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Vor ihrem Haus in Bardowick soll die Besitzerin von ihren Mietern attackiert und verletzt worden sein. Foto: be
Vor ihrem Haus in Bardowick soll die Besitzerin von ihren Mietern attackiert und verletzt worden sein. Foto: be

Streit um Mietwohnung eskaliert

us Bardowick. Acht Wochen liegt das Geschehen auf dem Grundstück an der Hamburger Landstraße in Bardowick zurück, doch die Schrecken des Erlebten sitzen bei der 43-Jährigen noch immer tief. „Ich habe Angst um mein Leben“, sagt die Frau, die schwere Vorwürfe gegen frühere Mieter ihrer Wohnung erhebt. Bei einer geplanten Wohnungsübergabe soll sie ebenso wie ihre drei Begleiter massiv bedroht, sie selbst sogar mit Zaunlatten angegriffen worden sein. Noch heute sind Verletzungen an ihrem Oberarm und an ihrer Hand erkennbar, die von dem Angriff herrühren sollen.

„Ich hatte um ein Gespräch mit meiner Mieterin gebeten, weil ich seit ein paar Monaten kein Geld mehr erhielt“, sagt N., die ihren kompletten Namen aus Angst nicht in der Zeitung lesen möchte. Doch zu einem Gespräch sei es nicht gekommen. Ihren Schilderungen zufolge wurde sie an der Wohnungstür von ihrer Mieterin mit den Worten „blöde Zigeunerin“ schroff abgewiesen und zurück in den Vorgarten geschubst, anschließend habe die Frau ihren Lebenspartner herbeigerufen. „Der kam plötzlich mit einem riesigen Schwert raus in den Garten und hat mich und meine Begleiter verfolgt und angegriffen“, beschreibt die Hamburgerin den Vorgang. Auch dessen Bruder soll plötzlich aufgetaucht sein und die Gruppe mit Holzstock und Schaufel attackiert haben. „Wir sind nur gerannt, aus dem Garten hinaus zu meinem Fahrzeug.“ Doch die Verfolger hätten sie weiter bedrängt und angeschrien. Auf einen ihrer Begleiter hätten sie mit der Schaufel eingeschlagen, dabei auch den Gartenzaun zertrümmert. Auch sie selbst sei dabei verletzt worden.

Weshalb die Situation mit ihren Mietern, die seit Februar mit zwei kleinen Kindern in einer der beiden Wohnungen im Haus lebten, plötzlich derart eskalierte, könne sie sich nicht erklären: „Zu Beginn lief alles sehr harmonisch.“ Bei Vertragsabschluss sei vereinbart worden, dass die Miete vom Jobcenter direkt auf ihr Konto überwiesen wird. Das habe anfangs geklappt, doch bereits ab Mai seien keine Zahlungen mehr eingegangen. Mehrfach habe sie das Gespräch mit ihrer Mieterin und deren Partner gesucht vergeblich.

Sie schaltete einen Anwalt ein, Anfang Juli kündigte sie ihrer Mieterin fristlos. Bei einem Treffen wenige Tage später hätten beide, die Mieterin und deren Partner, ihr gegenüber mitgeteilt, dass sie ab August bereits eine andere Wohnung hätten. Zur Übergabe der Bardowicker Wohnung kam es dennoch nicht, im Gegenteil: Nur gegen eine Zahlung von 7000 Euro seien sie bereit, die Wohnung zu räumen, habe das Paar gesagt.

„Ich weiß nicht mehr, was ich tun soll“, sagt die 43-Jährige, seit dem Vorfall leide sie unter Schmerzen, Angstattacken und Schlafstörungen. Der Forderung ihrer Mieter werde sie auf keinen Fall nachkommen, dafür und für eine Räumungsklage fehle ihr das Geld. Bei der Bardowicker Polizei erstatteten sie und ihre drei Begleiter Anzeige. „Wir gehen der Sache nach und werden das Ergebnis unserer Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Lüneburg zuleiten“, heißt es dazu von Antje Freudenberg, Pressesprecherin der Lüneburger Polizei.

Wenige Wochen später hatte N. sich im Beisein der Polizei Zugang zu ihrer Wohnung verschaffen können. Den Zustand beschreibt sie so: „Die Wohnung ist verwüstet, vieles wurde zerstört. Die gesamte Einrichtung wurde mitgenommen: die Einbauküche mit allen Geräten, einen massiven Kamin sowie mehrere Einrichtungsgegenstände. Ein Schaden von mindestens 40000 Euro.“

Die beiden ehemaligen Bewohner waren zu einer Stellungnahme gegenüber der LZ nicht bereit. „Ich wohne dort nicht mehr und äußere mich nicht dazu“, sagte der Lebenspartner nur knapp, die Mieterin selbst war für die LZ nicht erreichbar.

Neben der körperlichen und seelischen Pein wird N. wohl auch den finanziellen Schaden, zu dem auch mehr als 3000 Euro aus entgangenen Mieteinnahmen und anderen Verpflichtungen der Mieter hinzukommen, verkraften müssen. Ob sie das Geld je sieht, scheint mehr als fraglich. „Zwar kann man bei Gericht einen kostenpflichtigen Zahlungsantrag stellen. Damit aber wirft man in solchen Fällen oft nur gutes Geld schlechtem hinterher“, sagt Hauke Stark, Vorsitzender von Haus & Grund in Lüneburg. Er rät in solchen Fällen, nicht zu lange mit rechtlichen Schritten zu warten: „Schon bei zwei Monatsmieten in Verzug kann fristlos gekündigt werden.“ Um eine Räumungsklage aber komme man letztlich nicht herum, wenn Mieter sich nicht kooperationsbereit zeigen. „Das geht in Lüneburg mit zwei bis drei Monaten relativ zügig“, weiß Stark. Allerdings: Auch hier fallen Kosten an, die der Vermieter tragen müsse.

Schutz vor Mietnomaden
Was im Volksmund als oft „Mietnomadentum“ bezeichnet wird, also in betrügerischer Absicht planvoll Mietzahlungen zu verweigern, erfüllt laut Hauke Stark, Vorsitzender des Vereins Haus & Grund in Lüneburg, den Straftatbestand des Eingehungsverbots. „Der ist dann erfüllt, wenn man Verbindlichkeiten eingeht, von denen man weiß, dass man sie nicht bezahlen kann.“

Um sich vor Mietnomaden besser schützen zu können, sollten Vermieter folgende Empfehlungen vor Abschluss eines Vertrags berücksichtigen:

1. Prüfung der Mieter-Bonität. Dazu gehören Solvenz-Checks, wie sie von Haus & Grund und anderen Institutionen angeboten werden. Mietinteressierten sollte ein Fragebogen vorgelegt werden, auch die letzte Gehaltsabrechnung oder der Leistungsbescheid des Jobcenters oder anderer Einrichtungen sollte eingesehen werden.

2. Niemals auf die Kaution verzichten. Maximal sind drei Monatskaltmieten zulässig, üblich sind zwei.

3. Abschluss einer Rechtsschutzversicherung. Die Kosten bei Mietrechtsauseinandersetzungen können schnell mehrere Tausend Euro betragen.

4. Mitgliedschaft in einem Verein wie Haus & Grund. Vermieter erhalten so auch Beratung im außergerichtlichen Bereich, gegebenenfalls kostengünstigen Rechtsbeistand.

Mitwirkung des Jobcenters

Als Mieter haben Hartz-IV-Empfänger Anspruch auf Zahlung der Miete durch das Jobcenter. Will der Vermieter sicher gehen, dass er das Geld tatsächlich erhält, kann im Mietvertrag vereinbart werden, dass es direkt auf das Konto des Vermieters überwiesen wird. „Der Leistungsempfänger muss dafür gegenüber dem Jobcenter eine Abtretungserklärung abgeben“, erklärt Angelika Brauer, Geschäftsführerin des Jobcenters Lüneburg.

Das Problem: Diese Erklärung kann jederzeit vom Leistungsempfänger widerrufen werden. Allerdings sei er verpflichtet, dem Jobcenter gegenüber zuzusichern, dass er die Mietzahlungen künftig selbst übernimmt.

Bleiben die Mietzahlungen dennoch aus, müssen Vermieter ihre Forderungen gegenüber ihren Mietern, nicht gegenüber dem Jobcenter geltend machen. „Wir sind nicht Rechtspartner der Vermieter“, stellt Angelika Brauer klar. In solchen Fällen werde man zwar mit dem Leistungsempfänger Kontakt aufnehmen und ihn an seine Zahlungspflicht erinnern.

Die ausstehende Miete selbst aber könne nicht vom Jobcenter an den Vermieter überwiesen werden, das käme einer Entmündigung des Leistungsempfängers gleich. Offene Forderungen könnten daher nur auf zivilrechtlichem Wege geltend gemacht werden, letztlich also mit einer Klage vor Gericht. Erst wenn ein Pfändungs- oder Überweisungsbeschluss vorliege, könne beim Jobcenter eine Pfändung erwirkt werden.

Zwar erklärt die Geschäftsführerin der Lüneburger Einrichtung, dass es nicht im Sinne des Jobcenters sei, wenn gewährte Mittel für die Miete zweckentfremdet werden, „unsere Aufgabe aber ist es, drohende Obdachlosigkeit zu vermeiden und Mittel für den Lebensunterhalt und die Unterkunft sicherzustellen“.

Radau in der Nacht

Ärger mit Mietern hatte jetzt auch ein anderer Lüneburger. Er und seine Frau hätten Appartements, die bislang als Ferienwohnungen dienten, an Mitarbeiter eines Wachdienstes vermietet. Doch statt wie vereinbart sechs Personen hätten dort „neun bis vierzehn Menschen quasi im Schichtdienst“ gewohnt. Es habe mehrfach Ärger mit Nachbarn wegen nächtlichem Radau gegeben, Miete sei nie gezahlt worden, die Wohnungen an der Straße Hohe Luft seien verdreckt gewesen, auch sei einiges kaputt gegangen. Erst nachdem er zwei Anwälte eingeschaltet hatte und einige Wochen vergingen, habe er die ungebührlichen Hausgäste wieder rausbekommen.