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LZplay-Redakteurin Anke Dankers an ihrem Arbeitsplatz. Für die Multimedia-Reportage über posttraumatische Belastungsstörungen (PTBS) hat sie in Berlin nun den Reportagepreis für junge Journalisten erhalten. Foto: t&w
LZplay-Redakteurin Anke Dankers an ihrem Arbeitsplatz. Für die Multimedia-Reportage über posttraumatische Belastungsstörungen (PTBS) hat sie in Berlin nun den Reportagepreis für junge Journalisten erhalten. Foto: t&w

Journalistenpreis für LZplay-Redakteurin

jj Lüneburg. Der Krieg hatte sich im Kopf eingenistet. Er ließ Hauptfeldwebel Uwe Heiland nicht los, keinen Tag, keine Nacht. Der Lüneburger Afghanistan-Veteran litt an der Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS). Die LZ druckte seine Geschichte im Sommer und parallel dazu komponierte LZplay-Redakteurin Anke Dankers die Multimedia-Story „Die Qual der Erinnerung“ über Heiland mit Texten, Bildern, Videos und Audios für LZonline. Am Freitagabend wurde diese Arbeit belohnt. In Berlin erhielt sie beim „Reportagepreis für junge Journalisten“ des Netzwerkes JungeJournalisten.de, der Heinrich-Böll-Stiftung und Zeit online den 3. Preis. 

PTBS im Fokus: Journalistenpreis für „Die Qual der Erinnerung“

Das Bild führt zur Multimedia-Reportage "Die Qual der Erinnerung". Foto: Ina Schoenenburg
Klicken Sie auf das Bild um zur Multimedia-Reportage „Die Qual der Erinnerung“ zu gelangen. Foto: Ina Schoenenburg
In ihrer Laudatio sagte Maria Exner, Mitglied dn ihrer Laudatio sagte Maria Exner, Mitglied der Chefredaktion von Zeit online: „Anke Dankers erzählt ihre Multimedia-Reportage ‚Die Qual der Erinnerung‘ angenehm unaufgeregt, trotz des schwierigen Themas der Posttraumatischen Belastungsstörungen bei Bundeswehrsoldaten.“ Als Grund für den Preis heißt es weiter: Sie finde Zugang zu ihrem Protagonisten, und der habe Vertrauen zur Reporterin gefasst. „Trotz der schwierigen Situation spricht er sehr offen aus, dass er Suizid begangen hätte, wäre sein Hund nicht gewesen.“ 

Dankers widme sich damit eindringlich einem gesellschaftlichen Tabuthema und schaffe eine Öffentlichkeit. „Anke Dankers nimmt sich Zeit für ihren Protagonisten – gerade im verdichteten lokalen Arbeitsalltag eine tolle Leistung.“

Projekt: multimediales Erzählen

Es war für die 26-Jährige das erste „Pageflow“-Projekt, benannt nach dem System, mit dem die Reportage aus verschiedenen Elementen komponiert wird: „Das Projekt entwickelte sich Stück für Stück, durch viel Ausprobieren. Ich freue mich deshalb sehr über den Preis.“ Dabei hat die Redakteurin schon während ihres LZ-Volontariats mit einfachen Mitteln, aber viel Ehrgeiz eine beachtliche Online-Geschichte über die „Lüner Straße“ mit Grafiken, interaktivem Rätsel, Videos und mehr erzählt.

Und so geht sie an die Arbeit: „Um über aktuelle Themen und Videos der Region auf dem Laufenden zu sein, suche ich regelmäßig zum Beispiel bei Youtube nach neuen Videos mit Lüneburg-Bezug. So stieß ich auch auf ein Interview mit Uwe Heiland. Er sprach mit einer Offenheit über seine Erkrankung, die mich faszinierte. Ich begann meine Recherche zum Thema PTBS und nahm Kontakt zu Herrn Heiland auf.“

Die Herausforderung sei es, das Puzzle aus Text, Video, Bild und Audio zu einer Reportage zu verknüpfen, die einen roten Faden habe und in der sich im Video oder Audio nicht nur wiederhole, was man bereits gelesen habe.

Der erste Platz ging an Nora Burgard-Arp für eine Reportage über Magersucht, der zweite an Mariel Müller, Alexandra Reinsberg und Elisabeth Winter für eine Geschichte über Patenschaften zwischen Flüchtlingen und Deutschen.

 

 

 

 

 

2 Kommentare

  1. Ich habe mir die Reportage angesehen, bzw. sie gelesen . Sie hat mich beeindruckt. Sehr sachlich und dennoch emotional. Es wäre unangemessen auf Inhalte und die betroffene Person einzugehen.

    Mein hauptsächlicher Gedanke ging in Richtung der Politik. Dort werden derartige Schicksale bewusst verschwiegen. Im Gegenteil. es wird die Leistung der Truppe und der Soldaten gelobt ohne an die zu denken, die zwar nicht im Kampf gefallen sind, aber zumindest schwer verletzt wurden. Aber von diesen Soldaten soll die Öffentlichkeit möglichst wenig bis gar nicht informiert werden. Die Bundesregierung und das Parlament entscheiden nur ob und wie viele Soldaten in Krisengebiete geschickt werden. Und dann kommen anschließend „Erfolgsberichte“, obwohl kaum jemand einen Erfolg aus den Einsätzen erkennen kann. Bestes Beispiel Afghanistan. Aber das ist ein altes Spiel. Wir hatten es in der deutschen Geschichte genügend.

    Wie kalt können Politiker in allen Staaten dieser Erde nur sein, Menschen, Soldaten als Material zu betrachten. Sie schicken sie in Kriege. Aber nur wer überlebt und in den Augen der Politiker und Militärs eine kleine „Heldentat“ vollbracht hat bekommt vielleicht eine Anstecknadel dafür. Bravo! Und wer schwer verwundet wurde oder gefallen ist hat eben Pech gehabt.

  2. Liebe Frau Dankers,

    ich habe mir Ihre „multimediale Erzählung“ ebenfalls vortragen lassen und war sehr beeindruckt. Das Spiel mit den Formaten, das leicht ins Aufdringliche und Klischeehafte oder ins Überbordende und Langweilende verrutschen kann, haben Sie, beide Gefahren meidend, meisterhaft unangestrengt ausgeführt und zugleich bewiesen, dass solche mehrgleisigen dokumentarischen Darstellungen durchaus zu „diesen sehr ernsten Scherzen“ (Goethe / Kehlmann) werden können, die Übersehenes schlagartig ins Licht stellen und hohe Plausibilität und Eindringlichkeit erzeugen.

    Ich gratuliere zu der schönen und nicht ganz unbedeutenden Auszeichnung! Und auch Ihr Chefredakteur ist völlig zu Recht stolz auf eine so begabte, mutige und experimentierfreudige Mitarbeiterin wie Sie.

    An Hauptfeldwebel Uwe Heiland fällt auf, dass er über seine Erfahrungen und deren Folgen spricht, als schildere er einen Fremden. Er kann nicht „ich“ sagen. Ihnen gelingt es, durch die Wand eines Bollwerks hindurch die Umrisse einen leidenden Menschen sichtbar zu machen.

    Sie selbst, Frau Dankers, oder besser: Ihr journalistisches „Temperament“ und Ihre Herangehensweise erinnern mich stark an die begnadete Stilistin eleganter Kraft, an die Florettfechterin unter denen, die eigentlich „an Schlichtheit kaum noch zu übertreffen“ schienen, deren Ideal knackige Schlankheit und das „unverzitterte Adjektiv“ ist, nämlich an die großartige Autorin der wahrscheinlich besten deutschen Sozialreportagen der Nachkriegsgeschichte — an Marie-Luise Scherer.

    Wenn Sie nach einem weiteren Vorbild (neben Herrn Jenckel natürlich) suchen, welchem sich eine Weile anzuvertrauen und nachzueifern, nicht nur bereichert und erzieht, sondern zur denkend schreibenden Eigenständigkeit befreit, dann lesen Sie alles, was Sie von Marie-Luise Scherer in die Finger bekommen können. Vieles ist als PDF bei Spiegel-Online noch unentgeltlich zu haben.

    Mit herzlichen Grüßen

    Otto-Karl Susemelk