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Andreas Gensch betreibt die Solarbahn in Bad Bevensen. Doch die Zukunft ist unklar. Eine zweite Bahn lässt der Mechtersener für den Centerparc in Bispingen rollen. Foto: t&w
Andreas Gensch betreibt die Solarbahn in Bad Bevensen. Doch die Zukunft ist unklar. Eine zweite Bahn lässt der Mechtersener für den Centerparc in Bispingen rollen. Foto: t&w

Dunkle Wolken über der Solarbahn

ca Bad Bevensen. Bürgermeister Martin Feller ist ein großer Fan der Solarbahn, Touristen, Kurgäste und Einheimische könnten das Vehikel nutzen. Das Konzept sei so „genial“ und erfolgreich, dass man es ausgebaut habe, um weitere Ortsteile zu erschließen. Betreiber Andreas Gensch aus Mechtersen müssten die Ohren klingeln bei so viel Lob, und es kommt noch besser. Das grüne Stadtoberhaupt sagt: „Mit Herrn Gensch fahren wir sehr gut. Ein Riesengewinn für Bad Bevensen.“ Doch Gensch lässt die Ohren hängen, denn ihm droht nun das Aus für seine Bahn, der Vertrag soll Ende Mai 2016 auslaufen: „Das hat mich kalt erwischt. Ich habe mich auf Zusagen verlassen und bin nun verlassen.“

LZplay-Video: Erst im Juni 2014 nahm Andreas Gensch die Fahrten mit der Solarbahn in Bad Bevensen auf.

Der Hintergrund ist ein bisschen kompliziert. Feller und Gensch erklären ihn. Gensch hat seinen Vertrag mit dem Bad Bevensen Marketing auf zwei Jahre abgeschlossen. Aber klar sei gewesen, dass er danach um acht Jahre verlängert werde. Das BBM zahlt ihm jährlich 120000 Euro für den Betrieb. Gensch verweist auf einen Passus, der ihm zusichere, dass dann die Stadt für die BBM einsteige. Feller erklärt, das sei strittig.

Die Marketinggesellschaft der Kurstadt hat eine unruhige Zeit hinter sich. Weil die Übernachtungs- und Gästezahlen sinken, kam erst ein neuer Geschäftsführer, dann eine Wirtschaftsagentur, die die Geschäftsführung übernommen hat. Laut Feller geht es darum, Kosten zu sparen. Unter diesem Blick wolle die BBM den Zuschuss für die Solarbahn streichen. Zudem mache das Marketing darauf aufmerksam, dass es keine europaweite Ausschreibung gegeben habe. Deshalb könne man einen Schlussstrich ziehen.

Feller erklärt, auf die Ausschreibung habe man mit Zustimmung der Kommunalaufsicht in Uelzen verzichtet, als vor rund zwei Jahren ein Wechsel von der alten Dieselbahn zum Solarzug erfolgte. Den Strom-Express habe man haben wollen, weil er eben keine Abgase ausstoße und umweltfreundlich sei. Die Ausschreibung müsse sein, aber da Gensch höchstwahrscheinlich der einzige Interessent sein dürfte, werde er das Rennen machen.

Gensch selbst ist weniger optimistisch, vor allem weil mit ihm noch niemand aus der Verwaltung gesprochen habe. Er versteht das Hickhack nicht, denn die Stadt habe die Kurabgabe um 30 Cent erhöht, um die Solarbahn anzubieten. Kurgäste und Touristen fahren kostenlos, wenn sie ihre Kurkarte vorzeigen, Einheimische lösen für zwei Euro eine Tageskarte.

300000 Euro habe er investiert, sagt Gensch und extra Wagen bauen lassen. Das Geld hätte er bei einer unklaren Lage nicht ausgegeben. Bevensen kam ihm allerdings gelegen. Denn bekanntlich hatte er zunächst Touristen durch Lüneburg fahren wollen, war in der Salzstadt mit seinem Projekt aber auf massiven Widerstand gestoßen. Die Lüneburger kennen Gensch seit langen Jahren, mit seinen grünen Kutschen zeigt er Gästen Sehenswürdigkeiten.

Zurück nach Bevensen. Bürgermeister Feller berichtet, der Verwaltungsausschuss der Gemeinde habe sich dagegen ausgesprochen, in den Vertrag mit dem Solarbahn-Betreiber einzusteigen. Allerdings sei das kein Votum des Rates. Nachdem im Stadtparlament die Koalition von SPD und Grünen an der unterschiedlichen Haltung zum Bau der Autobahn 39 zerbrochen sei, fehle es an einer Mehrheit.

Bad Bevensens grüner Bürgermeister hofft nun, dass sich die Parteien zusammenraufen, um die Solarbahn weiter durch die Kurstadt schnurren zu lassen, denn: „Aus meiner Sicht müssten wir den Fahrplan noch ausbauen.“ Immer mehr Menschen, vor allem ältere, zögen nach Bad Bevensen, und die würden das Angebot gerne nutzen. Vielleicht scheint die Sonne für Andreas Gensch dann doch noch.