Aktuell
Home | Lokales | Bad Bevensen | Sanierung der Klosterkirche Ebstorf geht in die Endphase
Seit rund einem Jahr wird die Klosterkirche Ebstorf saniert, werden Risse im Gewölbe beseitigt, gebrochene Bodenplatten ausgetauscht, Altar und Farbfassungen saniert. Knapp 900 000 Euro sind für die Arbeiten veranschlagt. Foto: wb
Seit rund einem Jahr wird die Klosterkirche Ebstorf saniert, werden Risse im Gewölbe beseitigt, gebrochene Bodenplatten ausgetauscht, Altar und Farbfassungen saniert. Knapp 900 000 Euro sind für die Arbeiten veranschlagt. Foto: wb

Sanierung der Klosterkirche Ebstorf geht in die Endphase

wb Ebstorf. Die grauen Holzpodeste glänzen an einigen Stellen noch, bald wird die letzte, die dritte Schicht Lack aufgetragen, die die spiegelnde Optik ermatten lässt. Die Sanierung der Ebstorfer Klosterkirche ist in der Endphase. „Am dritten Advent soll der Eröffnungsgottesdienst gefeiert werden“, kündigt Reinhard Benhöfer an. Seit über einem Jahr koordiniert der Bauleiter der Klosterkammer Hannover die Gewerke in dem Gotteshaus. Für knapp 900000 Euro erhält die Kirche aus dem 14. Jahrhundert ihre Frischekur. Risse im Gewölbe, gebrochene Bodenplatten, Holzfraß am frühbarocken Altar von 1684 und sanierungswürdige Farbfassungen — die Großbaustelle Klosterkirche forderte den Einsatz zahlreicher Fachleute.

Einer von ihnen ist Jürgen Bunge. Der Tischler hat auf dem Dachboden der Klosterkirche Quartier bezogen. Direkt unter den Dachbalken nimmt er die Holzbänke der Kirche in Augenschein, bessert faule Stellen aus, streicht die Sitzgelegenheiten neu. „Kirchenbänke habe ich schon häufiger aufgearbeitet, dass ich dafür auf den Dachboden ausweiche, ist aber schon außergewöhnlich“, sagt Bunge und klopft sich, als wollte er Argumente für seine Verbannung liefern, den feinen Holzstaub aus den Kleidern. „Wir mussten die Bänke hier machen — weil wir sonst nirgends Platz hatten und sich die Leute gegenseitig behindern“, erklärt Reinhard Benhöfer. Die kleinen Partikel, die bei den Schleifarbeiten an den Holzbänken anfielen, würden den Restaurator bei seiner Bearbeitung des Holzaltars stören. Und der Staub, den der Plattenverleger im Chorraum aufwirbelt, würde sich auf frisch gestrichenen Holzbänken nicht gut machen. Koordination ist die Aufgabe — und zwar nicht die einzige. Denn neben der Organisation der Gewerke, deren Handgriffe sich auf Analysen der Experten der Klosterkammer Hannover beziehen, gilt es auch Kompromisse zu finden — von der Farbgestaltung des Gewölbes bis zur Anzahl der Bänke.

Denn nicht alle Bänke, die 2014 ausgebaut wurden, werden am 13. Dezember wieder ihren Platz in dem frisch sanierten Kirchenschiff finden. Einen Teil hatten Bauleitung, Kirchengemeinde und Äbtissin Erika Krüger aussortiert und an Interessierte versteigert — weil die Schäden zu groß waren oder das neue Sitzkonzept schlicht keinen Platz mehr für sie vorsah. „Wir werden die Reihen etwas luftiger stellen“, erklärt Reinhard Benhöfer. Anstatt der bisherigen 610 Sitzplätze werden nur noch 530 zur Verfügung stehen — mehr als genug für die Zwecke von Kirchengemeinde und Kloster, versichert Benhöfer, obgleich Anzahl und Positionierung der Holzmöbel eine der vielen Diskussionen rund um die Klosterkirchensanierung war.

Entscheidend war auch die Frage, welches der vielen Gesichter, das die Klosterkirche im Laufe der Jahrhunderte gezeigt hat, im Zuge der Sanierung neu erstrahlen soll. Die Untersuchungen der Experten haben viele Schichten verschiedenster Farbgestaltung im Gotteshaus zu Tage gefördert. Unterschiedliche Auffassungen gab es unter den Restauratoren zum Beispiel zu der Pflasterfläche vor dem Altar. Denn um Leitungen zu verlegen, wurden Steine angehoben, zudem galt es Bruchstellen auszubessern. „Wir haben diskutiert, ob wir lieber dunkleren Mörtel nehmen oder helleren und damit in Kauf nehmen, dass der Unterschied zwischen neuen und alten Fugen sichtbar wird“, beschreibt Benhöfer einen der alltäglichen Konflikte. „Das sind einfach zwei Philosophien: Soll man die neuen Bauteile gleich auf alt trimmen, um zu suggerieren, dass dort nichts erneuert wurde, oder nicht?“ In Ebstorf setzten sich Benhöfer und seine Mitstreiter mit dem helleren Mörtel durch. „Sonst wäre es zu dunkel geworden.“

Hintergrund
Das Kloster Ebstorf ist eines von sechs evangelischen Heideklöstern. Geleitet wird das Kloster von Äbtissin Erika Krüger, sie steht dem Konvent — also den Damen, die im Kloster leben — vor. Jede Bewohnerin übernimmt eine Aufgabe zum Erhalt des Klosters. Die Klosterkirche teilen sich Konvent und Kirchengemeinde — sowohl hinsichtlich der Besitzverhältnisse als auch in Bezug auf Veranstaltungen. Während der Sanierungsphase ist die Kirchengemeinde vor allem in das Gemeindehaus und in das Alte Refektorium im Kloster ausgewichen.