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Im Hanseviertel wurde und wird viel gebaut. Doch für Menschen mit schmalem Geldbeutel ist nicht viel dabei. Es herrscht Wohnungsnot. Foto: t&w
Im Hanseviertel wurde und wird viel gebaut. Doch für Menschen mit schmalem Geldbeutel ist nicht viel dabei. Es herrscht Wohnungsnot. Foto: t&w

Konzept gegen die Wohnungsnot

as Lüneburg. Es herrscht Druck auf dem Lüneburger Wohnungsmarkt, und es muss etwas passieren. Darüber sind sich Politik und Verwaltung einig. Abhilfe schaffen soll ein Wohnungsbauprogramm, mit dem 2100 neue Wohneinheiten bis 2021 geschaffen werden sollen. Die Verwaltungsspitze um Oberbürgermeister Ulrich Mädge hat es entwickelt, auch mit dem Blick auf die Schaffung von günstigem Wohnraum. Große Zustimmung für das Konzept gab es im Rat von SPD, CDU, Linken und der Gruppe FDP/Piraten. Nur die Grünen drückten auf die Bremse — erfolglos. Gegen ihre Stimmen nahm der Rat das Papier zustimmend zur Kenntnis. Die Verwaltung wurde beauftragt, bis zum Frühjahr ein Programm bis zur Beschlussfassung zu erarbeiten.

Die 2100 Wohneinheiten sollen zu je einem Drittel im geförderten Mietwohnungsbau, im frei finanzierten Wohnungsbau und durch Einfamilien- und Reihenhäuser entstehen. Umgesetzt werden soll das mit Mitteln aus dem frisch aufgelegten Landeswohnbauprogramm, flankiert von einem kommunalen Wohnungsbauprogramm, das Anreize schaffen will für Investoren im sozialen Wohnungsbau. Eine Liste mit möglichen Baulandflächen hat die Verwaltung aufgestellt.

Mit einigen davon haben die Grünen ein Problem. Ulrich Blanck ergriff eingangs der Ratssitzung das Wort und beantragte, den Tagesordnungspunkt bis zur nächsten Ratssitzung zu verschieben. „Wir wollen die Interessen von Naturschutz und Sozialem in Einklang miteinander bringen und werden nicht zulassen, sie gegeneinander auszuspielen“, begründete er. Die Fraktion befinde sich im Abstimmungsprozess mit der Partei und den Umweltverbänden, man brauche noch Zeit, um bei offenen Fragen einen Konsens zu erreichen. Bis Mitte Dezember sei man entscheidungsbereit.

Klaus-Dieter Salewski, Fraktionschef des Gruppenpartners SPD, zeigte sich „überrascht“ über den Vorstoß. Wohnraum zu schaffen, sei ein dringendes Anliegen, der zu fassende Beschluss nur der Startschuss für das Programm. Für Michèl Pauly, Fraktionschef der Linken, hat das Wohnungsbauprogramm hohe Priorität. CDU-Fraktionschef Niels Webersinn wunderte sich über die Grünen, längst hätte diese mit der Basis alles Notwendige bereden können. Der Antrag wurde mehrheitlich abgelehnt.

Mädge ließ mit Blick darauf, dass Lüneburg nicht nur Zuzugsgebiet ist, sondern künftig auch anerkannte Flüchtlinge Wohnungen brauchen, keinen Zweifel daran: „Ich muss Wohnraum schaffen.“ Und zwar für unterschiedliche Bedarfe. Für ihn ist dabei eine Prämisse: Es kommt auf den sozialen Mix an. Umzusetzen sei das nicht nur mit Nachverdichtung und dem Aufstocken von bestehenden Häusern. Dafür hatte der Ortsverband der Grünen Anfang November plädiert. Volker Butenschön, Sprecher im Ortsverband, hatte betont: Naturschutz und Wohnraumbedarf dürfe nicht gegeneinander ausgespielt werden.

Mädge sagt: Da es neben der Schlieffenkaserne keine innerstädtischen Flächen mehr gibt, müsse man auf Ackerflächen am Stadtrand gehen. Mit einigen Flächen, insbesondere der am Wienebütteler Weg, haben die Grünen sowie der Naturschutzbund ein Problem. „Der Westen muss frei bleiben“, hatte der Nabu in einem Papier im Vorfeld der Ratssitzung an alle Fraktionen appelliert. Keine Bebauung im sogenannten Grüngürtel West, den das geplante Neubaugebiet Wienebütteler Weg anknabbern würde, da das Areal wichtig sei für die Kalt- und Frischluftzufuhr.

Mädge verwies darauf, dass die Stadt dafür ein Klimagutachten habe erstellen lassen, das Eckpunkte vorgibt, damit trotz Bebauung die Belüftung gewährleistet ist. Er machte deutlich, dass über die Inhalte des Wohnungsbauprogramms mit vielen Ratsmitgliedern in den vergangenen Wochen gesprochen worden sei. Man wolle auch die Umweltverbände in den Prozess einbinden. „Aber ich verwehre mich dagegen, dass diese und jene Fläche nicht geht. Ich fordere Sie auf, mit uns in den Dialog zu treten.“ In Richtung Politik sagte er: „Ich lege Wert darauf, dass Sie das Konzeptpapier zustimmend zur Kenntnis nehmen, damit wir weiter daran arbeiten und im April eine Satzung haben.“

Salewski plädierte dafür, den Vorschlag nicht zu zerreden. Es sei höchste Zeit, zu handeln. Es müsse möglich sein, trotz unterschiedlicher Sichtweisen Kompromisse zu finden. Birte Schellmann sagte für die Gruppe FDP/Piraten, man könne mit gutem Gewissen dem Papier zustimmen, es zeige Instrumente zur Schaffung von Wohnraum auf, aber es sei eben der Beginn eines Prozesses. Webersinn meinte, die CDU freue sich über das Programm, das Punkte eines Antrags der CDU aufgenommen habe. Und man freue sich auch, dass die Umweltverbände sich beteiligten.

Der grüne Fraktionschef Andreas Meihsies attestierte, das es ein „gutes Programm“ sei, gleichwohl sei es urgrünes Verständnis, sich für den Naturschutz einzusetzen. Sein Fraktionskollege Wolfram Plener sagte: „Wir wollen eine ressourcenschonende Stadtentwicklung.“ Die Grünen beharrten darauf, das Wörtchen „zustimmend“ aus dem Beschluss zu streichen. Die Ratsmehrheit winkte da ab. Pauly lobte den Mut der Verwaltung, einzelne Baugebiete reinzunehmen, „die wir diskutieren werden“.

One comment

  1. 2100 neue Wohneinheiten bis 2021 ? selten so gelacht. soll manzke die arbeit allein machen? welche bauern sollen denn gelockt werden? werden kartoffeln demnächst in deutschland eingeführt? es gibt asiatische länder, die dreimal im jahr reis ernten könnten, wenn es keine lobbyisten geben würde.