Donnerstag , 8. Dezember 2016
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Bürgermeisterin Silke Rogge und Helmut Meier vom Bardowicker Bauamt staunen über den plötzlichen Kahlschlag entlang des ehemaligen Damms der Bahn. Foto: be
Bürgermeisterin Silke Rogge und Helmut Meier vom Bardowicker Bauamt staunen über den plötzlichen Kahlschlag entlang des ehemaligen Damms der Bahn. Foto: be

Bahn hinterlässt Kleinholz

dth Vögelsen. Da hat die Bahn im großen Stil Kleinholz machen lassen. Auf rund zwei Kilometern Länge wurden Bäume und Büsche ebenerdig umgehauen, teilweise auf einer Breite von elf Metern links und rechts der Vögelser Freizeitroute auf dem ehemaligen Bahndamm. Nicht nur Vögelsens Bürgermeisterin Silke Rogge ist schwer irritiert. Sie sagt: „Da wurde ohne unser Wissen einfach Tabula rasa gemacht.“ Kritik äußert auch Helmut Meier vom Bauamt der Samtgemeinde Bardowick: „Ich bin einigermaßigen schockiert. Da ist vieles rausgekommen, was noch gar nicht hätte rauskommen müssen.“ Meier und Rogge kritisieren mangelnde Absprache seitens der Bahn, die den Auftrag dafür erteilt hat. In einer ersten Reaktion räumte Bahn-Sprecher Egbert Meyer-Lovis auf LZ-Nachfrage ein: „Das ist schief gegangen bei uns. Dafür bitten wir um Entschuldigung.“

Die Gemeinde Vögelsen hatte einen zwei Kilometer langen Bahndamm der stillgelegten Buchholzer Bahn vor Jahren gekauft und begann 2007, die Strecke in einen Rundwanderweg zu integrieren. Auf dem Teilstück des ehemaligen Bahndamms verläuft allerdings parallel noch eine Hochspannungsleitung. Damit Büsche und Bäume nicht in die Leitungen hineinragen, hatten Samtgemeinde und Gemeinde in Absprache mit der Bahn regelmäßig den Rückschnitt organisiert.
Meier sagt: „Wir haben in den vergangenen Jahren immer die Bestände sorgsam gehegt und gepflegt.“ Die Gemeinde bot Selbstwerbern die Möglichkeit, das Holz für den Eigendarf auf gemeindeeigenen Flächen zu gewinnen. So seien auch der Bahn Kosten erspart geblieben, sagt Meier. Und die Natur wurde geschont. Meier weiter: „Wir haben uns mit der Bahn immer gut abgestimmt.“ Bis jetzt.

Zuletzt hatte es laut Meier eine Begehung mit Bahnmitarbeitern im Herbst 2014 auf der Trasse gegeben, um sich gemeinsam ein Bild zu machen. Meier: „Von da bis heute hätte man durchaus noch einmal anrufen können. Stattdessen hat man unabgestimmt und ohne Vorabinformation des Grundeigentümers Motorsäge und Bagger mit Zange eingesetzt.“

Abgeholzt wurde vergangene Woche abschnittsweise auf der zwei Kilometer langen Strecke mit einem durchgehenden Kahlschlag auf rund 500 bis 600 Metern auf zwei Mal elf Metern Breite und zwar zwischen Radbrucher Weg in Vögelsen und der Gemarkungsgrenze Mechtersen.

Bei Bürgermeisterin Rogge häuften sich Anfragen besorgter Anwohner, ob nun doch Fakten geschaffen würden für die eigentlich gescheiterte Wiederbelebung der Buchholzer Bahn, wie sie beim zurückliegenden „Dialogforum Schiene Nord“ vom Verkehrsclub Deutschland eingefordert worden war. Rogge sagt: „Das hat mit der Breimeier-Variante nichts zu tun.“

Indes hat sich auch die Untere Naturschutzbehörde beim Landkreis Lüneburg die Sache angesehen. „Es hat eine Störung von Lebensstätten und der Natur im Allgemeinen stattgefunden. Das hätte durch schonenderes und planvolleres Arbeiten vermieden werden können“, sagt Fachdienstleiter Stefan Bartscht. „Aber wir haben keinen formalen Verstoß feststellen können.“

Eine andere Sicht vertritt Helmut Meier vom Bauamt: „Nicht nur, dass die Gemeinde Flächeneigentümer ist, es grenzt auch noch ein Flächenpool der Gemeinde daran. Und die Bahntrasse ist — oder war — das Rückgrat dieses Biotop-Verbundes. Hinzu kommt, dass nun Überwinterungsquartiere für viele Tiere kilometerweit mit Holz zugeschüttet worden sind.“ Dazu sagt Bahn-Sprecher Meyer-Lovis: „Wir mussten die Arbeiten wegen des stürmischen Wetters abbrechen. Wir räumen da noch auf, das wird alles hübsch gemacht.“ Ob die Bahn einen Ausgleich für den Biotop-Verbund schafft, müsse geprüft werden.

Auch wenn von den Gehölzen streckenweise nicht mehr viel übrig geblieben ist, sagt die Bürgermeisterin: „Wir hoffen, dass die Bahn in Zukunft Rückschnittmaßnahmen an unserem Bahndamm mit uns wieder abstimmen wird.“ Bahn-Sprecher Meyer-Lovis gelobt: „Das wird in Zukunft wieder besser.“

One comment

  1. Wer es glaubt! Neue Mentalität ist neuerdings einfach Fakten zu schaffen, entschuldigen kann man sich hinterher immer noch.