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Eleonore Tatge (vorne) und Christine Ullmann möchten mit einer Veranstaltung die Auswirkungen häuslicher Gewalt auf den Arbeitsplatz in den Blickpunkt rücken. Foto: t&w
Eleonore Tatge (vorne) und Christine Ullmann möchten mit einer Veranstaltung die Auswirkungen häuslicher Gewalt auf den Arbeitsplatz in den Blickpunkt rücken. Foto: t&w

Schweigen macht Opfer häuslicher Gewalt krank

as Lüneburg. Unkonzentriert und angespannt, oft mit verschrecktem Blick sitzt Elsa B. seit einiger Zeit an ihrem Arbeitsplatz. Sie macht Fehler, die sie früher nie gemacht hätte. Eine Kollegin hakt nach: Ist etwas mit dir? Elsa B. schüttelt den Kopf. Ihre Kollegin wendet sich nicht an den Vorgesetzten, weil sie befürchtet, sie könnte Elsa B. damit in die Bredouille bringen. Elsa B. klagt immer öfter über Kopfschmerzen, immer häufiger erhält ihre Firma von ihr Krankmeldungen. Irgendwann schmeißt sie den Job. Ein fiktiver Fall, den Eleonore Tatge und Christine Ullmann vom Runden Tisch gegen Gewalt in der Familie schildern. Der jedoch einen schlimmen realen Hintergrund hat. „Die Frau ist nicht anfällig für Stress oder Krankheiten, sondern sie ist Opfer von häuslicher Gewalt und versucht das zu kaschieren“, sagt Eleonore Tatge.

Anlässlich des Internationalen Tags gegen Gewalt an Frauen und Mädchen nimmt der Runde Tisch gegen Gewalt in der Familie das Thema „Auswirkungen häuslicher Gewalt auf den Arbeitsplatz“ in den Fokus. Dazu findet am kommenden Freitag, 27. November, von 14 bis 16 Uhr eine Veranstaltung im Behördenzentrum Auf der Hude statt.

Zum Auftakt wird ein Film gezeigt, der thematisiert, warum Frauen verschweigen, dass sie vom Partner zu Hause psychisch und physisch massiv unter Druck gesetzt und geschlagen werden. Anschließend wird Anna Hellmann vom Verein „Terre des femmes — Menschenrechte für die Frau“ zu dem Thema referieren, und bei einer Podiumsdiskussion können Arbeitgeber nachhaken.

„Wir wollen die Arbeitgeber mit dieser Veranstaltung für ein Thema sensibilisieren, das nur langsam aus der Tabu-Zone heraus kommt“, sagt Christine Ullmann. Jede 3. Frau in Deutschland ist von sexueller oder körperlicher Gewalt betroffen, das haben mehrere Studien ergeben. „Aber viele Frauen glauben, sie dürften das nicht nach außen tragen. Kollegen und Arbeitgeber sollen es nicht wissen. Dabei würde es den Frauen helfen, wenn ihre Umgebung erfährt, dass sie zum Beispiel zu Hause verprügelt werden oder unter massiven Psycho-Druck stehen“, sagt Eleonore Tatge. Doch dazu müsse ein Klima des Vertrauens am Arbeitsplatz geschaffen werden, so dass sie sich mit ihren Ängsten und Nöten öffnen. Ist das nicht vorhanden, drückt der tägliche Albtraum auf die Psyche. Kopf- und Magenschmerzen können unter anderem die Folge sein, daraus können chronische Erkrankungen entstehen. Die Folge: Betroffene fehlen häufig am Arbeitsplatz. „Zu Fehlstunden kommt es aber auch, weil die Frauen ihre Verletzungen verbergen wollen und deshalb nicht zur Arbeit gehen“.

Wenn Arbeitgeber dafür die Hintergründe kennen, können sie damit anders umgehen. Sprich: gegebenenfalls auf Frauen zugehen und Tipps geben, wo es Hilfe gibt. Ein wichtiger Schritt, um Gewaltopfern zu helfen, aber auch im Sinne von Unternehmen, wenn es darum geht, die Arbeitskraft zu erhalten, erläutern Ullmann und Tatge. Sie hoffen auf rege Beteiligung an der Veranstaltung, Einladungen zur Info-Veranstaltung sind unter anderem an den Arbeitgeberverband, die IHK, Handwerkskammer sowie an Behörden und Institutionen gegangen.