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Ein gelb blühendes Senffeld nicht nur ein schöner Anblick, den Anbau der Pflanze als Zwischenfrucht können sich Landwirte auch anrechnen lassen, um die sogenannte Greening-Prämie zu erhalten. Bis die Öko-Prämie ausgezahlt wird, müssen sich die Bauern allerdings gedulden. Foto: t&w
Ein gelb blühendes Senffeld nicht nur ein schöner Anblick, den Anbau der Pflanze als Zwischenfrucht können sich Landwirte auch anrechnen lassen, um die sogenannte Greening-Prämie zu erhalten. Bis die Öko-Prämie ausgezahlt wird, müssen sich die Bauern allerdings gedulden. Foto: t&w

Warten auf die Öko-Prämie

off Lüneburg. Schlechte Nachrichten für Niedersachsens Landwirte: Die Direktzahlungen — Kernelement der europäischen Agrarförderung — werden nicht wie geplant überwiesen. Zumindest nicht in voller Höhe. Während die Basisprämie wie angekündigt Ende Dezember ausgezahlt werden soll, müssen die Landwirte auf den sogenannten Greening-Zuschlag (Öko-Prämie) mindestens bis Ende Februar warten. „Damit fehlen uns im Dezember rund 30 Prozent der eingeplanten Mittel“, sagt der Vorsitzende des Bauernverbandes Nordostniedersachsen, Thorsten Riggert. Geld, „auf das die meisten Landwirte in diesem Jahr ganz besonders angewiesen sind“.

Die Situation der Höfe sei schlecht, „die derzeitigen Verhältnisse sind für viele Betriebe existenzgefährend“, sagte der Präsident der Landwirtschaftskammer, Gerhard Schwetje, bei der Präsentation der Unternehmensergebnisse 2014/2015. Alle Erzeugerpreise seien im vergangenen Jahr gesunken, zum Teil um bis zu 30 Prozent unter das Vorjahresniveau. „Rote Zahlen sind auf vielen Betriebskonten bittere Realität“, so Schwetje. Eine Situation, in der eine Verzögerung der Prämienauszahlung viele Landwirte besonders hart trifft.

Als Grund für den Zahlungsaufschub nennt das zuständige Landwirtschaftsministerium in Hannover, „dass die für die Gewährung dieser Öko-Prämie notwendigen zusätzlichen Vor-Ort-Kontrollen der ökologischen Vorrangflächen nicht bis Ende Dezember abgeschlossen werden können“. Für Verbandsvertreter Riggert keine Überraschung. „Experten haben das lange vorhergesagt“, sagt er, „doch statt ehrlich mit uns zu sein, haben die Politiker abgewunken und uns weisgemacht, wir könnten auf eine Auszahlung im Dezember zählen.“

Hintergrund des ganzen Wirrwarrs ist die EU-weite Neuaufstellung der Agrarförderung. Noch im vergangenen Jahr haben Landwirte als Direktzahlung einen festen Gesamtbetrag pro Hektar erhalten — unabhängig von der Produktion. Nach den neuen Regeln ist ein Teil der Direktzahlungen, die sogenannte Greening-Prämie, an zusätzliche Umweltleistungen gebunden. Und um die zu erfüllen, haben in Niedersachsen etwa 85 Prozent aller Antragsteller Zwischenfrüchte oder Untersaaten angelegt. „Weil Zwischenfrüchte aber noch bis Ende September ausgesät werden dürfen, macht eine Kontrolle erst ab Oktober Sinn“, sagt Ministeriumssprecher Manfred Böhling. Zu spät, um bis Ende Dezember Kontrollen und Datenverarbeitung abgeschlossen zu haben. „Deshalb ist der Auszahlungstermin auf Ende Februar verschoben.“

Konkret bedeutet das: Ein Betrieb mit 100 Hektar erhält Ende Dezember lediglich rund 19000 Euro Basisprämie (etwa 190 Euro/Hektar), muss auf die 8700 Euro Greening-Prämie (rund 87 Euro/Hektar) zunächst verzichten. „Für jemanden mit gut gefülltem Konto sicherlich kein Problem“, sagt Riggert, „der kann die zwei Monate überbrücken.“ Doch wer wie er als Ferkelerzeuger ein katastrophales Jahr hinter sich hat und im Dezember mit den Direktzahlungen gerechnet hat, den könne das in eine echte Krise stürzen.

Rechtlich, sagt der Vorsitzende des Bauernverbandes, könne er dem Ministerium nichts vorwerfen. Danach hätte die Auszahlung noch bis August 2016 Zeit. „Doch man hat uns die Auszahlung aller EU-Prämien noch in diesem Jahr zugesagt und wer sich in seinen Reden immer wieder für den Erhalt bäuerlicher Betriebe starkmacht, sollte seine Versprechen auch halten.“