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Jürgen Schulz genießt es, auf der Bank im Lüneburger Stadtwald so wie hier an den Bockelsbergteichen die Seele baumeln lassen zu können. Foto: t&w
Jürgen Schulz genießt es, auf der Bank im Lüneburger Stadtwald so wie hier an den Bockelsbergteichen die Seele baumeln lassen zu können. Foto: t&w

Lüneburger Stadtwald: Tische und Sitzplätze werden rarer

us Lüneburg. 171 Tische und Bänke stehen im Lüneburger Stadtwald, zu viele, wie Michael Stall findet: „Für eine Fläche von 1600 Hektar ist das eine immens hohe Zahl.“ Die will er nun reduzieren, insbesondere bei den Bänken soll es Kürzungen geben. Ansonsten hatte Lüneburgs Stadtförster bei der Präsentation des Forstwirtschaftsberichts im jüngsten Grünflächenausschuss wieder Positives zu berichten: Zum vierten Mal in Folge hat das Forstamt einen Überschuss bei der Waldbewirtschaftung erzielt.

Fünf bis zehn Sitzbänke müssen laut Stall jährlich witterungsbedingt erneuert werden. Kosten: rund 450 Euro pro Bank. Hinzu komme der Pflegeaufwand. „Das können und wollen wir uns auf Dauer nicht leisten“, begründet er das Vorhaben. Er steuere deshalb ein Ziel von 140 bis 150 Tischen und Bänken an, das in den nächsten Jahren „behutsam“ erreicht werden soll.

„Ich hoffe, dass vor allem die Bänke an den Bockelsbergteichen erhalten bleiben“, sagt Jürgen Schulz. Der 78-Jährige, der häufig zu den Kleingartenanlagen am Bockelsberg und in Düvelsbrook unterwegs ist, schätzt die Möglichkeit, auf den Bänken Erholung zu finden. „Hier kann man die Seele baumeln lassen.“

Stadtförster Stall hat aber nicht nur die Kosten im Blick. Denn für jede von der Stadt im Wald aufgestellte Bank übernehme sie auch die Verkehrssicherungspflicht, die sie ansonsten im Wald nicht habe. Die Folge: Die Stadt ist verantwortlich, wenn ein Baum oder Ast auf eine auf einer Bank sitzenden Person fällt. Dies könne nur umgangen werden, indem Bäume im Umkreis von 30 Metern um eine Sitzbank entfernt werden. Das aber sei nicht Ziel der Stadt. „Statt einer hundertjährigen Eiche nehmen wir lieber eine Bank weg“, sagt Stall. Und: Statt auf Quantität wolle man künftig mehr auf Qualität setzen.

Die gestiegene Qualität des Stadtwalds spiegelt sich nach Einschätzung von Stall auch im Ergebnishaushalt für 2014 wider. Insgesamt konnten im abgelaufen Forstwirtschaftsjahr Erlöse in Höhe von 632 808 Euro erzielt werden, rund 25 000 Euro mehr als im Vorjahr. Dabei hat vor allem der Holzverkauf mit 588 149 Euro deutlich zu Buche geschlagen. Abzüglich Sach- und Personalkosten wurde ein Überschuss in Höhe von 75 040 Euro erzielt, der nur geringfügig unter dem Vorjahresergebnis liegt.

Das erfreuliche Ergebnis sei insofern bemerkenswert, da weniger wertvolle Laubholzsortimente wie Eiche und Buche, dafür aber mehr Nadelholz geschlagen wurde, wie Stall erläutert. Zurückzuführen sei dies in erster Linie auf die deutlich gestiegenen Durchschnittserlöse bei den Laubholzarten, die von 143 Euro in 2013 auf 223 Euro in 2014 kletterten. Insgesamt wurden im vergangenen Jahr 7935 Erntefestmeter geschlagen, daran haben Kiefern einen Anteil von 69 Prozent, Fichten 16, Eichen 10 sowie Buchen und andere Laubholzarten 5 Prozent. „Das heißt nichts anderes, als dass trotz intensiver Pflegeeingriffe und geringerer Ernte die Spitzenergebnisse der Vorjahre nahezu gehalten werden konnten.“

Zugleich wies Stall darauf hin, dass seit 2005 kein einziger Nadelbaum mehr angepflanzt worden sei, dafür aber mehr als 25 000 Laubbäume – „in Niedersachsen ein Alleinstellungsmerkmal“, wie Stall betonte.

Abgeschlossen sind inzwischen auch die Arbeiten für den neuen Zauneidechsen-Erlebnisraum, der als Ausgleichsfläche für das neue Baugebiet „Wittenberger Bahn“ an der südlichen Ostumgehung entstanden ist. Ob die Maßnahme bereits von Erfolg gekrönt ist und die Zauneidechse ihr neues Zuhause angenommen hat, konnte Stall nicht mit Sicherheit beantworten: „Sie könnte da gewesen sein.“