Donnerstag , 8. Dezember 2016
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Nach der Tour im Trog: Karin Bertholdes-Sandrock (3.v.l.) schaut sich mit ihren CDU-Landtagskollegen das Hebewerksmodell mit der Kanalschleuse an. Mit dabei (v.l.): Lutz Winkelmann, Gudrun Pieper, Heiner Schönecke, Horst Schiesgeries, Jörg Hillmer, Ingrid Klopp und Ernst-Ingolf Angermann. Foto: t&w
Nach der Tour im Trog: Karin Bertholdes-Sandrock (3.v.l.) schaut sich mit ihren CDU-Landtagskollegen das Hebewerksmodell mit der Kanalschleuse an. Mit dabei (v.l.): Lutz Winkelmann, Gudrun Pieper, Heiner Schönecke, Horst Schiesgeries, Jörg Hillmer, Ingrid Klopp und Ernst-Ingolf Angermann. Foto: t&w

Bundestag bewilligt Planungsmittel für neue Kanalschleuse bei Scharnebeck

pm/dth Berlin/Scharnebeck. Im riesigen Milliarden-Etat des Bundesverkehrsministeriums geht es als unauffällige Randnotiz fast unter. Doch für den Ausbau des Elbe-Seitenkanals bedeutet der Haushaltsbeschluss des Bundestages einen großen Schritt nach vorn. Die Abgeordneten bewilligten am Freitag mit dem Gesamtpaket für 2016 auch zehn Millionen Euro neue Planungsmittel für den Bau der Schleuse Scharnebeck. „Das ist ein ganz klares Signal für dieses wichtige Projekt“, sagte Verkehrsstaatssekretär Enak Ferlemann (CDU). „Jetzt können wir dieses Nadelöhr richtig aufmachen.“ Die Entscheidung für die Planungsmittel war erwartet worden.

Niedersachsens Wirtschaftsminister Olaf Lies (SPD) zeigte sich hoch erfreut. „Damit machen wir einen Riesenschritt nach vorne.“ Mit dem Berliner Votum steigen auch die Chancen erheblich, dass die Schleuse in den vordringlichen Bedarf des neuen Bundesverkehrswegeplans (BVWP) aufgenommen wird — und zwar als „vorgezogener Ersatzneubau“ für das derzeitige Schiffshebewerk.

Je näher die Entscheidung zum neuen Bundesverkehrswegeplan rückt, desto kürzer werden die Zeitabstände, in denen sich Landes- und Bundespolitiker die Klinke in die Hand drücken bei Besuchen des Schiffshebewerks in Scharnebeck. Jetzt nutzte ein Gespann von acht CDU-Landtagsabgeordneten die Gelegenheit, sich das einst weltgrößte Schiffshebewerk anzusehen. Und um sich von Vertretern der Industrie- und Handelskammer Lüneburg-Wolfsburg sowie der Wirtschaftsförderung Lüneburg die Bedeutung der neuen Schleuse am Elbe-Seitenkanal (ESK) vor Augen führen zu lassen. Scharnebeck war nur eine Station einer ESK-Tour der Landespolitiker, die der Harburger Abgeordnete Heiner Schönecke initiiert hatte.

2014 sprang die auf dem ESK transportierte Gütermenge erstmals über die Marke von zehn Millionen Tonnen. An die insgesamt 10,8 Millionen Tonnen könnte das Jahr 2015 anknüpfen, erklärte Martin Köther, Betriebsleiter des Wasser- und Schifffahrtsamtes Uelzen. „Die Entwicklung bis Oktober 2015 zeigt ein Plus von zwei Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.“ Auch der Containerverkehr steigt rapide an. 2014 waren es rund 80000 Standardcontainer, bis Oktober 2015 sind es nun plus rund 20 Prozent. Doch das Wachstum stößt an seine Grenzen.

Die beiden Tröge sind jeweils nur 100 Meter lang, also zu kurz für die heute üblichen Großmotorgüterschiffe. Und der Anteil der großen Binnenschiffe an der Gesamtflotte, die nicht mehr durch das Nadelöhr passen, wird immer größer.

Für Abhilfe am ESK soll die neue Schleuse sorgen. Angedacht sind auf dem bundeseigenen Gelände direkt neben dem Hebewerk zwei Kammern mit jeweils 190 Metern Länge, um auch gekoppelte Binnenschiffe in einem Zug abfertigen zu können. Mindestens 250 Millionen Euro sind dafür veranschlagt. Das Bauwerk direkt neben dem Hebewerk müsste eine Fallhöhe von 38 Metern überwinden, wäre damit die höchste Binnenschiff-Schleuse weltweit. Nach der Zusage über die zehn Millionen Euro, um die Schleusenpläne zur Baureife zu führen, zeigte sich Betriebsleister Köther zuversichtlich: „Wir reden nicht mehr darüber, ob die Schleuse kommt, sondern wie.“

Weiteren Grund zur Hoffnung gibt Ferlemann angesichts der End-Abstimmung des Bundesverkehrswegeplans. Ende Januar solle die Aufstellung der Infrastrukturprojekte auf Straße, Schiene und Wasserwegen in die Öffentlichkeitsbeteiligung gehen. Niedersachsen, Hamburg und Bremen würden diesmal besonders profitieren, versprach der Staatssekretär. „Jetzt ist der Norden dran.“ Es gehe schließlich um die wichtigen Anbindungen der Seehäfen an das Hinterland. Sehr gute Chancen werden in Berliner Koalitionskreisen daher der Küstenautobahn A 20 und der A 39 zwischen Lüneburg und Wolfsburg eingeräumt. Auch die Bahnstrecken der Alpha-Variante im Dreieck Bremen-Hamburg-Hannover als Ersatz für die Y-Trasse dürften wohl weit oben auftauchen.