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Multimedia für das Klassenzimmer: Katharina Hickmann zeigt eine Spiele-App auf dem Tablet mit der es möglich ist, anhand eines Bildes dreidimensional zu sehen und zu arbeiten.  Foto: t&w
Multimedia für das Klassenzimmer: Katharina Hickmann zeigt eine Spiele-App auf dem Tablet mit der es möglich ist, anhand eines Bildes dreidimensional zu sehen und zu arbeiten. Foto: t&w

Multimedia im Unterricht gewünscht

ap Lüneburg. Für viele Jugendliche geht nichts mehr ohne Smartphone. Wo einst im Unterricht Zettelchen mit Botschaften ausgetauscht wurden, werden heute Whatsapp-Nachrichten heimlich unter dem Tisch verschickt. Und wenn die Dinger eh schon da sind, wa­rum sollte man sie nicht gleich sinnvoll im Unterricht nutzen? Das sieht auch Science on Stage Deutschland so, ein gemeinnütziger Verein, der es sich seit 2003 auf die Fahnen geschrieben hat, einen europaweiten Austausch zwischen Lehrern zu ermöglichen, die in den MINT-Fächern unterrichten. Jetzt stand das Thema im Zentrum einer Lehrerfortbildung an der Leuphana.

Multimedia als Teil des Unterrichtskonzepts

Gemeinsam werden unter dem Dach des Vereins Unterrichtskonzepte von Lehrern für Lehrer in Mathe, Informatik, Naturwissenschaft und Technik (MINT) entwickelt, das neueste Heft „iStage²“ befasst sich mit Smartphones im naturwissenschaftlichen Unterricht. Der Franzose Emmanuel Thibault ist Fachmann, er unterrichtet Physik und Chemie am Lycée Jacques de Vaucanson in Tours, etwa 200 Kilometer entfernt von Paris. An der Lüneburger Universität stellte er Inhalte des neuen Konzepts vor.
„Handys spiegeln das tatsächliche Leben wider“, sagt Thibault in gebrochenem Englisch. Schülern erscheinen Handys wie Spielzeuge, „sie merken gar nicht, dass sie dabei Physik und Chemie lernen“. In seiner Heimatstadt sei er an einem großen Programm beteiligt, das von der Regierung in Auftrag gegeben wurde, es beinhalte das frühzeitige Einbinden von Handys und Tablets in den Unterricht.

Ines Hurrelbrink von Science on Stage koordiniert die Fortbildung an der Uni, sie sieht Lehrer als Einzelkämpfer. „Engagierte Lehrer haben es oft nicht leicht, sie stehen allein vor der Klasse. Unsere Idee besteht darin, dass Lehrer sich gegenseitig motivieren können“, erzählt sie über den Hintergrund der Initiative, die jährlich bis zu 40 000 Lehrkräfte in 24 europäischen Ländern und in Kanada erreicht. In Lüneburg sind es 29 Anmeldungen, hauptsächlich Lehrer aus der Umgebung, die hoffen, etwas Neues für ihren Unterricht mitnehmen zu können.

Tablets und Smartphones im Schulalltag immer wichtiger

„Tablets und Smartphones werden im naturwissenschaftlichen Unterricht immer wichtiger, einfach weil jeder eins hat“, erklärt Katharina Hickmann, Mathe- und Chemielehrerin an der Herderschule. Erklärvideos seien gerade modern, Versuche werden aufgezeichnet und anschließend besprochen. „Auf ihren Tablets können sie auch Kurzpräsentationen vorbereiten.“ Auch Wilfried Spormann sieht die Notwendigkeit, „medial am Ball zu bleiben“. Der ehemalige Schulleiter in Scharnebeck ist zwar schon seit zwölf Jahren pensioniert, aber immer noch mit großem Interesse dabei. „Ich muss doch mit meinen Enkelkindern mithalten, die machen Abitur, da muss der Opa mit ran“, sagt der ehemalige Mathe-, Physik- und Chemielehrer.

Zusammen mit 24 anderen Lehrern aus 14 verschiedenen Ländern entwickelte Emmanuel Thibault eine Broschüre, die veranschaulicht, was man mit einem Smartphone in der Schule Sinnvolles anstellen kann. Sie können GPS-Koordinaten, Höhe, Luftdruck, Beschleunigung, Drehwinkel, Magnetfelder und Spannung messen, wenn die entsprechenden Apps dazu heruntergeladen werden. Das Steckenpferd von Thibault ist die Geschwindigkeitsmessung eines Autos anhand des „Doppler-Effekts“. Mithilfe der App, die sich auf dem iPhone beispielsweise „iAnalyzer“ nennt, lassen sich Frequenzen ermitteln. Ein Beispiel: Die App läuft, der Ton wird aufgezeichnet. Ein Auto fährt vorbei, bei dem dauerhaft die Hupe betätigt wird. Je näher das Auto kommt, desto lauter wird der Ton, entsprechend leiser, wenn sich das Auto entfernt. Auf dem Handy ist abzulesen, auf welcher Frequenz das Geräusch der Hupe des ankommenden und des wegfahrenden Autos läuft. Nun wird die erste Frequenz durch die zweite geteilt, das Ergebnis ist die Geschwindigkeit des Autos: 53 km/h laut App, 50 laut Tacho. Vermehrtes Hupen auf den Lüneburger Straßen könnte in Zukunft also bedeuten, dass Lehrer den „Doppler-Effekt“ mit ihren Klassen testen.