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Deutsch Evern: Folgt dem dritten ein viertes Gleis?

ina Deutsch Evern. „Ich begrüße die Entscheidung des Dialogforums Schiene Nord und freue mich sehr, dass, obwohl der Zeitplan sehr ambitioniert war, ein abgewogener, gut begründeter Konsens gelungen ist. ()“ Diese Pressemitteilung der SPD-Bundestagsabgeordneten Kirsten Lühmann, die zugleich Mitglied im Verkehrsausschuss und im Aufsichtsrat der Deutschen Bahn ist, sorgt in Deutsch Evern noch immer für Fassungslosigkeit. Und der zweite Vorsitzende der Bürgerinititative „Deutsch Evern 21“, Michael Hansen, zitierte bei einem Info-Abend zum weiteren Vorgehen der Bahn in der Aula der Grundschule noch einen weiteren Satz Lühmanns, der manchem der 100 Anwesenden die Zornesröte ins Gesicht trieb: „Dieser Dialogprozess ist nicht nur ein gutes Vorbild für andere Großvorhaben, sondern ein Gewinn für unsere Demokratie“.

Walter Gaußmann, Ratsmitglied und erster Vorsitzender der BI, hat das Dialogforum nicht als Gewinn erlebt: „Vor Ort konnte man direkt sehen, wie unsere Demokratie mit Füßen getreten wurde.“ Manche Teilnehmer hätten doppelt abgestimmt, andere Berater dabei gehabt, die plötzlich stimmberechtigt waren, schilderte der BI-Vorsitzende seine Beobachtungen. „Das war Mehrheitsbeschaffung nach Gutsherrenart.“ Auch habe das unmittelbar von den Folgen der beschlossenen Alpha-E-Trasse betroffene Deutsch Evern keinen Vertreter in das Forum entsenden dürfen.

Für die Deutsche Bahn warb Frank Arne Limprecht, Leiter Großprojekte Nord der DB Netz AG, um Vertrauen in die Professionalität der Entscheider. Doch blieb er auch die Antwort auf viele Fragen schuldig. Die Deutsch Everner hatten unter anderem wissen wollen, wie es nun aus Sicht der Bahn weitergehe, der Bau eines dritten Gleises durch den Ort realisiert werde. Doch konkrete Pläne gibt es derzeit noch nicht.

Auch blieb Limprecht in seinen Ausführungen zur Entscheidungsfindung im Dialogforum vage. Thema war zum wiederholten Mal die Beurteilung der Alpha-Variante durch den Geschäftsführer der Beratungsgruppe Wirtschaft und Verkehr GmbH, Stefanos Katzagioris. Dieser hatte noch Mitte Oktober in einem Schreiben an Lüneburgs Ersten Kreisrat Jürgen Krumböhmer, der auch bei der Info-Veranstaltung dabei war, die Alpha-Trasse als nicht empfehlenswert eingestuft. „Alles in allem kann festgestellt werden, dass die Alpha-Trasse ohne Infrastrukturergänzungen, welche die Kapazität in der Nord-Süd-Richtung erhöhen, keine bedarfsgerechte Lösung für die verkehrlichen Probleme des Untersuchungsraumes ist“, schreibt Katzagioris.

Um dem anstehenden Bedarf gerecht zu werden, müsste laut dem Berater dem dritten Gleis der Alpha-Variante bei Deutsch Evern ein viertes folgen. Limprecht sieht diese Option kritisch. „Dazu fehlt das Geld.“ Kreisrat Krumböhmer platzte daraufhin der Kragen. Er machte eindringlich auf die Wahrscheinlichkeit eines bereits kalkulierten vierten Gleises aufmerksam, das dann nicht nur zwischen Lüneburg und Uelzen, sondern auch zwischen Maschen und Lüneburg Realität werden könnte.

Um die Realisierung der Alpha-E-Variante doch zu stoppen, kündigte Hansen an: „Wir erwägen die Gründung eines Vereins, in dem uns auch zahlende Mitglieder unterstützen.“ Im Schulterschluss mit der Stadt Hamburg, dem Landesverband Niedersachsen Pro Bahn, dem VCD-Landesverband und Naturschutzverbänden würde man darüber hinaus auch rechtliche Schritte erwägen. Grund einer möglichen Klage könne das fehlende Raumordnungsverfahren sein und ein damit fehlender objektiver Trassenvergleich. Hansen beschloss den Abend mit einem glühenden Appell an alle Mitstreiter: „Wir geben noch lange nicht auf!“