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Der Waldhof Böhmsholz hat eine Zukunft, zudem sollen Flüchtlinge in den Saal neben dem Lokal ziehen. Foto: t&w
Der Waldhof Böhmsholz hat eine Zukunft, zudem sollen Flüchtlinge in den Saal neben dem Lokal ziehen. Foto: t&w

80 Flüchtlinge nach Böhmsholz

ca Lüneburg. Auch das Schullandheim Böhmsholz wird zur Flüchtlingsunterkunft. Voraussichtlich Anfang Dezember möchte die Stadt dort bis zu 80 Personen unterbringen. Das bestätigte Stadtsprecherin Suzanne Moenck gestern. Dafür will man im Rathaus unter anderem auch den Saal des Lokals mitnutzen. Nach LZ-Informationen hat Dezernentin Pia Steinrücke mit den Eigentümern einen Mietvertrag über fünf Jahre geschlossen. In einer Erklärung der Verwaltung ist von wenigen Jahren die Rede.

Foto: t&w
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Wie berichtet, hatte der damalige Eigentümer des traditionsreichen Waldhofs vor gut einem Jahr Insolvenz anmelden müssen. Nach langen Verhandlungen wurde nun eine Lösung in der Familie gefunden. Eckhardt Schmidt, Bruder des bisherigen Betreibers, und seine Frau Gabriela haben das Anwesen übernommen. Für die Gastronomie wurde ein Pächter gefunden (siehe Kasten).

Böhmsholz als einzigartiges Ausflugsziel

„Böhmsholz ist ein einzigartiges Ausflugsziel für die Region. Umgekehrt waren wir hier schon immer ein offenes Haus, schon nach dem Zweiten Weltkrieg haben wir hier Flüchtlingen ein Dach über dem Kopf geboten“, sagt Schmidt. Die Vermietung des Schullandheims an die Stadt kommt Schmidt gelegen, um ein langfristiges Konzept für das Ensemble zu entwickeln. Denn das Heim soll später wieder für Gruppen als Quartier dienen. Genau daran hatte es gehapert.

Der damalige Insolvenzverwalter Florian Roemer hatte vor Monaten zur Problemlage gegenüber der LZ erklärt: Zum einen leide das Schullandheim an geringer Auslastung. Der Betreiber habe das auf mangelnde Nachfrage vor allem aus Hamburg zurückgeführt. Drückend lägen die Energiekosten auf den Immobilien. Die Häuser seien alt und schlecht isoliert. Zudem nutze man für die Gaststätte nicht das Potenzial der Umgebung: „Die Lage ist einmalig und eigentlich für Hotel- und Gaststättenbetrieb geeignet.“

Für die Stadt sagt Sozialdezernentin Steinrücke: Für den ersten Betrieb stehe in Böhmsholz erst einmal alles bereit. Die Zimmer in den zwei in Frage kommenden Gebäuden seien ausgestattet, Mobiliar, Bettzeug und Schränke sind vorhanden, ebenso Bäder. „Zurzeit sprechen wir noch über die Versorgungsmöglichkeiten für die ersten Tage beziehungsweise ob es möglich ist, Küchen einzurichten, damit die Flüchtlinge sich wie in unseren übrigen Gemeinschaftsunterkünften selbst versorgen können.“

Laut Verwaltung begrüßt auch ein Nachbar die neuen Nachbarn. Neben dem Anwesen ist der Waldkindergarten Fantasio der Lebenshilfe zu Hause. Die Lebenshilfe habe in Gesprächen mit der Stadt positiv reagiert. Pia Steinrücke glaubt an eine „integrative Begegnungsstätte für Flüchtlinge und Einheimische“. Überdies sei man auch mit der Gemeinde Reppenstedt in Kontakt, nicht nur wegen Einkaufsmöglichkeiten, sondern auch wegen eines möglichen Besuchs von Kindergärten und Schule.

Böhmsholz gehört zu Oedeme. Ortsbürgermeisterin Christel John fühlt sich von der Stadt zwar spät informiert, hält den Waldhof aber als Unterkunft für geeignet: „Die Räume stehen ja leer.“ Die Ortsbürgermeisterin betont aber auch, dass Oedeme mit seinen rund 5000 Einwohnern kein weiteres Heim mehr vertrage. Oedeme trage einen hohen Anteil der Flüchtlinge, nämlich umgerechnet auf die Einwohnerzahl rund 6,8 Prozent der Bevölkerung, das sei mehr als doppelt so viel wie in anderen Stadtteilen.

Kutsche und Kneipe

Böhmsholz ist für Generationen von Lüneburgern ein beliebtes Ausflugslokal. Allerdings ist das Lokal in die Jahre gekommen. Als neuer Wirt wagt Jens Bußmann nun einen Neustart. Bußmann ist als Kutscher bekannt, regelmäßig fährt er mit seinem gelben Planwagen Touristen durch die Stadt.

Seine Pferde und Kutschen hat er in Böhmsholz untergestellt. Er möchte die Ausflugsfahrten und das Lokal quasi verbinden: Wer von einer Ausfahrt zurückkehrt, kann auf Kaffee und Kuchen bleiben. Zudem möchte er an Wochenenden auf Livemusik setzen.

Bußmann setzt auf ein verändertes Angebot in der Küche und neue Öffnungszeiten. Er denkt auch an Umbauten. So soll ein kleiner, neuer Saal entstehen, denn der große werde für Flüchtlinge benötigt. „Das machen wir im laufenden Geschäft“, sagt Bußmann. Kurz gefasst soll das Lokal trotz aller Tradition frischer daherkommen. Eine Änderung habe er bereits umgesetzt: Ein neuer Koch ist nun für die Gäste da.