Donnerstag , 8. Dezember 2016
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Dr. Christoph Wiesenfeldt, Kristina Kürbis, Winfried Harendza und Stefanie Voß-Freytag werben in der Innenstadt für den Bildungsfonds. Foto: be
Dr. Christoph Wiesenfeldt, Kristina Kürbis, Winfried Harendza und Stefanie Voß-Freytag werben in der Innenstadt für den Bildungsfonds. Foto: be

Streiter für die Bildung

kre Lüneburg. Winfried Harendza redet nicht lange um den heißen Brei herum: „Wir brauchen Geld!“ Für die Menschen, die in Sachen Bildung bisher auf der Schattenseite des Lebens standen. Für die, die sich den Alphabetisierungs-, den Haupt- oder Realschulkursus an der Volkshochschule ohne finanzielle Unterstützung nicht leisten können. Denn Bildung kostet Geld. Aber ohne Bildung, ohne einen Schulabschluss, sind die Chancen auf dem Arbeitsmarkt mehr als begrenzt. Ein Teufelskreis — den Winfried Harenzda und sein Mitstreiter Dr. Christoph Wiesenfeldt seit nunmehr sechs Jahren zu durchbrechen versuchen. Mühsam, aber doch immer mit Erfolg.

Die beiden sind ein eingespieltes Team: der ehemalige Geschäftsführer des Paritätischen Wohlfahrtsverbands und der Superintendent i.R. Für die gute Sache sind sich die beiden Kuratoren des VHS-Bildungsfonds nicht zu schade, Klinken putzen zu gehen oder sich mit einem Stand in die Einkaufsstraße zu stellen, um Info-Flyer zu verteilen. Andere Rentner und Pensionäre genießen den wohlverdienten Ruhestand, die beiden engagieren sich für die gute Sache — für andere. Was zweifellos nicht immer einfach ist. Gerade in Zeiten wie diesen, in denen täglich zahlreiche Flüchtlinge nach Niedersachsen kommen, die öffentliche Aufmerksamkeit vor allem auf die Flüchtlingsarbeit gelenkt wird. Wiesenfeldt und Harendza hören das jetzt häufig, wenn sie Geld für den Bildungsfonds einwerben wollen. „Wieso das denn, die Kurse zahlt doch der Staat!“, bekommen sie dann häufig zu hören. Aufklärung tut also Not: Die beiden Kuratoren des VHS-Bildungsfonds betonen auch im Gespräch mit der LZ: ,,Wir dürfen bei der ganzen Debatte nicht die vergessen, die hier geboren, zur Schule gegangen und es aus welchen Gründen auch immer nicht geschafft haben!“ Menschen also, die es in der Gesellschaft ohnehin schon schwer haben — und nun noch mehr um Aufmerksamkeit kämpfen müssen. Für diese Klientel treten Dr. Christoph Wiesenfeldt und Winfried Harendza an.

Ein Engagement, das nach Ansicht von Harendza auch Nutzen für die Gesellschaft bringt: „Statt dauerhaft HartzIV und andere Sozialleistungen zu beziehen, können die Menschen mit einem qualifizierten Schulabschluss eine Ausbildung machen und einen Beruf ausüben. Sie verdienen ihr eigenes Geld, zahlen Steuern und Abgaben“, sagt Winfried Harendza.

Insgesamt 155 Teilnehmer konnten in den vergangenen sechs Jahren durch den VHS-Bildungsfonds gefördert werden, 155000 Euro hat der Fonds dafür aufgewandt. Alles Spenden, denn der VHS-Bildungsfonds muss ohne staatliche Fördergelder auskommen. Pro Jahr werden rund 30000 Euro benötigt, um die Aufgabe erfüllen zu können.

„Das ist schon eine gewaltige Summe“, sagt Dr. Wiesenfeldt. Aber bisher haben es der Superintendent i.R. und der ehemalige Geschäftsführer des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes noch immer geschafft, diese Spendensumme einzuwerben. Und sie haben die Hoffnung, dass ihnen das auch dieses Mal wieder gelingen wird. Denn die Vokabel „Aufgeben“ kennen die beiden Männer nicht — und sind auch damit zweifellos ein Vorbild für junge Menschen, die für ihre zweite (Bildungs-)Chance kämpfen.

Spender und Sponsoren gesucht

Wer die Aktion unterstützen will, kann dies mit einer Spende tun auf das Konto des VHS-Bildungsfonds bei der Sparkasse Lüneburg IBAN: DE612405011000000881 46, oder sich an der Aktion „100×10“ beteiligen. 100 Bürger zahlen ein Jahr lang mindestens zehn Euro monatlich in den Fonds ein. „Eine lohnende Investition“, finden Harendza und Dr. Wiesenfeldt, „die zudem zu 100 Prozent bei den Betroffenen ankommt.“ kre