen. Die Argumente der Gegner von Windkraftanlagen in der Elbmarsch sammelte die im Sommer 2014 gegründete „Bürgerinitiative Windpark Tespe“. Beide Seiten organisierten Unterschriftenlisten für ihr jeweiliges Anliegen. Vor allem im fraglichen Gebiet gesichtete — und geschützte — Rotmilane machten den Windkraftgegnern Hoffnung.

Als es im September 2014 im Rat der Samtgemeinde Elbmarsch darum ging, eine Stellungnahme zum 1. Entwurf des RROP abzugeben, in dem die Tesper Flächen enthalten waren, verzichtete die große Mehrheit darauf, allein Ulf Riek (Freie Wähler) sprach sich in einem Antrag dafür aus, die vorgesehene Flächen „als Vorrangflächen für Windenergie“ abzulehnen — ohne Erfolg.

Kritisch hatte sich auch der Landkreis Lüneburg über die möglichen Windkraftflächen in der Gemeinde Tespe geäußert. Mit Besorgnis waren die Planungen auch in den Nachbargemeinden beobachtet worden. Sowohl der Samtgemeinderat Scharnebeck als auch der Artlenburger Rat sprachen sich gegen die Planungen in der vorliegenden Form aus, forderten zumindest größere Abstände zu vorhandenen Wohnbebauungen. Auch die Verantwortlichen der Gemeinde Barum blickten argwöhnisch auf die Planungen für Tespe. Unter anderem sorgten sich die Kommunalpolitiker um den Naherholungswert des Barumer Sees.

Kritische Stimmen

Die Befürworter der Windkraft in der Elbmarsch wollen ihre Pläne noch lange nicht zu den Akten legen und aufgeben, erklärt Günther Bock von der Bürgerwind Samtgemeinde Elbmarsch. „Schon in der Sitzung des Bauausschusses des Harburger Kreistag haben wir unsere Bedenken bezüglich der Interpretation der vorliegenden avifaunistischen Gutachen seitens des Landkreises geäußert“, so Bock.

Bock erwartet zahlreiche Einsprüche gegen den 2. Entwurf des Regionalen Raumordnungsprogramms, auch von den rund 650 Unterzeichnern, die ihre Unterstützung für das Projekt Windkraft durch ihre Beteiligung an einer Unterschriftenliste erklärt hatten. Günther Bock geht von einer 3. Auslegung des RROP aus. Danach stehe immer noch der Weg vor das Verwaltungsgericht offen.

Rolf Roth (SPD), Bürgermeister der Samtgemeinde Elbmarsch, ist alles anders als glücklich über die Herausnahme der Tesper Flächen aus dem Regionalen Raumordnungsprogramm. „Ich glaube, dass der Samtgemeinderat in seinem Beschluss deutlich gemacht hat, was er will.“ Jahrzehntelang habe man unter dem Atomkraftwerk Krümmel am anderen Elbufer gelitten, deshalb könne er die Entscheidung gegen Windkraft in der Elbmarsch nicht nachvollziehen.

„Irgenwoher muss doch die Energie kommen. Windkraft ist prädestiniert, diese Energie zu liefern.“ Die Elbmarsch sei auf Grund der hohen „Windhöffigkeit“ besonders geeignet, diese Energie zu liefern. Voraussichtlich am 3. Dezember werde das Thema Windkraft im Bauausschuss der Samtgemeinde diskutiert. Es bleibe abzuwarten, welche Stellungnahme die Samtgemeinde zur neuen Entwicklung abgibt. pet