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Freuen sich auch im November noch über eine satte Ernte: Aktive des interkulturellen Gartens „Abendlicht“ mit den Betreuern Diego Gatica (2.v.r.) und Achim Dehmel (r.). Foto: kg
Freuen sich auch im November noch über eine satte Ernte: Aktive des interkulturellen Gartens „Abendlicht“ mit den Betreuern Diego Gatica (2.v.r.) und Achim Dehmel (r.). Foto: kg

Interkultureller Garten gedeiht am PKL +++ mit LZplay-Video

kg Lüneburg. Aref Sarochan drückt die Kopfhörer seines mp3-Players in die Ohren und zieht mit Kraft die Gartenhacke durch die feuchte Erde. An dieser Stelle will er im nächsten Frühjahr ein Blumenbeet pflanzen, dafür muss er jetzt den Boden vorbereiten. In seinem Heimatort Kamishly in Syrien gab es für den jungen Flüchtling keine Möglichkeit zur Gartenarbeit. Hier im interkulturellen Garten „Abendlicht“ auf dem Gelände der Psychiatrischen Klinik Lüneburg (PKL), den er seit seiner Ankunft in Lüneburg vor einem Monat besucht, hat er seinen Platz gefunden. „Das ist genau mein Ding“, sagt Sa­rochan. Doch er und seine Mitstreiter müssen in diesen Tagen um ihre Beete bangen.

Interkultureller Garten seit Juni

Seit Juni bestellt die Gruppe um Projekt-Betreuer Diego Gatica die Flächen von zwei Folientunneln und einem Gewächshaus in der Gärtnerei der PKL. Es ist neben dem „KulturGarten“ im Kleingartenverein Moorfeld bereits das zweite interkulturelle Gartenprojekt in Lüneburg, das von der Volkshochschule und der PKL initiiert und von der Klosterkammer Hannover unterstützt wurde.

Jeden Dienstag und Freitag Nachmittag holen Gatica und sein ehrenamtlicher Kollege Achim Dehmel Interessierte von der Flüchtlingsunterkunft am Ochtmisser Kirchsteig ab und begleiten sie zum Garten, um gemeinsam zu pflanzen, zu ackern und zu ernten. „Das Angebot wird nicht nur von Flüchtlingen, sondern auch von anderen Menschen aus der Umgebung genutzt, die vorbeikommen und helfen“, sagt Dehmel. „Wir haben Zucchini, Kartoffeln, Kürbisse oder Salat. Es gibt jede Menge zu ernten.“ Einige Flüchtlinge konnten so in diesem Sommer bereits essen, was sie selbst gepflanzt haben.

Von Themen wie Krieg oder Flucht höre er im Garten eher selten, berichtet Gatica. „Hier geht es mehr darum, Neues wachsen zu lassen.“ Die Flüchtlinge sollen buchstäblich Wurzeln schlagen und sich in Lüneburg zu Hause fühlen können. Viele von ihnen bringen bereits Vorerfahrung in der Gartenarbeit mit, andere wollen nur der Langeweile in der Unterkunft entfliehen oder im Garten Deutsche kennenlernen. „So sind wir hier als Gruppe zusammengewachsen“, sagt Gatica.

Für das kommende Jahr haben die Mitglieder viel vor, doch die Planung gestaltet sich schwierig. Im Dezember läuft die finanzielle Förderung für das Projekt aus, zudem sollen die Gewächshäuser abgerissen werden und einem neuen Pflegeheim weichen (LZ berichtete). Seit vergangenem Winter steht die Gewächshaus-Anlage still, die zuvor für die Anzucht von Pflanzen und für Therapiezwecke genutzt wurde und jährlich allein 40 000 Euro Energiekosten verschlang. „Stattdessen entsteht ein Ersatzneubau für unsere Einrichtung in Ebstorf, der die ersten fünf Jahre für Flüchtlinge genutzt werden soll“, erklärt Rolf Sauer, Chef der Gesundheitsholding.

Auf die professionelle In­frastruktur der PKL-Gärtnerei müssen die Mitglieder des Gartens Abendlicht künftig verzichten. Nach aktuellem Stand können sie die Flächen neben den Gewächshäusern, die nicht direkt vom Neubau betroffen sind, weiter bewirtschaften und wollen diese noch um eine Streuobstwiese erweitern. 2016 soll der Garten dann auch den auf dem PKL-Gelände untergebrachten Flüchtlingen zur Verfügung stehen.