Donnerstag , 8. Dezember 2016
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Landfrau Sabine Tschentscher kocht mit den Drittklässlern in der Grundschule Echem Suppe, Finn, Nick und Johannes (v.l.) sind mit Eifer dabei, rühren die Suppe um und messen das Mehl ab. Foto: t&w
Landfrau Sabine Tschentscher kocht mit den Drittklässlern in der Grundschule Echem Suppe, Finn, Nick und Johannes (v.l.) sind mit Eifer dabei, rühren die Suppe um und messen das Mehl ab. Foto: t&w

„Kochen mit Kindern“ feiert Zehnjähriges +++ mit Video

off Echem. Finn steht neben dem Kochtopf und verdreht die Augen. Der Achtjährige ist genervt, Klassenkamerad Nick rührt für seinen Geschmack eindeutig zu lange in der Suppe. Schließlich macht er seinem Unmut Luft, stupst Nick in die Seite und ruft: „Ich möchte jetzt aber auch mal!“ Zum ersten Mal machen die Landfrauen an diesem Morgen mit ihrer Aktion „Kochen mit Kindern“ Station in der Grundschule Echem – und vor allem die Jungs sind begeistert.

Vor zehn Jahren hat der niedersächsische Landfrauenverband das Angebot ins Leben gerufen, fast genauso lange sind die Lüneburger Kreislandfrauen dabei. In Echem übernehmen an diesem Morgen Kreislandfrauenvorsitzende Sabine Block und Sabine Tschentscher den Unterricht, das Motto des Aktionstages „Milch macht alle Kinder munter“. Weitere Themenschwerpunkte sind Kartoffeln, Getreide sowie Obst und Gemüse, Ziel der Aktion: „Wir wollen den Schülern erklären, woher unsere Lebensmittel kommen und wie wir sie gesund und schmackhaft verwenden können“, sagt Sabine Block.

Kartoffelbrei gibt es nicht nur aus der Tüte

Wie wichtig Tage wie diese sind, hat die Landfrau in den letzten zehn Jahren gelernt. „Viele Kinder kennen Kartoffelbrei nur aus der Tüte“, sagt sie. Und Sabine Tschentscher ergänzt: „Zwiebeln schneiden, Kartoffeln schälen, damit haben ganz viele Kinder Schwierigkeiten.“ Auch Tischmanieren sind offenbar nicht selbstverständlich. „Zumindest müssen wir jedes Mal darauf hinweisen, dass sich die Kinder die Hände waschen und mit dem Essen warten, bis alle anderen auch am Tisch sitzen.“

Klicken Sie auf das Bild um zum Video zu gelangen. Foto: t&w
Sabine Block übt mit den Kindern Gemüse schneiden. Foto: t&w

Mit ihrer Aktion „Kochen mit Kindern“ versuchen die Landfrauen gegenzusteuern, gleichzeitig fordern sie seit Jahren die Einführung eines Schulfachs „Alltags- und Lebensmittelökonomie“. Unterstützung haben sie dafür vor kurzem von Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt erhalten, der beim Auftakt der bundesweiten Tage der Schulverpflegung in Berlin erklärte: „Nicht nur der Satz des Pythagoras gehört in den Unterricht, sondern auch das Einmaleins der Ernährung.“

Grundsätzlich sieht man das auch im niedersächsischen Kultusministerium so, die Einführung eines eigenen Unterrichtsfachs hält man dort allerdings nicht für notwendig. „In den Schulen lernen unsere Kinder und Jugendlichen schon jetzt in unterschiedlichen Unterrichtsfächern viel, zum Beispiel über gesunde Ernährung, Verbraucherschutz, das Handeln als Konsument, über Nachhaltigkeit, Schutz der Umwelt oder eine selbstbestimmte Lebensführung“, heißt es auf LZ-Anfrage. „Diese Inhalte sind durch die Kerncurricula bereits verbindlich vorgeschrieben und die Lehrkräfte an den Schulen vermitteln diese sehr kompetent und zuverlässig.“

Ob die Kinder dabei tatsächlich lernen, wie sie regionale Lebensmittel frisch zubereiten oder wie sie es vermeiden, Lebensmittel zu verschwenden? Die Landfrauen sind skeptisch und bleiben bei ihrer Forderung nach einem eigenen Unterrichtsfach. Gleichzeitig gehen sie weiter in die Schulen – und bringen den Kindern bei, woher die Milch kommt, was man alles daraus machen kann und dass Geduld nicht nur in der Küche, sondern manchmal auch am Esstisch gefordert ist.