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Ein alltägliches Bild zu Hause bei Familie Gade: Hannah (v.l.) spielt auf der Bratsche, Mutter Annika auf der Querflöte, Jakob am Klavier und Vater Christian am Cembalo.
Ein alltägliches Bild zu Hause bei Familie Gade: Hannah (v.l.) spielt auf der Bratsche, Mutter Annika auf der Querflöte, Jakob am Klavier und Vater Christian am Cembalo. Foto: t&w

Tag der Hausmusik — Bei Gades gibt‘s regelmäßig „Krach“

ap Lüneburg. Wenn Familie Gade zusammenkommt, kann es schon mal etwas lauter werden. Nicht etwa, weil es Streit gibt – im Gegenteil: Eltern und Kinder teilen eine gemeinsame Leidenschaft: die Musik. Nahezu täglich spielen sie. Der Tag der Hausmusik, der an diesem Sonntag auf Initiative des Deutschen Musikverleger-Verbandes bundesweit gefeiert wird und dessen Geschichte bis ins Jahr 1932 zurückreicht, ist bei den Lüneburgern quasi Alltag.

„Wir brauchen dafür keinen speziellen Feiertag“, sagt Vater Christian Gade. „Bei uns wird jeden Tag Krach gemacht.“ Allerdings gibt es eine Ausnahme: Im Urlaub herrsche absolutes Instrumentenverbot, wirft seine Ehefrau ein.

Christian Gade spielt Orgel, Cembalo und „alles, was Tasten hat“. Seine Frau Annika spielt Querflöte. Auf einem Konzert in Buxtehude vor 20 Jahren lernten sich die beiden kennen. „Wenn man zusammen musiziert, kann man auch heiraten“, scherzt er – und seine Frau nickt. Das Cembalo, mit dem Christian Gade seine Frau vor zwei Jahrzehnten überzeugte, steht heute im Wohnzimmer. Tochter Hannah nutzt es gern als Ablage für ihre Geige und Bratsche – was nicht von allen gern gesehen wird.
Das Klavier, auf dem Sohn Jakob gern spielt, steht auf der anderen Seite des Raums. Der Zehnjährige ist aber nicht nur mit schnellen Fingern gesegnet, er kann auch Trompete spielen. „Am liebsten zusammen mit Papa“, sagt er und stellt klar: „Für mich ist Musik alles.“ Vater-Sohn-Ausflüge führen also meist ins Kloster Lüne, wo Jakob trompetet und Christian Gade ihn auf der Orgel begleitet. Seit zehn Jahren ist der Mediziner, der eine internistische Praxis Bei der St. Johanniskirche führt, dort Organist.
Obwohl die Gades zu Hause täglich musizieren, habe es bisher keine Beschwerden von den Nachbarn gegeben. „Nicht mal dann, wenn die Kinder eine Stelle immer wieder üben“, sagt die Mutter. Ein gängiges Trio in der Familie sind Querflöte, Violine und Cembalo. Dann wird häufig etwas aus dem Barock auf den Notenständer gelegt – gerne Stücke von Johann Sebastian Bach oder Georg Friedrich Händel.

„Dass wir alle so unterschiedliche Instrumente spielen, kam einfach so. Wir haben niemanden genötigt“, scherzt Annika Gade. Vor allem die Geschichte, wie Jakob zur Trompete kam, wird in der Familie noch gern erzählt. „Auf dem Weg zum Kindergarten morgens um 9 Uhr habe ich immer den Turmbläser der St. Johanniskirche gehört“, sagt er. Mit sieben Jahren durfte er dann an der Musikschule mit dem Trompetenunterricht beginnen. Auch Hannah, die eigentlich schon mit vier Jahren zur Geige greifen wollte, wurde vertröstet, bis sie acht war. „Die Freude an der Musik war schon immer da“, sagt sie.

Eine weitere Gemeinsamkeit, die die Familie teilt, ist das Singen. „Die Kinder konnten schon singen, bevor sie sprechen konnten“, erinnert sich Annika Gade. Die 43-Jährige koordiniert wöchentlich vier Termine in der Musikschule für ihre Kinder. „Es gibt Tage, da fahre ich nur hin und her“, sagt die Ergotherapeutin und spricht von „Zeitoptimierung“, wenn die Kinder mal gleichzeitig Probe haben. Hannah hat Bratschen- und Geigenunterricht und spielt im Orchester der Musikschule, Jakob hat ebenfalls für beide Instrumente einen Lehrer, spielt zusätzlich im Posaunenchor der Kirchengemeinde Lüne.

Für den nächsten „Tag der Hausmusik“ könne sich die vierköpfige Familie durchaus vorstellen, die Nachbarn zu einem Konzert ins Wohnzimmer einzuladen. „Wir lassen gern andere daran teilhaben, aber für uns ist das kein Wettbewerb“, sagt der ebenfalls 43-jährige Familienvater. „Musik soll Freude machen.“ Andere damit zu infizieren, sei ohnehin schon ein Thema, „schließlich hören die Nachbarn uns eh bei geöffnetem Fenster“.