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Die Überreste des unscheinbaren Schokoladenkuchens, der vor knapp zwölf Jahren die Lüneburger Herderschule bundesweit in die Schlagzeilen brachte. Ein 19-jähriger Schüler hatte Marihuana beigemischt. Foto: A/be
Die Überreste des unscheinbaren Schokoladenkuchens, der vor knapp zwölf Jahren die Lüneburger Herderschule bundesweit in die Schlagzeilen brachte. Ein 19-jähriger Schüler hatte Marihuana beigemischt. Foto: A/be

Die Sache mit dem Haschkuchen

ahe/dpa Celle/Lüneburg. Ein in der Schule verteilter Haschkuchen hat elf Jugendlichen in Celle erhebliche gesundheitliche Probleme bereitet. Wie die „Cellesche Zeitung“ am Mittwoch berichtete, kamen neun Schüler des Gymnasiums Ernestinum mit Kreislaufbeschwerden und Übelkeit ins Krankenhaus. Die Geschehnisse erinnern unweigerlich an einen ähnlichen Fall an der Lüneburger Herderschule, der bundesweit für Schlagzeilen gesorgt hatte: Ein Schüler hatte im Februar 2004 einen mit Marihuana versetzten Schokoladenkuchen für die Lehrer gebacken, zehn Pädagogen klagten anschließend über gesundheitliche Probleme, darunter eine schwangere Lehrerin.

Ein damals 19-jähriger Abiturient steckte hinter dem als Streich gedachten Anschlag auf die Gesundheit. Fünf Tage nach dem Vorfall bereute er seine Tat öffentlich: erst vor der versammelten Schule, dann bei einer Pressekonferenz in der Landesschulbehörde in Lüneburg. Auch deshalb flog er nicht wenige Monate vor seiner Reifeprüfung vom Gymnasium, sondern durfte sein Abitur am Ochtmisser Kirchsteig machen.
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Vor Gericht musste sich der Haschkuchen-Bäcker später dennoch verantworten. Im Oktober 2004 verurteilte ihn das Amtsgericht Lüneburg wegen Drogenerwerbs und gefährlicher Körperverletzung. Der Jugendrichter sprach eine Verwarnung aus, der Abiturient musste drei Kontaktgespräche in einer Drogenberatungsstelle führen. Als Zeichen seiner Reue leistete er zudem 93 Pflegedienststunden im Krankenhaus in Winsen. Eine Lehrerin, die vom Kuchen gegessen hatte, forderte zudem 1000 Euro Schmerzensgeld. Letztlich einigten sich beide Parteien auf 500 Euro.

Im Celler Fall sei ein Mädchen zur Beobachtung über Nacht in der Klinik geblieben. Die Schulleitung hatte nach dem Drogenkonsum der 15- bis 17-Jährigen am Dienstag sofort die Landesschulbehörde in Lüneburg informiert und Anzeige bei der Polizei erstattet. Drei 15-jährige Jungen gelten als Tatverdächtige. Die Zehntklässler sollen den mit Hilfe einer Marihuana-Backmischung zubereiteten Kuchen in der Pause angeboten haben. „Wir ermitteln wegen gefährlicher Körperverletzung und wegen des Erwerbs von Marihuana“, sagte ein Polizeisprecher. Noch sei unklar, ob die Mitschüler wussten, dass das von dem Trio verteilte Gebäck die Droge enthielt.

Der Zeitung zufolge wurden die drei mutmaßlichen Haschkuchenbäcker zunächst vom Unterricht suspendiert. Zudem seien eine Klassenkonferenz und ein Brief an die Eltern aller Schüler geplant.