Aktuell
Home | Lokales | Wandrahmpark: Keine Parkplätze zu Lasten von Bäumen
Der Park an der Wandrahmstraße soll von einem Eingriff zugunsten von Parkplätzen verschont bleiben, verspricht die Stadt. Foto: be
Der Park an der Wandrahmstraße soll von einem Eingriff zugunsten von Parkplätzen verschont bleiben, verspricht die Stadt. Foto: be

Wandrahmpark: Keine Parkplätze zu Lasten von Bäumen

us Lüneburg. Eigentlich sollte es im jüngsten Grünflächen-Ausschuss nur um die Bäume gehen, die auf der Fällliste der Stadt aufgeführt sind. Doch dann war plötzlich auch von Parkplätzen die Rede, die im Wandrahmpark neben dem Lüneburger Museum entstehen sollen. Andreas Meihsies, Fraktionschef der Grünen im Stadtrat, wollte wissen, ob einige der in der Liste genannten Bäume diesen Parkplätzen zum Opfer fallen sollen. Das aber kam bei Lüneburgs Stadtbaurätin Heike Gundermann nicht gut an.

„Wir sollten hier nicht über Dinge sprechen, die im Bauausschuss noch nicht besprochen wurden“, sagte Gundermann und bemühte sich, das Thema schnell wieder vom Tisch zu bekommen. Das nahm Meih­sies zwar zur Kenntnis, kündigte zugleich aber an: „Wir bleiben wachsam“ — was mehr nach Drohung als nach Unterstützung der Stadt klang, die bekanntlich derzeit von Rot-Grün regiert wird.

Die LZ hakte dazu bei der Verwaltung nach. „Die Stadt Lüneburg wird keine Bäume zugunsten zusätzlicher Parkplätze an der Wandrahmstraße fällen“, sagte Uta Hesebeck, Fachbereichsleiterin für Straßen-, Grünplanung und Ingenieurbau. Allerdings sei das vor zwei Jahren in einer Bauausschusssitzung in Erwägung gezogen worden. Damals hatte die Verwaltung erste Planungen für Umgestaltungsmaßnahmen im Umfeld des Museums und der Wandrahmstraße vorgestellt. Neun Kfz-Stellplätze sollten „fahrbahnbegleitend“ in der Wandrahmstraße sowie zwei in die Parkfläche hinein angeordnet werden. „Keiner der Ausschussmitglieder, auch nicht das anwesende Ratsmitglied Andreas Meihsies, widersprach diesen Vorplanungen“, erklärte Hesebeck. Bis auf die neun fahrbahnbegleitenden Stellplätze sei man inzwischen aber von diesen Plänen wieder abgerückt. Zur weiteren Vorgehensweise will die Stadt in der Bauausschusssitzung am Montag, 16. November, vortragen.

Zurück zum Grünflächenausschuss und der Fällliste. 313 Bäume hat die Stadt zur Fällung vorgesehen, die bereits vollständig oder teilweise abgestorben oder von Pilz befallen sind und deren Bruchsicherheit nicht mehr gegeben ist, wie die Stadt ausführte. Darunter auch sechs gesunde Bäume, die wegen der Sanierung der Wandrahmbrücke weichen müssen, da man den Platz für die Zeit während der Bauarbeiten brauche, wie Uta Hesebeck, Fachbereichsleiterin Straßen-, Grünflächenplanung und Ingenieurbau erklärte. „Danach wird dort natürlich wieder nachgepflanzt.“

Besondere Aufmerksamkeit wurde erwartungsgemäß der zur Fällung vorgesehenen Blutbuche im Liebesgrund geschenkt. Wie berichtet, ist der rund 100 Jahre alte Baum von einem Pilz befallen, der zur Fäulnisbildung im unteren Stammbereich des Baumes führt. Dessen Standfestigkeit sei dadurch bereits so stark in Mitleidenschaft geraten, dass er von einem Sturm zu Fall gebracht werden könnte, wie Peter Zurheide, Leiter Grünplanung, ausführte.

„Windstärke zwölf werden wir im Liebesgrund sicher nicht haben“, versuchte Hubert Meißner (SPD) dagegenzuhalten und schlug eine „Betonspritze“ zur Stärkung des Stamms vor, konnte die Vertreter der Stadt aber nicht überzeugen. Lediglich eine Sicherung des Baums mit Stahlseilen, wie Zurheide erklärte, könnte eine Fällung um vier bis fünf Jahre hinauszögern, das aber wäre mit Kosten verbunden — was wiederum den Ausschussvorsitzenden Ulrich Blanck (Grüne) auf den Plan rief: „Wir müssen die Frage politisch stellen: Ist uns diese Kosmetik das Geld wert oder gibt es wichtigere Aufgaben?“

Michèl Pauly (Linke) wollte wissen, wegen welcher Art Salzschäden die beiden Linden an der Hamburger Straße abgestorben seien. Ralf Rosin, Baumkontrolleur der AGL, machte deutlich: Das Salz sei von Unbekannten direkt an den Bäumen abgelagert worden.

Mit einem Sachstand zur Baumschutzsatzung schloss Zurheide das Thema ab. Danach gab es 2014 insgesamt 84 Anträge auf Baumfällung, wovon 50 genehmigt und 13 untersagt wurden. 22 Anträge seien in Bearbeitung. Insgesamt seien seit Bestehen der Baumschutzsatzung 69 Fällungen genehmigt und 101 Nachpflanzungen angeordnet worden. „Damit hat sich die Satzung gelohnt“, wertete Meihsies. Renate Rudolph (CDU) dazu: „Das kann man auch anders sehen.“