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Huda El-Haj-Said ist Schulsprecherin und schreibt für die Schülerzeitung am Johanneum. Ihre Klassenlehrerin lobt die 14-Jährige, deren Eltern aus dem Libanon kommen, als „eine der außergewöhnlichsten Schülerinnen, die ich je unterrichten durfte“.
Huda El-Haj-Said ist Schulsprecherin und schreibt für die Schülerzeitung am Johanneum. Ihre Klassenlehrerin lobt die 14-Jährige, deren Eltern aus dem Libanon kommen, als „eine der außergewöhnlichsten Schülerinnen, die ich je unterrichten durfte“. Foto: t&w

Start-Stipendium für besonderes Engagement

ap Lüneburg. Kinder- und Jugendärztin und Fachärztin für Innere Medizin will sie werden. Seit der Grundschule ist das der Lebenstraum von Huda El-Haj-Said. Dass die 14-Jährige zielstrebig ist und ihre Wünsche klar zu formulieren weiß, zeigt das Start-Stipendium, das sie jetzt erhalten hat. Schüler mit Migrationshintergrund erhalten es für besonderes gesellschaftliches und schulisches Engagement. 100 Euro Bildungsgeld, einen Laptop mit Drucker und Zugang zu einem breiten Seminarangebot stehen Huda jetzt bis zum Abitur zur Verfügung.

Start-Stipendium:
In Lüneburg ist Huda die Einzige

16 von 90 Bewerbern schafften es, in Lüneburg ist Huda aus der 9. Klasse des Johanneums die einzige. Biologie und Deutsch sind ihre Lieblingsfächer, „Sport eher nicht so“, darin habe sie auch die einzige „schlechte Note“.

Sie ist Schulsprecherin, in der Schülerzeitung aktiv und arbeitet nebenher in der Biblio­thek. In einem Gutachten, das für den Stipendiumsantrag angefertigt wurde, beschreibt die Klassenlehrerin Huda als „eine der außergewöhnlichsten Schülerinnen“, die sie je unterrichten durfte. Sie steche durch ihre engagierte Art zwar aus der Klasse heraus, sei aber dennoch hoch angesehen, weil sie sowohl Teamplayer als auch Anführerin sein könne. Lernen falle ihr schon von klein an leicht, „aber ich sitze nicht den ganzen Tag mit aufgeschlagenem Schulbuch zu Hause“, scherzt Huda. In ihrer Freizeit häkelt und zeichnet die Gymnasiastin, trifft aber auch gern Freundinnen in der Stadt.

Huda schreibt eigenen Roman

Ihr Herz schlägt für das Schreiben, mit „Die Stille der Unendlichkeit“ sitzt sie gar an einem eigenen Roman, der die Geschichte eines Mädchens erzählt, das an NCL (Neuronale Ceroid-Lipofuszinosen) leidet, einer Erkrankung, bei der sich das Hirn langsam abbaut. „Ihre Schwester will die letzten Jahre mit ihr genießen und kapselt sich sozial immer mehr ab“, erzählt Huda, doch dann tritt ein Junge in ihr Leben und sie lernt, loszulassen. Für die Schülerin verbindet diese Geschichte Biologie und Medizin. Sie schreibe gern über Dinge, die die Menschen berühren, „Verlust ist die stärkste Emotion“, findet Huda, die in Paderborn geboren ist und vor zehn Jahren nach Lüneburg kam.

Ihre Eltern kommen aus dem Libanon, aber für Huda ist Lüneburg längst Heimat geworden, vor allem die Altstadt habe es ihr angetan.
Als Älteste von vier Kindern weiß Huda, was es bedeutet, Verantwortung zu übernehmen. So kümmert sie sich gern um ihren einjährigen Bruder.

Gänsehaut habe sie gehabt, als sie bei der Stipendien-Vergabe in Hannover vor rund 80 Menschen, darunter Kultusministerin Frauke Heiligenstadt, eine Rede mit einer Mitstipendiatin hielt. „Ich sehe mich als Deutsche, aber andere sehen mich aufgrund meines Kopftuchs als Ausländerin, dabei kenne ich alle Regeln und Bräuche in Deutschland“, sagte Huda vor Publikum. Ihr Schulleiter Friedrich Suhr sagt: „Das ist eine besondere Rolle, die eine Schülerin mit Migrationshintergrund hier einnimmt. Bei Huda ist die Integration geglückt.“