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Der kombinierte Kraftstoffverbrauch wird für das Auto vom Hersteller mit 6,0 Liter auf 100 Kilometer angegeben. Ein vom Landgericht Lüneburg bestelltes Gutachten besagt etwas anderes: Der Spritdurst ist größer. Foto: t&w
Der kombinierte Kraftstoffverbrauch wird für das Auto vom Hersteller mit 6,0 Liter auf 100 Kilometer angegeben. Ein vom Landgericht Lüneburg bestelltes Gutachten besagt etwas anderes: Der Spritdurst ist größer. Foto: t&w

Zu hoher Spritdurst vor Gericht

dth Lüneburg. Ein Bardowicker hat einen Lüneburger Autohändler verklagt. Der sollte sein Auto zurücknehmen, weil es mehr Kraftstoff verbraucht, als vom Hersteller angegeben. Das Landgericht Lüneburg hat dem Kunden jetzt in zentralen Punkten Recht gegeben. Der Händler muss das Auto zurücknehmen, dem Kunden stehen im Gegenzug 22234,02 Euro zu. „Das ist mehr, als ich bekommen hätte, wenn ich das Fahrzeug in Zahlung gegeben hätte“, sagt Kläger Dietmar Wienecke zufrieden. Es ist aber weniger, als er gefordert hatte. Dennoch bewertet Wienecke das Urteil als Erfolg. Indes empfiehlt der Hersteller seinem Händler, das Urteil anzufechten und bezweifelt die Messergebnisse des Gutachters.

28000 Euro hatte Wienecke im Mai 2012 für den Mazda CX-5 gezahlt. Bereits eine Woche nach Übernahme des SUV hatte er die „vibrierenden Außenspiegel“ reklamiert — vergeblich. Später brachte Wienecke laut Klageschrift auch den „sehr hohen Verbrauch“ zur Sprache, der deutlich über den Prospektangaben von 6,0 Liter pro 100 Kilometer liege. Nachdem die angesprochenen Mängel vom Autohändler nicht behoben wurden, reichte Wienecke im Juni 2013 Klage ein.

Der letzte Verhandlungstag vor dem Landgericht Lüneburg ging vor rund drei Wochen zu Ende: Richterin Dr. Gude startete noch einen Versuch, die Streitparteien zu einer gütlichen Einigung zu bewegen. Ronald Unger, Geschäftsführer des beklagten gleichnamigen Autohändlers, und sein Rechtsanwalt Detlef Burian schauten erwartungsvoll zur Klägerseite hinüber. Burian: „Wir wären für eine Einigung offen.“ Doch Wieneckes Anwalt Gerhard Braune gab sich siegesgewiss: „Das Gutachten hat unseren Vortrag bestätigt.“

Im Auftrag des Gerichts hat der TÜV Nord ein Sachverständigengutachten erstellt und den umstrittenen Wagen unter anderem auf die Daimler-Teststrecke bei Papenburg geschickt. Ergebnis: Der kombinierte Kraftstoffverbrauch wurde gemessen bei 6,7 Liter statt 6,0 auf 100 Kilometer. Also mehr als zehn Prozent Abweichung zu den Herstellerangaben, argumentierte Braune, er bezeichnete das als „nicht unerhebliche Tauglichkeitsminderung“ und bezog sich auf ein Urteil des Bundesgerichtshofs.

Die vibrierenden Außenspiegel bezeichnete Richterin Dr. Gude bei der Verhandlung als „Luxusmangel“. Im Urteil sind die mehr als zehn Prozent Mehrverbrauch maßgeblich für die Rücknahme des Fahrzeugs.

Wienecke hatte zum Zeitpunkt der Klage bereits rund 10000 Kilometer mit dem Fahrzeug zurückgelegt und war davon ausgegangen, dass es bis zu einer Entscheidung des Gerichts rund 13000 Kilometer sein dürften. Also wurde in der Forderung ein Gebrauchsvorteil für die gefahrenen Kilometer von 1456 Euro berücksichtigt. Tatsächlich betrug die Laufleistung nach zirka zweieinhalb Jahren mittlerweile rund 39000 Kilometer, insofern wurde die Klage in Teilen zurückgewiesen, da die zugestandene Zahlung aufgrund des höheren Gebrauchsvorteils nun geringer ausfällt. Die Prozesskosten sollen zu 16 Prozent der Kläger und zu 84 Prozent die Beklagte tragen.

Unternehmer Ronald Unger wollte das Urteil auf LZ-Nachfrage nicht kommentieren, erst abwarten, bis es schriftlich vorliegt. Dabei ist der Autohändler auch nur derjenige, der vor Gericht den Kopf hinhalten muss. Eigentlich ist es ein Streit zwischen Kunde und Hersteller.

Jochen Münzinger, Pressesprecher von Mazda Motors in Deutschland, sagt: „Wir haben aus technischer Sicht Zweifel an der Richtigkeit der Messungen, beispielsweise bei der Fahr-, Luft- und Rollwiderstandsermittlung. Wir werden unserem Händler empfehlen, das Urteil anzufechten und ein neues Gutachten zu fordern.“

Die Kritik am Gutachten begründet Münzinger so: „Der Fahrzyklus ist vielleicht der gleiche, aber die im Ausrollversuch ermittelten Werte entsprechen nicht den Vorgaben.“ Maßgeblich seien die Werte, die im Auftrag des Herstellers von einer Prüforganisation ermittelt wurden. Und zwar jene, die aus der EG-Typgenehmigung des Automodells hervorgegangen sind. Nur anhand dieser Werte könne eine korrekte Vergleichbarkeit hergestellt werden. „Beim vorliegenden Gutachten des TÜVs wurde der Fahrwiderstand wahrscheinlich unter anderen Bedingungen ermittelt.“

Klägeranwalt Braune fragt: „Soll das dann heißen, dass nur noch Autos getestet werden — wie man hört — mit schweren Rädern, abgeklebten Fugen und überhöhtem Reifendruck?“ Diese Frage hat die LZ dem Mazda-Sprecher gestellt, der sagt: „Abweichender Luftdruck, die Reifen selber, die Rauigkeit des Fahruntergrunds auf der Teststrecke und die Ausstattung des Fahrzeuges können zu unterschiedlichen Testergebnissen führen. Das ist legal, weil das nicht von der EG-Typgenehmigung ausgeschlossen wird.“

Dass in der Regel die tatsächlichen Verbrauchswerte von Herstellerangaben abweichen, sei laut Münzinger außerdem „ein herstellerübergreifendes Problem“. Dabei könne ein Privatnutzer die Verbrauchsangaben seines Automobils durchaus erreichen, „beispielsweise außerhalb der Stadt und mit gemäßigterem Tempo“.
Münzinger: „Und nach unserer Einschätzung: Wenn der Gutachter das Auto mit den richtigen Kalibrierungsangaben aus der Typgenehmigung auf dem Prüfstand getestet hätte, wären auch die richtigen Werte dabei herausgekommen.“

3 Kommentare

  1. Münzinger: „Und nach unserer Einschätzung: Wenn der Gutachter das Auto mit den richtigen Kalibrierungsangaben aus der Typgenehmigung auf dem Prüfstand getestet hätte, wären auch die richtigen Werte dabei herausgekommen.“

    Auf dem Prüfstand natürlich. Wie peinlich Herr Münzinger. Das Thema haben wir doch schon seit einigen Wochen. Dass die Herstellerangaben mit den Resultaten im Alltagsgebrauch in keiner Weise übereinstimmen weiß wohl jeder Autofahrer. Deshalb ist es auch entlich an der Zeit, dass solche Angaben nur unter realistischen Bedingungen ermittelt werden. Eigentlich sind die Verbraucher hier über Jahrzehnte von der Automobilindustrie systematisch getäuscht worden. Aber die Deutschen lieben ihre Autos dermaßen, dass sie dies billigend in Kauf genommen haben.

  2. Die Autohersteller schummeln durch die Bank weg alle. Endlich wehren sich die Leute und scho fangen die Hersteller an zu heulen. Gutachten und gegen Gutachten haben doch nur den Zweck eine evtl. Klage so teuer werden zu lassen das sich niemand traut zu klagen. Eure Tricks haben rein garnichts mit Messgenauigkeit zu tun. Das sind einfach nur linke Tricks um die Werte zu schönen. Stellt egal welches Auto auch immer, so wie es verkauft wird auf die Straße und lasst es Hundert Kilometer auf normaler Straße laufen und dann ermittelt den Wert. Das wäre fair und richtig. 30 km Autobahn 30 km Landstraße 30 km Stadt und 10 km wie es kommt. Nur weil euch irgendwelche windigen Kontrollorgane bestättigen das alles richtig ist müsst ihr euch nicht auf die Schulter klopfen und mit euren Werten angeben. Verbrauchsnahe Test sollte es geben und nicht Test die in der Wirklichkeit nicht nachzustellen sind. Der Richterin sei gesagt bzw. gefragt urteilt sie bei einem Verkehrsunfall mit Todesfolge genauso so lasch. Wenn der Spiegel durch ständige Vibrationen abgefallen ist. Sicherheit relevant ist ein Spiegel deshalb wurde mal beschlossen das Autos spiegel haben müssen.