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Lüneburger Umwelt-Filmtage

Lüneburger Umwelt-Filmtage: Essen als Politikum

mm Lüneburg. Globale und regionale Probleme, die unsere heutige Ernährungsweise nach sich zieht, zeigt Professor Harald Lemke in seinem Eröffnungsvortrag der Lüneburger Umwelt-Filmtage  am kommenden Sonntag, 10.30 Uhr, im Scala-Kino auf. Darüber hat Lemke, der zurzeit an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Hamburg lehrt, viel geschrieben. Zuletzt im vergangenen Jahr. Da ist sein Buch „Über das Essen. Philosophische Erkundungen“ erschienen. Er meint: Essen sei ein politisches Statement. Hier geht es zum Programm.

Hält die Eröffnungsrede der Lüneburger Ulwelt-Filtage: Professor Harald Lemke. Foto: nh
Hält die Eröffnungsrede der Lüneburger Ulwelt-Filtage: Professor Harald Lemke. Foto: nh

Lüneburger Umwelt-Filmtage: LZ-Interview

Warum ist Essen für Sie auch Politik?
Lemke: Essen ist keine reine Privatsache, weil unsere Ernährungsentscheidungen zahlreiche wirtschaftliche, politische, kulturelle und gesundheitliche Auswirkungen auf das Leben anderer haben. Genau wie auf andere Lebensformen: Auf Tiere, Landschaften und Ressourcen. Diese weltweiten Wirkungen machen jeden Essakt zu einem kosmopolitischen Akt.

Welche großen Probleme sehen Sie in Zusammenhang mit der Art und Weise, wie wir uns ernähren?
Lemke: Die vorherrschenden Ernährungsverhältnisse sind Hauptursache für viele Krisen unserer Zeit. Dazu zählen etwa Naturzerstörung durch industrielle Landwirtschaft, tierquälerische und klimaschädliche Folgen der Massentierhaltung, das nach wie vor bestehende globale Unrecht des Welthungers, aber auch gesundheitliche Probleme wie Fettleibigkeit spielen eine Rolle.

Wie kann jeder dazu beitragen, diese Probleme zu überwinden?
Lemke: In der Tat bietet unser tägliches Essen die Möglichkeit, dass wir nicht Teil des Problems bleiben, sondern Teil seiner Lösung werden können. Hierfür gibt es reale Handlungsspielräume etwa beim Einkaufsverhalten oder bei der Lebensmittelauswahl. Man sollte dem Genuss des Essens zudem mehr Lebenszeit und Lebensqualität widmen. Das sind alles praktische Alternativen, die begründen, warum unsere alltäglichste und folgenreichste Handlung eine Angelegenheit der politischen Ethik ist.

Mit Nahrungsmitteln wird auch gehandelt. Was ist daran problematisch?
Lemke: Das globale Nahrungsgeschehen ist einer der mächtigsten Wirtschaftsfaktoren. Insofern sieht sich eine Ethik des Essens mit einem mächtigen Gegenspieler konfrontiert. Gesellschaftliche Veränderungen im Bereich der Ernährung beinhalten auch die notwendige Transformation des kapitalistischen Wirtschaftsmodells durch die Umstellung auf eine nachhaltige und gerechte Wirtschaftsweise.

Inwiefern tragen Aktionen wie die Lüneburger Umweltfilmtage dazu bei, das Problembewusstein für falschen Umgang mit Nahrungsmitteln zu schärfen?
Lemke: Für die gesellschaftliche Ernährungswende braucht es vor allem eine gastrosophische Bewusstseinswende, ein kollektives Umdenken. Dafür sind unzählige Aktionen wichtig, öffentliche Debatten, Veranstaltungen, Bildungsprogramme und Forschungsarbeiten. Weil das Kino sehr populär ist und Filme viele Menschen erreichen, ist die visuelle Kultur und Vermittlung ein sehr geeignetes Medium des kollektiven Umdenkens.