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(K)ein Partyzelt auf der B216

kre Lüneburg/Barendorf. Da staunten die Bauarbeiter nicht schlecht, als sie die Deckschicht auf der Brücke über den Elbe-Seitenkanal abfrästen. Denn das, was sie zu sehen bekamen, war alarmierend: „Statt einer schwarzen Schutzschicht, war nur blanker Beton zu erkennen“ berichtet Christian Magill von der Niedersächsischen Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr. Gut, dass der Baupfusch rechtzeitig entdeckt wurde, bevor die gesamte Brückenkonstruktion ernsthaft Schaden nehmen konnte. Schlecht für die Autofahrer. Denn durch die unerwartete Brückensanierung verzögert sich die Freigabe der B216 zwischen Lüneburg und Barendorf jetzt bis zum 30. November.

Genau genommen wäre für diese umfangreiche Brückensanierung nicht die Straßenbaubehörde, sondern das Wasser- und Schifffahrtsamt (WSA) als Eigentümerin des Bauwerks zuständig. „Da wir aber sowieso schon dabei sind, die B 216 zu erneuern, erledigen wir diese Arbeiten jetzt mit“, sagt Gesa Schütte, Fachbereichsleiterin Bau bei der Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr. In Amtshilfe sozusagen.

Dabei hatten sich die Straßenbauer vorher extra noch Unterlagen über den Aufbau der Brücke besorgt — nur um dann vor Ort festzustellen, „dass die Pläne nicht mit der Realität übereinstimmen“, sagt Magill. Und in der Tat scheinen es die Brückenbauer von damals mit der Genauigkeit nicht allzu genau genommen zu haben. ,,Normal ist ein Regelaufbau der Fahrbahnschicht etwa sieben bis acht Zentimeter hoch“, erklärt Magill — „bei dieser Brücke betrug er in der Mitte noch nicht einmal vier Zentimeter.“ Dafür packten die Arbeiter damals ordentlich Material in die Randbereiche, um Unebenheiten auszugleichen: „Da haben wir bis zu 14 Zentimeter abtragen müssen“, staunt Gesa Schütte.

Ärgerlich für die Straßenbauer ist dieser Baupfusch auch deshalb, weil damit ihr Zeitplan komplett durcheinandergebracht wurde. „Damit die Arbeiten auch jetzt noch im November im Trockenen ausgeführt werden können, mussten wir die gesamte Brücke mit einem großen Zelt überspannen“, berichtet Schütte — 114 Meter lang und 12,50 Meter breit. Das schützt zwar vor Wind und Regen, dafür fängt sich unter dem Zeltdach der stechende Dampf des heißen Asphalts und des kochenden Bitumens. Der Job im Straßenbau ist anstrengend — und nichts für Menschen mit feiner Nase.

Die Arbeiten auf der Brücke werden von einer Spezialfirma durchgeführt. Welche einzelnen Schritte notwendig sind, damit die Brücke auch gut die nächsten Jahrzehnte übersteht, erklärt Christian Magill: „Als erstes wurde der alte Belag entfernt, der Beton gereinigt und eine Epoxidharz-Masse als Grundierung aufgetragen. Dann werden die Schweißbahnen verlegt. Darauf kommt die Schutz- und anschließend die Deckschicht.“ Aber es gibt bei der Brückensanierung noch eine Besonderheit im Vergleich zum herkömmlichen Straßenbau: „Wir verwenden Gussasphalt, also ein Gemisch aus feinen und groben Gesteinskörnungen und Bitumen“, erläutert Gesa Schütte. Das Material sei zwar teurer als herkömmlicher Asphalt, dafür aber deutlich langlebiger und belastbarer.

Ende des Monats, da sind sich Magill und Schütte sicher, sind auch die letzten Sanierungs- und Straßenbauarbeiten abgeschlossen. Dann kann das Zelt abgebaut und die B216 zwischen Lüneburg und Barendorf endlich für den Verkehr freigegeben werden. Bleibt noch eine Frage zu klären — nämlich die der Kosten: „Die liegen bei rund 1,5 Millionen Euro für die gesamte Sanierung der Straße, einschließlich der Brücke“, weiß Gesa Schütte.

Mehr Sicherheit im Verkehr

Im Zuge der Fahrbahnerneuerung der Bundesstraße 216 wurde auch die Verkehrsführung zwischen Lüneburg und dem Barendorfer Kreisel geändert: Auf dem rund 1,7 Kilometer langen Streckenabschnitt wurden anstelle der beidseitigen Mehrzweckstreifen nun wechselseitige jeweils 750 Meter lange Überholfahrstreifen angelegt.

Außerdem wurde am Ortsausgang von Lüneburg in Höhe der Einmündung des Wirtschaftsweges zum Elbe-Seitenkanal eine Querungshilfe installiert. Sie soll Fußgängern ein sicheres Queren ermöglichen. Insbesondere den Nutzern der Bushaltestellen „Kanalbrücke“ auf beiden Seiten, heißt es in einer Pressemitteilung der Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr. Darüber hinaus bleiben sämtliche Einmündungen und Zufahrten zur Bundesstraße auch nach Abschluss der Fahrbahnerneuerung erhalten. Mit einem Unterschied: Die Einmündungen der Waldwege sowie des Unterhaltungsweges östlich des Kanals sind künftig nach dem Prinzip „rechts rein/rechts raus“ zu befahren. Das Kreuzen der B 216 oder das Links-Abbiegen ist künftig nicht mehr möglich.

2 Kommentare

  1. Wie kann an einer Brücke gepfuscht werden?
    Wird bei solchen Baumaßnahmen nicht mal geguck,t gibt es von der Auftraggeber Seite keine Prüfung?
    Frei nach der Motto – ich geb dir die Millionen und du machst das schon.
    Das müsste sich doch inzwischen bis in die kleinste Amtsstube rumgesprochen haben das dass nicht klappt.
    Egal Hauptsache das Geld ist pünktlich weg.

    • @wannenkarl

      Wann wurde die Brücke erbaut?? Richtig und da wurde das noch alles ein wenig lockerer gesehen, heutzutage ist immer jemand vom
      Amt ganztags mit auf der Baustelle. Früher gab es auch noch keine Digitalkameras die mal
      Ebend alles festhalten.