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Zur Mitgliederversammlung hatte die Lebenshilfe Landesverband Niedersachsen nach Lüneburg eingeladen: (v.l.) Landesvorsitzender Franz Haverkamp, Kultusministerin Frauke Heiligenstadt, Landesgeschäftsführer Holger Stolz und der Geschäftsführer der Lebenshilfe Lüneburg-Harburg, Ernst-Albrecht von Moreau. Inklusion war auch ein Thema bei der Mitgliederversammlung. Foto: lig
Zur Mitgliederversammlung hatte die Lebenshilfe Landesverband Niedersachsen nach Lüneburg eingeladen: (v.l.) Landesvorsitzender Franz Haverkamp, Kultusministerin Frauke Heiligenstadt, Landesgeschäftsführer Holger Stolz und der Geschäftsführer der Lebenshilfe Lüneburg-Harburg, Ernst-Albrecht von Moreau. Inklusion war auch ein Thema bei der Mitgliederversammlung. Foto: lig

Inklusion geht nur mit Hilfe

lig Lüneburg. Prominenter Besuch bei der Lebenshilfe: Kultusministerin Frauke Heiligenstadt war jetzt zu Gast in den Räumen am Vrestorfer Weg. Anlass war die Mitgliederversammlung des Lebenshilfe Landesverbands Niedersachsen. Ihr gehören 115 Mitglieds­organisationen an. Die Lebenshilfe ist Elternvereinigung, Fachverband und Trägerin von Einrichtungen für Menschen mit geistiger Behinderung.

Die Ministerin äußerte sich vor rund 100 Gästen unter anderem zum Kindertagesstättengesetz und den Auswirkungen der Reform des Schulgesetzes auf die Inklusion von Schülern mit dem Förderschwerpunkt „geistige Behinderung“. Als Erfolge im Bereich der frühkindlichen Bildung verbuchte sie speziell die Aufstockung von Fachkräften in Krippen. Hier sollen sich die Landesmittel von bisher 38,8 Millionen Euro zudem bis 2021 auf voraussichtlich mehr als 140 Millionen Euro pro Jahr erhöhen.

Ein Kernthema ihres Vortrags war die „Inklusion“. Sie erinnerte daran, dass im März 2009 in Deutschland nach der Zustimmung durch Bundestag und Bundesrat das Übereinkommen der Vereinten Nationen über die Rechte von Menschen mit Behinderungen in Kraft trat. Schwerpunkt dabei sind Kinder und ihre Bildung. Die Ministerin führte aus, dass auch Niedersachsen sich eine aktive Teilhabe von Kindern mit Behinderung an der Gesellschaft wünsche, wozu die frühkindliche Bildung gehöre. Danach habe jedes Kind ab dem vollendeten 1. Lebensjahr bis zur Vollendung des 3. Lebensjahres einen Rechtsanspruch auf einen Platz in einer Krippe oder in der Kindertagespflege und ab dem vollendeten 3. Lebensjahr bis zum Schulantritt Anspruch auf Förderung in einem Kindergarten. Diese Regelung sehe ebenso die Teilhabe von Kindern mit Behinderungen in Kindertagesstätten vor. Dies geschehe in Niedersachsen in sogenannten „integrativen Gruppen“, in denen Kinder mit und ohne Behinderung gemeinsam gefördert werden.

Ziel der „Inklusion“ sei es, irgendwann allen Kindern, gleich welchen Geschlechts, sozialer Zugehörigkeit, ethischer Herkunft oder Religion, Teilhabe an allen Bildungsangeboten zu ermöglichen. „Ich kann Ihnen ehrlicherweise nicht sagen, wann wir dieses Ziel zeitlich erreichen werden“, gab die Ministerin zu. Klar sei aber, dass ohne Hilfe des Bundes das Land die Kosten der Inklusion und der Standardverbesserungen im frühkindlichen Bereich allein nicht tragen könne.

Was den schulischen Bereich angeht, so würden in Niedersachsen seit dem Start der Inklusion immer mehr Eltern den Rechtsanspruch für ihre Kinder wahrnehmen. Das Land stelle bis 2019 für die inklusive Schule rund 1,5 Milliarden Euro zur Verfügung — „gut angelegtes Geld“, wie sie betont.

Von Seiten der Lebenshilfe forderte der Landesvorsitzende Franz Haverkamp eine flächendeckende heilpädagogische Grundversorgung. Abschließend wies Landesgeschäftsführer Holger Stolz auf die im Juni 2016 in Hannover stattfindenden nationalen Spiele der „Special Olympics“ für Menschen mit geistiger Behinderung hin und lud ein, sich in einem Helferteam zu beteiligen.