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Sie kämpfen gegen den Abriss der alten Sparkasse in Bleckede (v.l.): Monika Dyzmann, Michael Thies mit Emma, Beatrice Schwarzbach, Fritz Lohmann, Gabriele und Oliver Barda, Detlef Gosselk, Lutz Röding, Inken Weiseth und Nicole Bremer. Foto: t&w
Sie kämpfen gegen den Abriss der alten Sparkasse in Bleckede (v.l.): Monika Dyzmann, Michael Thies mit Emma, Beatrice Schwarzbach, Fritz Lohmann, Gabriele und Oliver Barda, Detlef Gosselk, Lutz Röding, Inken Weiseth und Nicole Bremer. Foto: t&w

Bleckeder kämpfen für alte Sparkasse

off Bleckede. Unter Protesten haben am Mittwoch in Bleckede die Vorbereitungen zum Abriss der alten Sparkasse begonnen. Wie berichtet, soll das Gebäude (Baujahr 1929) an der Ecke Friedrich-Kücken-Straße/Bahnhofstraße für einen Parkplatz weichen. Pläne, gegen die sich in der Elbestadt schon in den vergangenen Wochen Widerstand formiert hatte — und gegen die am Mittwoch eine Gruppe Bürger auf die Straße ging. Vor der alten Sparkasse protestierten die Bleckeder, die das Gebäude als stadtbildprägendes Element erhalten wollen, mit einem Plakat „Stoppt den Abriss“. In der Nacht hatte zudem ein Unbekannter mit Sprühfarbe auf die Gebäudewand geschrieben: „Stoppt den Abriss. Stoppt Wagner“.

Gemeint ist mit Wagner der Bleckeder Unternehmer Richard Wagner — Chef der Firma „General Development Establishment“, in deren Besitz die alte Sparkasse ist. Er plant den Umbau des alten Daegel-Hauses schräg gegenüber der Sparkasse zum Asia-Restaurant, benötigt dafür nach eigenen Angaben die Parkplätze. Der Erhalt des ehemaligen Bankinstituts, aus dem er vor ein paar Jahren noch ein Ärztehaus machen wollte, ist laut Wagner wirtschaftlich nicht tragbar. „Ich müsste mehr als eine Million Euro investieren“, sagt er. Für einen „Hitlerbau“, wie Wagner die alte Sparkasse nennt, keine Option.

Rechtlich ist er mit seinen Plänen offenbar auf der sicheren Seite. Das Gebäude steht aktuell nicht mehr unter Denkmalschutz, eine Genehmigung für den Abriss wäre damit grundsätzlich nicht notwendig gewesen. „Weil das Gebäude aber an ein Denkmal grenzt, das nicht beschädigt werden darf, brauchte es eine denkmalrechtliche Genehmigung, die wir erteilt haben“, sagt die Sprecherin des Landkreises Lüneburg, Elena Bartels. Mit der Stadt Bleckede hat Richard Wagner zudem eine freiwillige, schriftliche Vereinbarung über die Gestaltung des geplanten Parkplatzes geschlossen, in der er sich verpflichtet, das Gelände zu begrünen und Parkbänke aufzustellen. „Damit haben wir als Stadt aus unserer Sicht das Bestmögliche für die künftige Gestaltung des Geländes erreicht“, sagt Bleckedes Bürgermeister Jens Böther.

Für die Mitglieder der Initiative „Bürger gegen den Abriss der Sparkasse“ gibt es hingegen nur eine Option: den Erhalt des Gebäudes. Nach dem Beginn der ersten Abrissarbeiten hat Mitglied Michael Thies an Bleckedes Bürgermeister, die Untere Denkmalschutzbehörde, Landrat Manfred Nahrstedt und Lüneburgs Oberbürgermeister Ulrich Mädge geschrieben und im Namen mehrerer Hauseigentümer aus der Bleckeder Innenstadt Widerspruch gegen den Abriss eingelegt. „Der Anwalt der Werbegemeinschaft prüft zudem, ob eine einstweilige richterliche Verfügung gegen die Abrisserlaubnis erwirkt werden kann“, sagt Thies. Sogar ein Kaufangebot hätte man Wagner gemacht, sei sich aber beim Preis nicht einig geworden.

Für den Bleckeder und seine Mitstreiter ist der Abriss der alten Sparkasse „ein Skandal“. „Dieses Gebäude ist stadtbildprägend, seit Jahrzehnten das Einfahrtstor aus Richtung Westen in unsere Innenstadt“, sagt Thies. Lutz Röding, Vorstandsvorsitzender der Bleckeder Bürgerstiftung und ehemaliger Stadtdirektor, bemängelt zudem das fehlende Konzept hinter dem Abriss. „Ein Parkplatz an dieser Stelle“, sagt er, „das ist doch eine Schande.“ Wie viele Mitglieder der Initiative fürchtet er zudem, dass der Eigentümer seine Versprechen nicht hält und es am Ende gar nicht zum Bau eines Parkplatzes kommt, „sondern eine Ruine zurückbleibt“. Schon oft habe Wagner in Bleckede große Pläne gehabt, kritisieren die Abriss-Gegner, davon aber nur wenige in die Tat umgesetzt.

Wagner selbst nimmt die Proteste zur Kenntnis, hält an seinen Plänen allerdings fest. „Dieses Haus ist wirtschaftlich nicht zu halten“, sagt er. „Außerdem bin ich überzeugt, dass das denkmalgeschützte Haus neben der alten Sparkasse nach dem Abriss viel besser zur Geltung kommt.“

Video:

Einer der Abrissgegner ist der Bleckeder Michael Thies. Video: off